Wirtschaft
Eine Solaranlage in El Grove, Kalifornien. Unfaire Beihilfen für chinesische Produzenten sorgen seit Monaten für Gesprächsstoff.
Eine Solaranlage in El Grove, Kalifornien. Unfaire Beihilfen für chinesische Produzenten sorgen seit Monaten für Gesprächsstoff.(Foto: REUTERS)

Zölle auf Solar-Importe: USA schieben China Riegel vor

Nach Beschwerden von US-Firmen über Subventionen des chinesischen Staates für Solarfirmen verhängt das US-Handelsministerium Zölle für Solarzellen aus China. Mit dem Schritt reagiert Washington auf den Preiskampf in der Branche, der in den USA und in Europa eine Pleitewelle ausgelöst hat.

Im Kampf gegen die Billigkonkurrenz aus China hat die Solarbranche in den USA einen Dämpfer erlitten. Zum Schutz der heimischen Hersteller beschloss das Handelsministerium in Washington Sonderzölle auf chinesische Importe von Solarzellen und -modulen. Branchenbeobachtern zufolge fielen diese allerdings überraschend niedrig aus.

Die vorläufige Ausgleichsabgabe wegen Staatsbeihilfen beläuft sich danach auf 2,9 bis 4,73 Prozent des Produktwertes. Damit blieb das Ministerium weit hinter den Erwartungen von Experten zurück, die mit Abgaben von 20 bis 30 Prozent gerechnet hatten. Die US-Tochter der Bonner Solarworld, die mit anderen Herstellern die Regierung um Hilfe gebeten hatte, begrüßte den Beschluss dennoch als wichtigen Schritt auf dem Weg zu fairen Handelsbedingungen.             

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Auch The Coalition for American Solar Manufacturing wollte sich keine Enttäuschung anmerken lassen. Sie gehe davon aus, dass das Handelsministerium im Laufe der Untersuchung in den kommenden Monaten weitere Hinweise für Beihilfen und unfaire Preispraktiken finden und letztlich noch zu höheren Zöllen kommen werde, teilte die Branchenvereinigung mit. Eine vorläufige Entscheidung über Anti-Subventions-Zölle will die Regierung im Mai bekanntgeben. Eine endgültige Entscheidung wird für die zweite Jahreshälfte erwartet.

"Die heutige Ankündigung bestätigt das, was die US-Hersteller schon lange wussten: Die chinesischen Produzenten haben unfaire Beihilfen erhalten, die auch gegen die Regeln der Welthandelsorganisation verstoßen", sagte der Chef von Helios Solar Works, Steve Ostrenga.               

Börsen feiert "Niedrig-Abgabe"

An der Börse wurden allerdings die chinesischen Solarfirmen als Punktsieger gehandelt. Den Aktien der in den USA notierten Unternehmen verhalf die überraschend gering ausgefallene Sonderabgabe zu einem Kurssprung. Die Papiere von Trina Solar schnellten um rund acht Prozent in die Höhe, die Titel von Suntech sogar um 14 Prozent. Die Aktien von JA Solar gewannen mehr als vier Prozent.    

Im Herbst hatte die US-Tochter von Solarworld zusammen mit sechs anderen Firmen eine Petition bei der US-Regierung gegen die zunehmenden Billig-Importe aus China eingereicht. Solarworld-Chef Frank Asbeck und seine Mitstreiter werfen der chinesischen Konkurrenz unlauteren Wettbewerb vor. Diese erhalte günstige Kredite von staatlicher Seite und bringe die Produkte zu Dumping-Preisen auf den Markt. Daher forderten die Unternehmen Strafzölle von über 100 Prozent auf importierte Solarzellen und -module aus China. Die Hoffnung auf staatliche Rückendeckung hatte US-Präsident Barack Obama erst vorige Woche genährt. Er wolle keine im Ausland produzierten Windturbinen, Solarmodule und High-Tech-Batterien. "Ich will, dass sie hier gefertigt werden", sagte er.   

Chinas Branchengrößen erwirtschaften mehr als 20 Prozent ihrer Umsätze in den USA. Dort wuchsen die Importe aus der Volksrepublik im vergangenen Jahr rasant auf schätzungsweise 2,8 Mrd. US-Dollar, mehr als doppelt so viel wie 2010           

Preiskampf tritt Pleitewelle los

Dem Preisdruck in der Solarindustrie waren in den USA im vergangenen Jahr mehrere Unternehmen zum Opfer gefallen - unter anderem der Solarpionier Evergreen und der Zellhersteller Solyndra. Auch in Deutschland tobt der Preiskampf. Rote Zahlen sind beinahe an der Tagesordnung auch beim lange erfolgsverwöhnten Branchenprimus Solarworld.

Jüngstes Opfer ist der Solarkraftwerks-Entwickler Solarhybrid, der einen Insolvenzantrag ankündigte. Zudem drohen weitere Pleiten und der Ausverkauf deutscher Technologie. So wird der insolvente Modulhersteller Solon von der arabischen Microsol übernommen. Die Konstanzer Sunways wird von der chinesischen LDK geschluckt, die mittlerweile auch wegen des Preiskampfes unter Druck gerät und ihre Gewinnschätzung kappte. Der ebenfalls insolvente Solarkraftwerks-Entwickler Solar Millennium aus Erlangen wird zerschlagen. Q-Cells und Conergy ringen ums Überleben.     

Auch Bundesumweltminister Norbert Röttgen warf China eine gezielte Verdrängung deutscher Firmen und Monopolstreben vor. Die chinesischen Modulhersteller würden unbegrenzt subventioniert, schrieben aber dennoch rote Zahlen, sagte er Mitte Januar. Die billigen chinesischen Importe seien der Hauptgrund für die boomenden Solar-Aufträge in Deutschland. Die Europäische Union hat allerdings noch keine Abwehrmaßnahmen gegen die chinesischen Dumping-Konkurrenz angekündigt.

Quelle: n-tv.de

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