Wirtschaft

Lufthansa streicht Flüge am MittwochUfo-Streiks wirken noch nach

05.09.2012, 03:42 Uhr
36w10509-jpg7235373127276897345
So hatten sich diese Passagiere ihre Reise mit der Lufthansa sicher nicht vorgestellt. (Foto: dpa)

Die Lufthansa kann erst einmal durchatmen, die Flugbegleiter kehren am Mittwoch wieder zur Arbeit zurück. Durchgestanden ist die Affäre damit aber nicht. Noch immer läuft der Flugverkehr bei der Airline nicht ganz normal. Zudem droht schon das nächste Chaos. Die Gewerkschaft Ufo will am Freitag erneut zum Streik aufrufen - den ganzen Tag lang und bundesweit.

Die Lufthansa muss nach

den Flugbegleiterstreiks auch am Mittwoch noch Flüge streichen. Einen Tag nach den

Streiks der Kabinengewerkschaft Ufo an den Flughäfen Berlin-Tegel, Frankfurt am

Main und München müsse die Airline noch immer Flüge annullieren, sagte ein Lufthansa-Sprecher

in der Nacht. Allerdings dürften die Auswirkungen "vergleichsweise gering"

sein, hieß es.

Auf ihrer Internetseite hat die Fluggesellschaft eine Liste mit 22 gestrichenen

Flügen von und nach Frankfurt und München veröffentlicht, die für Mittwoch geplant

waren. Diese Streichungen seien Auswirkungen der Streiks, sagte der Sprecher. Grund

für die Ausfälle ist offenbar, dass noch nicht alle Flugzeuge und Besatzungen wieder

an ihren Abflugorten seien.

An diesem Freitag will die

Ufo den Flugverkehr in ganz Deutschland weitgehend lahmlegen. Dann wollen die Stewards

und Stewardessen alle Standorte der Lufthansa von 0.00 bis 24.00 Uhr bestreiken.

Die Kranich-Airline muss sich damit auf einen der größten Arbeitskämpfe in ihrer

Geschichte gefasst machen.

Chaos hielt sich in Grenzen

Am Dienstag hatten die Flugbegleiter

ihre Arbeit in München bis Mitternacht niedergelegt, in Frankfurt bis 14.00 Uhr

und in Berlin bis 13.00 Uhr. Weit mehr als 300 Flüge fielen aus. In München wurden

mehrere hundert Feldbetten aufgestellt. Sollten Fluggäste im Zuge des Streiks der

Lufthansa- Flugbegleiter nicht mehr weiterkommen, können sie auf dem Airport schlafen.

Die Lufthansa betonte jedoch, dass dies eine reine Vorsichtsmaßnahme sei. Man hoffe,

dass alle Betroffenen in Hotels unterkommen oder anderweitig ihre Reise antreten

oder fortsetzen konnten.

Das Chaos in München und

an den anderen beiden bestreikten Flughäfen Frankfurt und Berlin hielt sich aber

insgesamt in Grenzen. Die Lufthansa konnte nach Angaben eines Sprechers die Hälfte

der betroffenen Fluggäste per SMS informieren und sagte Flüge früher ab.

Ufo-Chef Nicoley Baublies

sagte: "Wir haben jetzt bewiesen, dass wir streiken können." Die Lufthansa

habe sich aber nicht bewegt. Ein Lufthansa-Sprecher erklärte, die Tür zu Gesprächen

sei offen, aber über den Schlichtungsgegenstand habe man sich in der Vergangenheit

nicht einigen können.

Kosten in Millionenhöhe

Lufthansa-Sprecher Klaus

Walther nannte die Drohung der Gewerkschaft, bundesweit zu streiken, völlig überzogen.

"Das wird kein guter Tag für den Wirtschaftsstandort Deutschland", sagte

er dem rbb-Fernsehen. "Wir haben ein Angebot vorgelegt, sowohl beim Thema Gehalt

als auch beim Thema Arbeitsbedingungen, Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen,

Ausschluss von Leiharbeit - alles die strittigen Themen, und wir fordern Ufo dringend

auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren."

Walther sagte bei Phoenix,

flächendeckende, ganztägige Streiks würden in erster Linie die Kunden treffen, brächten

aber auch das Unternehmen in eine schwierige Lage. Letztlich gehe dies zulasten

der Reputation der Lufthansa. "Wenn das zur Kraftprobe genutzt wird, dann wird

das am Ende des Tages jedem einzelnen von uns schaden." Die Lufthansa müsse

moderne Produktionsstrukturen schaffen, um im Wettbewerb mithalten zu können.

Die Lufthansa und ihre Passagiere spürten die zweite Streikwelle bereits deutlich

heftiger als den Auftakt am vergangenen Freitag, als 190 Flüge gestrichen wurden.

Allein am Drehkreuz Frankfurt wurden nach Angaben der Lufthansa am Dienstag 217

Starts und Landungen gestrichen. Die Hälfte der in der Streikzeit geplanten Kurz-

und Mittelstreckenflüge und jeder dritte Interkontinentalflug fielen aus. Auf dem

zweitgrößten deutschen Flughafen in München wurden mehr als 100 Flüge annulliert.

Die Kosten des Streiktages lägen deutlich in Millionenhöhe.

Nadelstiche oder Faustschläge?

Die Passagiere in den Warteschlangen

schwankten zwischen Empörung über die Streikenden und Verständnis für ihre Forderungen.

"Wenn man drei Jahre keine Erhöhung bekommen hat, darf man auch mal streiken"

meinte in Berlin der wartende Passagier Thomas Hufnagel. Sein Mitreisender Dirk

Dittner hält hingegen die Situation der Lufthanseaten noch für komfortabel. Er erwarte,

dass die Angestellten über den Tellerrand hinaus blicken und auf die Konsequenzen

ihrer Aktionen achten.

Baublies hatte die Streiks

als Nadelstiche bezeichnet. Lufthansa kritisierte die Taktik der gestuften Streiks

und Ankündigungen als "Faustschläge ins Gesicht unserer Kunden. Hier streikt

eine Gewerkschaftsführung gegen die Kunden", sagte Konzernsprecher Klaus Walther.

Bahn springt ein

Bei der Planung des restlichen

Flugprogramms hatten Verbindungen nach Übersee Vorrang, auf kürzeren Entfernungen

wurden die Gäste vor allem auf die Bahn umgebucht. "Wir rechnen mit einigen

tausend Fahrgästen mehr", sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn in Berlin.

"Bei Bedarf werden wir mehr Züge auf die Reise schicken, bisher reichten die

Kapazitäten noch aus."

Der Tarifstreit dauert bereits

seit gut einem Jahr. Die Gewerkschaft kämpft für höhere Löhne und gegen die Auslagerung

von Stellen. Nach Ansicht des Managements sind Einschnitte nötig, da die harte Konkurrenz

der Lufthansa das Leben schwermache. Die Airline legte deshalb ein Milliarden-Sparprogramm

auf und verlangt nun, dass auch die Bord-Servicekräfte einen Beitrag leisten. Während

die Gewerkschaft fünf Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 15 Monaten fordert,

hat die Lufthansa eine Erhöhung um 3,5 Prozent über drei Jahre angeboten. Bei der

Fluglinie arbeiten 18.000 Menschen im Bordservice.

Eine Übersicht über ausgefallene Flüge finden Sie hier. Auf der Seite Lufthansa können Sie

zudem den Status Ihres Fluges abfragen. Telefonisch erreichen

Sie die Lufthansa unter 01805 / 805 805. Die Fluggesellschaft bittet Passagiere,

deren Flüge gestrichen wurden, auf den Internetseiten des Unternehmens ("Online Check-In") zu prüfen, ob sie bereits auf

einen Alternativflug eingecheckt wurden. "Ist dies der Fall, kann die Bordkarte

für diesen neuen Flug sofort online erstellt werden."

Quelle: ntv.de, dpa/rts