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Energieminister Alexander Nowak sieht neue Gespräche als Beitrag zur Gesundung der ukrainischen Wirtschaft.
Energieminister Alexander Nowak sieht neue Gespräche als Beitrag zur Gesundung der ukrainischen Wirtschaft.(Foto: REUTERS)

Russland will reden: Ukraine soll als Gas-Kunde erhalten bleiben

Die Ukraine schuldet dem Nachbarn Russland nach dessen Darstellung inzwischen einen Milliardenbetrag für Gaslieferungen. Künftig könnte daher nur noch gegen Vorkasse geliefert werden. Doch die Tür ist nicht zu - aber die Zeit drängt.

Im Gas-Streit mit der Ukraine sendet Russland vorsichtige Signale der Entspannung. Kurz vor einer neuen Verhandlungsrunde mit der Ukraine und der EU hat der russische Energieminister Alexander Nowak die Möglichkeit neuer Rabatte für Erdgaslieferungen an Kiew offen gelassen. "Man kann über alles reden, ich schließe nichts aus", sagte er dem "Handelsblatt". Sein Land sei daran interessiert, dass die Ukraine zahlungsfähig bleibt. Dann könne das Land auch die "die Zahlungsrückstände für russisches Gas begleichen", sagte er weiter.

Es gehe um mehr als 2,2 Milliarden Dollar aus dem ersten Quartal, die noch zum "alten niedrigen Preis" erfolgt seien. Zeige die Führung in Kiew, dass sie diese Rechnungen bezahlen werde, "sind wir auch willens, über künftige Gaspreisrabatte zu reden", sagte er. Das wäre dann die russische Hilfe für die Gesundung der Ukraine. Zugleich aber bekräftigte er den Plan, dem Nachbarland andernfalls ab Anfang Juni Erdgas nur noch gegen Vorkasse zu liefern.

Keine allgemeinen Finanzhilfen

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Allgemeine Finanzhilfen für die Ukraine will Russland nach Nowaks Worten derzeit indes nicht leisten, auch wenn er einen solchen Schritt für die Zukunft nicht kategorisch ausschloss. "Unser Beitrag wäre, dass wir weiter bereit sind, große Aufträge an ukrainische Firmen zu geben", sagte er. Zudem müsse man über die EU-Assoziierung des Landes reden, mit dem Russland gezwungen sein wäre, Einfuhrzölle auf ukrainische Importgüter zu erheben. Das könnte die Ukraine zehn Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts kosten.

Nowak äußerte sich vor einem im Laufe des Tages in Berlin geplanten Gesprächs mit EU-Energiekommissar Günther Oettinger und ukrainischen Vertretern über eine Beilegung des Gas-Streits zwischen den beiden Ländern.

Ukraine zahlt europaweit höchste Preise

Nowak, Oettinger und der Vizepräsident des russischen Erdgasriesen Gazprom, Alexander Medwedew, hatten bereits vor einer Woche Gespräche geführt. Oettinger erklärte anschließend, es solle alles getan werden, um die Frage der unbezahlten Gasrechnungen der Ukraine zu klären und dem Land die Zahlung kommender Rechnungen zu ermöglichen.

Im Zusammenhang mit dem Konflikt um die mittlerweile von Russland annektierte Halbinsel Krim hatte Gazprom der Ukraine nach und nach den Preisnachlass für Gas gestrichen. Kiew muss für russisches Gas inzwischen europaweit einen der höchsten Preise zahlen; die Übergangsregierung verweigert dies bislang.

Die Ukraine ist nicht nur Abnehmer des russischen Gases, sondern auch ein wichtiges Transitland. Daher könnte ein Lieferstopp auch Auswirkungen auf die Energieversorgung in anderen teilen Europas haben.

Quelle: n-tv.de

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