Wirtschaft
Wladimir Putin.
Wladimir Putin.(Foto: REUTERS)

Das Vermögen des Wladimir P.: USA suchen Putins Milliarden

Von Jan Gänger

Die USA belegen immer mehr Vertraute Wladimir Putins und ihre Firmen mit Sanktionen. Die Botschaft der Amerikaner in Richtung Kreml ist deutlich: Wir sind hinter dem vielen Geld des Präsidenten her.

Auf der Sanktionsliste der USA fehlt der Name des Mannes, dem die Vereinigten Staaten am meisten schaden wollen: Wladimir Putin. Doch das Ziel der Amerikaner ist trotzdem eindeutig. Sie wollen Russlands Präsidenten dort treffen, wo es ihm wahrscheinlich sehr weh tut - bei seinem Geld. Und so verhängt Washington Einreiseverbote und Kontensperren gegen Geschäftsmänner und Firmen aus dem Umfeld Putins, um damit indirekt den russischen Präsidenten zu schaden.

Doch wie reich ist Wladimir Putin überhaupt? Offiziellen Angaben zufolge ist der Staatschef für russische Verhältnisse nicht sonderlich vermögend. Laut Kreml verdiente er im vergangenen Jahr umgerechnet vergleichsweise bescheidene 102.000 Dollar. Nicht nur in Russland wird das gemeinhin angezweifelt, schließlich gilt die Elite als durch und durch korrupt. In der einschlägigen Liste von Transparency International belegt Russland Platz 127 - knapp vor Bangladesch.

Und da der Fisch bekanntlich vom Kopf her stinkt, halten sich die Berichte hartnäckig, denen zufolge Putin angeblich über ein immenses Vermögen verfügt. Die kolportierten Summen sind schwindelerregend. Über Strohmänner soll er 40 Milliarden Dollar besitzen. Mindestens.

Putin wies das wiederholt zurück. "Ja, es ist wahr. Ich bin nicht nur reichste Mann Europas, sondern der Welt. Ich sammele nämlich Emotionen", sagte er 2008. Das Gerede über große persönliche Reichtümer sei aber "Müll", schimpfte er in Richtung Journaille. "Sie nehmen alles aus der Nase von irgendjemanden und schmieren es in ihre kleinen Zeitungen."

US-Regierung nennt Namen

Zum Verstummen brachte Putin die Spekulationen über seinen vermeintlichen Reichtum damit allerdings nicht. Im Zentrum steht dabei vor allem ein Konzern in der Schweiz, an dem Putin beteiligt sein soll: Gunvor. Der weltweit viertgrößte Ölhändler setzte 2012 mehr als 90 Milliarden Dollar um. Das Unternehmen und Putin weisen eine Verbindung weit von sich. Und tatsächlich gelang es bisher keinem Medium, anderslautende Behauptungen zu beweisen.

Doch die US-Regierung ist sich ihrer Sache sicher. Sie setzte Miteigentümer Gennadi Timtschenko auf die Liste mit Sanktionen - und lieferte eine eindeutige Erläuterung. "Timtschenkos Aktivitäten im Energiesektor haben direkte Verbindungen zu Putin. Er ist in Gunvor investiert und könnte Zugang zu Gunvors Vermögen haben", so das US-Finanzministerium. Beide kennen sich seit ihrer gemeinsamen Zeit im St. Petersburg der 90er Jahre, wo Putin in der Stadtverwaltung den Grundstein für seine politische Karriere legte. Timtschenko ist laut dem US-Magazin "Forbes" der sechstreichste Mann Russlands.

Gunvor wies derweil die Anschuldigungen aus Übersee zurück. "Gunvor dementiert kategorisch, dass Wladimir Putin an dem Unternehmen beteiligt ist oder war und dass er von unseren Geschäften direkt oder indirekt profitiert", so der Ölhändler, der nicht auf der Sanktionsliste steht. Timtschenko verkaufte in Erwartung der Sanktionen einen Tag vor der Veröffentlichung seine Anteile an Geschäftspartner Thorbjörn Törnqvist. Dieser sei nun mit einem Anteil von knapp 90 Prozent Mehrheitsaktionär der Firma, heißt es. Der Rest der Papiere gehöre Mitarbeitern.

Das US-Finanzministerium legte keine Beweise für eine angebliche Verbindung zwischen Gunvor und Putin vor. Doch Beobachter weisen darauf hin, dass es ausreichend Substanz geben muss, damit diese Anschuldigung bei einer möglichen Klage vor Gericht untermauert werden kann.

Festnahme in Wien

Die USA zielen unterdessen weiter in Richtung Putin und erweiterten ihre Sanktionsliste nicht nur um Vertraute, sondern auch um Firmen die ihnen oder Timtschenko gehören. Mit dabei sind auch die Bank Rossia und ihr Chef Juri Kowaltschuk. Das Unternehmen gilt als Bank der Putin-Vertrauten. "Kowaltschuk ist ein enger Berater von Putin und wird als sein Banker bezeichnet", so das US-Finanzministerium.

"Es ist schwierig, an Putins Vermögen heranzukommen", zitiert die "New York Times" den ehemaligen Schachweltmeister Garri Kasparow, der zu einem erbitterten Gegner des Präsidenten wurde. "Es ist erreichbar, aber man muss vielleicht ein paar Regeln brechen."

In diesem Zusammenhang ist die Verhaftung eines ukrainischen Oligarchen in Wien interessant. Dmitri Firtasch wurde Anfang April festgenommen, die USA haben einen Auslieferungsantrag gestellt. Die US-Behörden werfen ihm Bestechung und die Bildung einer "kriminellen Vereinigung" in Zusammenhang mit Minengeschäften in Indien vor. Mittlerweile ist er zwar gegen eine Kaution von mehr als 100 Millionen Euro wieder frei, Firtasch darf Österreich bis zu einer Entscheidung der Justiz über seine Auslieferung aber nicht verlassen.

Firtasch machte sein Vermögen mit dem Import von Gas und Öl aus Russland in die Ukraine. Seine Firma ist eng mit Gazprom verflochten. Der Oligarch könnte, so meinen Experten für organisierte Kriminalität, den USA von großem Nutzen sein, wenn er mit den Behörden kooperiert. Er wisse genau, auf welchen Wegen Russlands Staatsdiener und Geschäftsmänner Milliarden ins Ausland schaffen und dort verstecken.

Quelle: n-tv.de

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