Wirtschaft
In der Krise: Die PrivatBank
In der Krise: Die PrivatBank(Foto: REUTERS)
Montag, 19. Dezember 2016

Faule Kredite und Spareinlagen: Ukraine verstaatlicht größte Bank des Landes

Ein Drittel der Spareinlagen verwaltet die PrivatBank, das größte Geldinstitut der Ukraine. Doch ebenso sitzt die Bank auf faulen Krediten. Die Regierung in Kiew folgt den Vorgaben des IWF und verleibt sich das Geldhaus ein.

Die ukrainische Regierung hat die schwer angeschlagene größte Bank des Landes verstaatlicht. Mit der hundertprozentigen Nationalisierung sollten das Fortbestehen der PrivatBank garantiert und die Einlagen der Sparer gesichert werden, teilte die Regierung mit. Berichten zufolge sitzt die Bank auf einem Berg fauler Kredite, der ihre Existenz akut gefährdet habe.

Die PrivatBank verwaltet gut ein Drittel aller Spareinlagen in der Ukraine, ihr Zusammenbruch hätte unabsehbare Folgen für das Land gehabt. Die Entscheidung der Regierung zur Verstaatlichung steht in Einklang mit den Vorgaben des Internationalen Währungsfonds (IWF), der eine grundlegende Sanierung des angeschlagenen ukrainischen Bankensektors verlangt.

Bisheriger Besitzer der PrivatBank war der Milliardär Igor Kolomoiskij, der unter Korruptionsverdacht steht. Die ukrainische Zentralbank hatte Kolomoiskij aufgefordert, die Bank mit mehreren Milliarden Dollar zu rekapitalisieren. Dieser Forderung kam er aber nicht nach.

Ukrainischen Medienberichten zufolge haben faule Insider-Kredite die Bank in eine Schieflage gebracht. Sie soll demnach hohe Kredite an Unternehmen vergeben haben, die ebenfalls von Kolomoiskij kontrolliert werden; eine Rückzahlung sei nicht vorgesehen gewesen. Die Kurse der Anleihen der Bank brachen nach Bekanntwerden dieser Vorwürfe im November regelrecht ein.

Die PrivatBank warf in einer ersten Reaktion den Medien Panikmache vor. Die Bank habe der Verstaatlichung zugestimmt, nachdem klar geworden sei, "dass diese Medienattacken unsere Kunden gefährden könnten", hieß es in einer Erklärung. Die Bank werde ihre Geschäfte fortsetzen.

Korrektur: In einer früheren Version dieser Meldung war zu lesen, dass die Kurse der PrivatBank-Aktien eingebrochen seien. Stattdessen sind die Kurse der Anleihen eingebrochen. Die Aktien der Bank werden nicht an der Börse gehandelt. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Quelle: n-tv.de

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