Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Beben nach Konjunkturdaten: US-Wirtschaft zeigt Schwäche

Ist die Wirtschaftsschwäche in Europa ansteckend? Bislang gelten die USA als Zugpferd der weltweiten Konjunkturerholung. Das robuste Wachstum lässt sogar die Zinswende näherrücken. Doch nun sendet die größte aller Volkswirtschaften verstörende Signale.

In der weltgrößten Volkswirtschaft kommt die konjunkturelle Erholung offenbar ins Stottern. Wichtige Konjunkturdaten enttäuschten. So verschlechterte sich das Wachstum der Geschäftsaktivität des verarbeitenden Gewerbes im Großraum New York im Oktober drastisch. Zugleich stiegen die Erzeugerpreise unerwartet schwach. Und schließlich meldete der Einzelhandel enttäuschende Daten.

An den Märkten sorgten die Daten für beachtliche Beben: Der Dax rauschte auf ein neues Jahrestief. Die Börsen in Mailand, Paris und Madrid fallen um bis zu drei Prozent. In Athen geht es um über zehn Prozent nach unten. An der Wall Street verliert der Dow-Jones-Index zum Auftakt 1,6 Prozent. Der Dollar fällt zum Euro zurück. Der Bund-Future erreicht ein Allzeithoch. Zehnjährige Bundestitel rentieren nur noch mit 0,74 Prozent, die zehnjährigen US-Anleihen mit 2,11 Prozent, das sind zehn Basispunkte weniger als am späten Dienstag.

Stottert die Industrie?

Gerade der Empire State Index enttäuscht massiv: Der von der Federal Reserve Bank of New York ermittelte Index der Geschäftsaktivität des verarbeitenden Gewerbes im Großraum New York brach im Oktober auf 6,17 ein. Allerdings war der September-Stand von 27,54 auch der höchste seit Ende 2009. Dennoch hatten Volkswirte einen deutlich geringeren Rückgang auf 20,00 prognostiziert. Immerhin: Ein Wert über null signalisiert eine Expansion des Industriesektors.

Die New Yorker Fed sieht in den Daten einen Hinweis auf einen gedämpfteren Ausblick der Unternehmen. Sie wies allerdings darauf hin, dass die Indizes im langfristigen Vergleich immer noch auf einem vergleichsweise hohen Niveau stünden, und die Perspektive auf eine Erholung in den kommenden Monaten bestehe. Der Indikator gilt ebenso wie der der Philadelphia Fed als vergleichsweise verlässlicher Vorläufer für den viel beachteten ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe der USA.

Was machen die Verbraucherpreise?

Sorgenfalten trieben auch die Einzelhandel-Daten auf die Stirn der Analysten. Immerhin macht die Branche etwa 30 Prozent des privaten Konsums in den USA aus. Dieser wiederum steht für rund 70 Prozent der US-Wirtschaftsleistung und gilt als zuverlässiges Stimmungsbarometer für die gesamte Konjunktur. Im September sanken die Erlöse nun laut Handelsministerium auf Monatssicht um 0,3 Prozent. Analysten hatten dagegen lediglich mit einem Rückschritt von 0,1 Prozent gerechnet. Im August hatten die Umsätze noch um 0,6 Prozent zugelegt.

Das Handelsministerium mitteilte, verringerte sich im September auf Erzeugerebene der Preisdruck. Die Erzeugerpreise stiegen mit einer Jahresrate von 1,6 Prozent. Im August hatte die Teuerung 1,8 Prozent betragen und im Juli 1,7 Prozent. Auf Monatssicht gaben die Preise um 0,1 Prozent nach, nachdem sie im August stagniert hatten. Volkswirte hatten dagegen mit einem Anstieg um 0,1 Prozent gerechnet. Ohne Berücksichtigung der volatilen Preise von Nahrungsmitteln und Energie stagnierten die Preise auf Monatssicht. Erwartet worden war ein Plus von 0,1 Prozent.

Die Erzeugerpreise geben einen frühen Hinweis auf die Entwicklung der Inflation. In der Regel schlagen veränderte Erzeugerpreise früher oder später auf den Handel und damit auf die Verbraucher durch.

Quelle: n-tv.de

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