Wirtschaft
Über die Ukraine fließt ein Großteil des Erdgases, das Europa aus Russland bezieht.
Über die Ukraine fließt ein Großteil des Erdgases, das Europa aus Russland bezieht.(Foto: dpa)

Putin droht mit Lieferstopp: Ukraine will Gaspreis nicht zahlen

Die Ukraine will oder kann die Gas-Rechnungen aus Moskau nicht begleichen. Russlands Präsident Putin pocht jedoch darauf, dass Kiew seine Schulden bezahlt - und droht mit Konsequenzen. "Die Lage ist unerträglich", schimpft Putin.

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Im Streit um drastische Preiserhöhungen für Erdgas aus Russland zeigt sich die Ukraine unnachgiebig. "Wir sehen keinen Grund für eine Preisänderung", sagte der Chef des staatlichen ukrainischen Versorgers Naftogas, Andrij Kobolew, dem Magazin "Serkalo Nedeli". Daher würden die Zahlungen an Russland ausgesetzt, bis die Verhandlungen über den Preis wieder aufgenommen würden. "Wir betrachten den Preis von rund 500 Dollar als nicht vom Markt bestimmt, ungerechtfertigt und inakzeptabel", ergänzte Kobolew. In Europa sind 370 bis 380 Dollar je 1000 Kubikmeter fällig.

Russland hatte zu Beginn des Monats den Preis für Gas von 268 Dollar auf 485 Dollar pro 1000 Kubikmeter erhöht. Begründet wurde dies unter anderem damit, dass vereinbarte Rabatte unter anderem durch die Angliederung der Krim an Russland hinfällig seien. Russland hatte der Ukraine in einem 2010 geschlossenen Abkommen Preisnachlässe für Erdgas gewährt - im Gegenzug für die Nutzung des Hafens Sewastopol auf der Krim durch die russische Schwarzmeerflotte bis 2017.

Nach der Eingliederung sei der Rabatt hinfällig, hieß es aus Moskau. Gazprom-Chef Alexej Miller forderte, die Ukraine müsse  den in den vergangenen vier Jahren gewährten Nachlass von insgesamt 11,4 Milliarden Dollar erstatten. Noch im Dezember hatte Russland den Preis für die Ukraine gesenkt, nachdem der inzwischen abgesetzte Präsident Viktor Janukowitsch ein Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union überraschend scheitern ließ.

Putin droht Kiew

Die Ukraine liegt finanziell am Boden und schuldet Russland 2,2 Milliarden Dollar für Gaslieferungen. "Sie haben für März nichts bezahlt", sagte ein Sprecher des vom Kreml kontrollierten Konzerns Gazprom. Ob und wie das Unternehmen darauf reagiert, verriet er nicht. Die Ukraine erhält etwa die Hälfte seines Erdgases aus Russland.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte angedroht, die Ukraine künftig nur noch gegen Vorkasse mit Gas zu beliefern und notfalls die Versorgung zu drosseln - was Auswirkungen auf Europas Versorgung haben könnte. Denn die Ukraine ist das wichtigste Transitland für Gas aus Russland. Wegen unbezahlter Rechnungen hatte Russland der Ukraine 2009 das Gas zeitweilig abgedreht, was zu Engpässen auch in der Europäischen Union führte. Die EU und Deutschland beziehen ein Drittel ihres Bedarfs an Gas aus Russland. Davon fließen rund 50 Prozent durch die Ukraine.

Putin betonte, Russland garantiere seinen Kunden in Europa weiter Lieferungen in vollem Umfang. Doch die Regierung in Kiew müsse die Milliardenschulden des Landes begleichen. Die Lage sei "unerträglich", sagte Putin. Die Ukraine bemüht sich derzeit, ihre Gasversorgung durch Verträge etwa mit dem Versorger RWE und der französischen GDF zu sichern.

Beim internationalen Krisentreffen zur Lage in der Ukraine soll in der kommenden Woche auf Wunsch Deutschlands der drohende Gasstreit mit Russland zur Sprache kommen. Kanzlerin Angela Merkel warb bei einem Besuch in Athen für eine einheitliche Haltung der Empfängerländer russischen Erdgases im Fall von Versorgungsproblemen. Sie trete dafür ein, das Thema bei dem Treffen der Außenminister Russlands, der USA und der Ukraine sowie der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton am kommenden Donnerstag in Genf zu besprechen, sagte die Kanzlerin.

Quelle: n-tv.de

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