Wirtschaft
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ZEW-Index sackt ab: Ukraine-Krise drückt Konjunkturerwartungen

Die Konjunkturerwartungen der Finanzexperten trüben sich stark ein. Allerdings wird die aktuelle Lage besser als erwartet eingeschätzt. Für die Forscher bleibt die Konjunkturerholung intakt. Nun richten sich die Blicke bereits auf den anstehenden Ifo-Index.

Die Eintrübung der Konjunkturerwartungen von Finanzanalysten und institutionellen Investoren setzt sich verstärkt durch die Ukraine-Krise fort. Der entsprechende Index fällt im Mai überraschend deutlich um mehr als zehn auf 33,1 Punkte. Allerdings relativierte das Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) den Rückgang für Deutschland. Am Markt komme das deutsche Börsenbarometer Dax und der Euro leicht zurück. Der Bund-Future reagiert dagegen mit Aufschlägen

Der Rückgang müsse "vor dem Hintergrund der starken Wirtschaftsentwicklung im ersten Quartal 2014 gesehen werden", sagte ZEW-Präsident Clemens Fuest. "Es zeichnet sich bereits ab, dass die deutsche Wirtschaft das hohe Wachstumstempo nicht halten kann. Dennoch ist von einer in der Grundtendenz positiven konjunkturellen Entwicklung im Jahr 2014 auszugehen."

Dies sieht auch die Bundesregierung so: "Insgesamt hat sich die Erholung gefestigt und an Breite gewonnen", heißt es im jüngsten Monatsbericht des Wirtschaftsministeriums.

Nach 0,4 Prozent Wachstum im Jahresschlussquartal 2013 dürfte die gesamtwirtschaftliche Leistung im ersten Quartal 2014 nochmals kräftiger zugenommen haben. "Allerdings wird im Gegenzug die Frühjahrsbelebung etwas schwächer ausfallen als gewohnt", warnten die Konjunkturexperten von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Doch befinde sich die deutsche Wirtschaft insgesamt in einem breit angelegten Aufschwung.

Lagebeurteilung steigt

Für den Index der Erwartungen war es bereits der fünfte Rückgang in Folge und nun der niedrigste Stand seit Januar 2013. Analysten waren indes lediglich von einem Minus auf 41 Punkte ausgegangen. Im April hatte der Index noch bei 43,2 gelegen. Auch für die Eurozone sind die Erwartungen gesunken - um 6,0 auf 55,2 Punkten.

Wie es weiter hieß, steigt dagegen die Bewertung der aktuellen konjunkturellen Lage für Deutschland um 2,6 auf 62,1 Punkte. Für den Euroraum verbesserte sich der Indikator um 4,9 auf minus 25,6 Punkte.

Angesichts der unverändert nach oben zeigenden Tendenz rechnet Torsten Sprenger von HSBC Trinkaus auch nicht mit einem weiteren Einbruch. Dagegen spreche die Erholung in der Eurozone und die überwundene Winterdelle in der US-Wirtschaft. Im Dezember hatte die Einschätzung für die kommenden Monate mit 62 Punkten ein Hoch erreicht. Seither geht es bergab.

Negative Vorgaben für Ifo?

Genau anders herum sieht es bei der aktuellen Lage aus. Ende vergangenen Jahres lag der Unterindex noch bei 32,4 Punkten, hat sich seitdem aber beinahe verdoppelt.

Nach Einschätzung der Helaba ist der Rückgang der Konjunkturerwartungen aufgrund der gestiegenen geopolitischen Risiken in der Ostukraine nicht überraschend. Die gestiegene Lagebeurteilung lege nahe, dass angesichts des weiterhin sehr hohen Niveaus keine generellen Konjunkturzweifel aufkommen sollten.

"Per saldo liefern die heutigen Zahlen aber eine leicht negative Indikation für den in der kommenden Woche zur Veröffentlichung anstehenden Ifo-Geschäftsklimaindex", sagt Johannes Jander. Zusätzlicher Druck auf die EZB, im Juni weitere Lockerungsmaßnahmen zu beschließen, sollte aber nicht aufkommen.

Die Gemeinschaftswährung fiel in der Spitze auf ein Fünf-Wochen-Tief von 1,3739 Dollar nach zuvor 1,3764 Dollar. Auch der Dax bröckelte leicht ab und notierte nur noch 0,5 Prozent fester nach zuvor 0,7 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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