Wirtschaft
Igor Setschin.
Igor Setschin.(Foto: REUTERS)

"Gefährlichster Mann des Planeten": USA ärgern Russlands "Darth Vader"

Von Jan Gänger

Er ist Chef des Ölgiganten Rosneft und die graueste aller grauen Eminenzen des Kremls: Igor Setschin. Nur sein Präsident ist noch mächtiger als er selbst. In Russland wird der geheimnisvolle Mann "Darth Vader" genannt. Ganz ohne Ironie.

Igor Setschin genießt in Russland einen bemerkenswerten Ruf. Dort wird er immerhin als "gefährlichster Mann des Planeten" bezeichnet. Und ist von "Darth Vader" die Rede, dann ist in der Regel Setschin gemeint. Und nicht etwa der dunkle Lord aus "Krieg der Sterne."

Sein offizieller Titel ist weitaus weniger furchteinflößend. Er ist Vorstandsvorsitzender des Ölkonzerns Rosneft. Zudem ist er einer der engsten Vertrauten Wladimir Putins - und findet sich auf der Sanktionsliste der USA wieder.

Setschin gibt sich angesichts von Einreiseverbot und möglichen Kontensperrungen zwar betont gelassen. Doch lästig dürfte ihm die Sache trotzdem sein. Denn der mysteriöse Mann befindet sich nun dort, wo er ungerne ist: im Licht der Öffentlichkeit.

Viel ist über Setschin nicht bekannt, seine bekannt gewordene Biografie hat Lücken. Interviews lehnt er in der Regel ab. Er arbeitet lieber im Hintergrund als Strippenzieher, dessen Einfluss weit über seine offiziellen Ämter hinausreicht. Setschin gilt als der mächtigste der sogenannten Silowiki. Hinter diesem Begriff verbergen sich Männer aus Geheimdienst und Militär, die Schlüsselstellungen in Politik und Wirtschaft eingenommen haben.

1960 geboren, geht Setschin nach einem Sprachenstudium in Leningrad nach Mosambik. Offiziell war er an der Botschaft lediglich Übersetzer. Doch aller Wahrscheinlichkeit nach war er zugleich KGB-Offizier. Das hat er nie bestätigt und nie dementiert. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion kehrte er in seine Heimat zurück - und traf in der Leningrader Stadtverwaltung den ehemaligen Geheimdienstler Wladimir Putin, der dort die Grundlage für seine politische Karriere legte.

"Eiserne Faust"

Als Putin im Jahre 2000 Präsident wurde, machte er Setschin zu seinem Stabschef, später bekleidete dieser noch andere politische Ämter. Setschin gilt als derjenige, der mit Michail Chodorkowski den damals reichsten Oligarchen zu Fall brachte. Der Gründer des Jukos-Konzerns wurde in umstrittenen Prozessen zu mehrjähriger Lagerhaft verurteilt, der Konzern wurde zerschlagen. Das Filet-Stück verleibte sich Rosneft 2004 ein. Im selben Jahr wurde Setschin Chairman des Staatskonzerns, der zum weltweit größten Ölproduzenten aufsteigt. Hält er Anteile am Energie-Giganten? Das ist möglich, aber nicht sicher. Fest steht nur, dass in Russland Macht, Geld und Geheimdienste nicht zu trennen sind.

"Er regiert mit eiserner Faust", sagt ein ehemaliger Mitarbeiter. "Er hat ein grandioses Gedächtnis und die fantastische Gabe, lange zu arbeiten. "Er beeinflusst Putins Entscheidungen zwar gelegentlich, ist dem Präsidenten aber stets loyal ergeben. "Er ist sehr treu", sagt Jewgeni Murawitsch, der mit Setschin Sprachen studiert und mit ihm in Mosambik gearbeitet hat. "Er hat seine eigene Vorstellung von Ehre, und das ist Loyalität bis zum bitteren Ende."

Quelle: n-tv.de

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