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Moody's senkt den Daumen: Ungarn landet auf Ramschniveau

Die Staatsschuldenkrise in Europa weitet sich aus. Die Ratingagentur Moody's senkt wegen unsolider Staatsfinanzen die Kreditwürdigkeit Ungarns auf Ramschniveau. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen aus Budapest ziehen deutlich an und verschlimmern damit die Lage Ungarns. Die Landeswährung Forint befindet sich bereits seit Monaten auf Talfahrt.

Die Agentur Moody's hat Ungarns Kreditwürdigkeit wegen der hohen Verschuldung und der lahmen Wirtschaft auf "Ramsch" herabgestuft und damit Ängste vor einer Ansteckung Osteuropas durch die Schuldenkrise geschürt. Die Regierung brandmarkte die Entscheidung am Freitag als Teil der "spekulativen Angriffe gegen Ungarn", die bereits den Kurs der Währung Forint in den Keller gedrückt hätten.

Moody's senkte Ungarns Rating um eine Note auf "Ba1". Staatsanleihen des Landes gelten damit nicht mehr als sichere Geldanlage sondern als "spekulativ". Die Ratingagentur drohte mit einer weiteren Herabstufung, indem sie den Ausblick auf "negativ" beließ. Sie begründete ihre Entscheidung mit der starken Abhängigkeit Ungarns von ausländischen Geldgebern, den schlechten Konjunkturaussichten und dem Schuldenberg von 82 Prozent der Wirtschaftsleistung. Auch wegen der hohen Refinanzierungskosten werde es schwer, das Defizit im kommenden Jahr wie geplant auf 2,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu begrenzen, erklärte Moody's.

"Das schützt nicht"

Erst vor wenigen Tagen hatte sich Budapest mit der Bitte um Hilfsgelder an den Internationalen Währungsfonds gewandt. Die Regierung hatte gehofft, so der drohenden Herabstufung ihrer Staatsanleihen zu entgehen. "Jetzt ist klar, dass solch ein Vorgehen nicht schützt", sagte Analyst Peter Attard Montalto von Nomura.

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Die Zinsen für ungarische Staatsanleihen stiegen über alle Laufzeiten hinweg um einen vollen Prozentpunkt und damit über die Marke von neun Prozent. Schon Zinssätze von sieben Prozent gelten als mittelfristig nicht tragbar. Der Forint wertete erneut ab. In der Spitze mussten 317,20 Forint für einen Euro gezahlt werden. Der ungarische Aktienmarkt geriet ins Trudeln, der Leitindex rutschte um knapp fünf Prozent ab.

Angriff auf Moody's

Die Regierung in Budapest reagierte empört. "Die Schwäche des Forint ist nicht gerechtfertigt, weder durch die Leistung der ungarischen Wirtschaft noch durch den Zustand des Haushaltes", hieß es in einer Stellungnahme des Wirtschaftsministeriums. "Sie kommt nur durch die spekulativen Angriffe gegen Ungarn zustande." In diesem Jahr dürfte das zehn Millionen Einwohner zählende Land als eines der wenigen EU-Mitglieder einen Haushaltsüberschuss ausweisen, nachdem die Regierung die Steuern für Banken, Versorger und andere große, vornehmlich ausländische Firmen angehoben hat. Allerdings droht dies das Wachstum abzuwürgen, das die EU-Kommission für das 2012 auf maximal 0,5 Prozent veranschlagt.

Viele Ungarn sind direkt von der kräftigen Abwertung des Forint betroffen: Sie halten 4,8 Billionen Forint an Hypothekenkrediten in ausländischen Währungen wie dem Schweizer Franken. Diese Summe entspricht 17 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Durch die Abwertung des Forint wird die Rückzahlung nun deutlich teurer. Auch viele Unternehmen und Kommunen haben sich in Franken verschuldet, was wegen niedriger Zinsen lange Zeit von Vorteil war, wegen des ungünstigen Wechselkurses aber nun zum Bumerang wird. Die Ungarn können ihre Euro- und Franken-Kredite, die sie wegen der Forint-Abwertung nur mehr schwer bedienen können, per Gesetz zu für sie deutlich günstigeren Wechselkursen zurückzahlen. Auf den Kursverlusten bleiben die Banken sitzen. Davon betroffen sind vor allem österreichische Institute wie die Erste Group und Raiffeisen, aber auch die BayernLB-Tochter MKB und italienische Großbanken. Sie fordern von der EU-Kommission ein Einschreiten gegen die aus Sicht der Banken illegale Gesetzgebung.

Gefahr für Osteuropa

Die Schuldenkrise in den Euro-Ländern droht damit auf Osteuropa überzugreifen. Die tschechische Krone fiel auf den tiefsten Wert seit fast anderthalb Jahren, der polnische Zloty auf den tiefsten Stand seit knapp zweieinhalb Jahren. "Keine Frage, die Stimmung in dieser Region nimmt rapide ab", sagte Analyst Nicholas Spiro, Chef von Spiro Sovereign Strategy. "Selbst die widerstandsfähigsten Volkswirtschaften stehen vor schwierigen Monaten." Lettland musste erst am Dienstag die Auktion einer zehnjährigen Staatsanleihe absagen. Grund sei die Nervosität der Investoren angesichts der schlechten Stimmung an den europäischen Märkten, begründete das Finanzministerium.

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Quelle: n-tv.de

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