Wirtschaft
Ungarns Premier Orban will sich in der prekären Lage nicht vom IWF helfen lassen, solange die Hilfe an Auflagen gebunden ist.
Ungarns Premier Orban will sich in der prekären Lage nicht vom IWF helfen lassen, solange die Hilfe an Auflagen gebunden ist.(Foto: REUTERS)

Forint in Abwärtsspirale: Ungarn spielt mit Staatspleite

Das neue Jahr bringt der Eurozone ein weiteres ernstes Problem: Mit Ungarn steht ein wichtiger Handelspartner und ein EU-Mitglied vor der Pleite. Ein politischer Machtkampf eskaliert und schickt die Landeswährung in den Keller. Die Kreditwürdigkeit des Landes steht zwar bereits auf Ramschniveau, dennoch droht ein weiterer Tiefschlag von Seiten des Finanzmarktes.

Nicht nur in der Eurozone gibt es Probleme, in Ungarn verschärft sich die Lage dramatisch. Die Landeswährung Forint stürzte auf den tiefsten jemals erreichten Stand zum Euro. 319 Forint mussten für 1 Euro bezahlt werden, kurz zuvor waren es noch 316 Forint. Bereits in der Vorwoche hatte die ungarische Währung 3 Prozent verloren. Gleichzeitig waren vor kurzem erst die Renditen zehnjähriger Anleihen über die Marke von 10 Prozent geklettert.

Der nächste Tiefschlag droht bereits am Donnerstag: Bei der dann anstehenden Auktion neuer Staatsanleihen fürchten viele Beobachter ein Scheitern. Geplant ist die Versteigerung von zwölfmonatigen Schatzwechseln im Umfang von 45 Mrd. Forint. Zuletzt war eine Auktion am 29. Dezember gescheitert, als das Land alle Gebote für dreijährige Titel abgelehnt hatte.

"Drastische" Lage in Ungarn

Beobachter machen die eigenwillige Politik des Landes für die desolate Lage haftbar. Die Regierung in Budapest liegt seit längerem im Streit mit dem Notenbankchef Andras Simor. In einem auch von der EZB beanstandeten Gesetzentwurf will sie die Kompetenzen des Notenbank-Gouverneurs beschneiden und einen weiteren Stellvertreter installieren.

Zudem lehnt Ministerpräsident Orban stolz Hilfen von EU oder IWF ab, sofern sie mit Auflagen verknüpft sind. Das Land wurde bereits 2008 mit Notkrediten der EU und des Internationalen Währungsfonds von rund 20 Mrd. Euro über Wasser gehalten.

Der IWF kritisiert wiederum die neue ungarische Gesetzgebung, die die Unabhängigkeit der Notenbank in Frage stellt. Analysten der Societe Generale oder der Commerzbank sehen in nächster Zeit eine Vereinbarung zwischen IWF und Ungarn als unwahrscheinlich an.

Die fundamentale Lage des Landes habe sich "auf drastische Weise" verschärft, schreibt die Societe Generale. Wegducken wird den Europäern nicht helfen, denn das Land ist eng verflochten mit der Eurozone. Vor allem Österreichs Banken sind traditionell stark engagiert in dem Land. Sollte sich die Lage weiter zuspitzen, könnte dies in fataler Weise auf die Eurozone zurückstrahlen.

"Ramsch"

Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte Ekurz vor Weihnachten die Kreditwürdigkeit Ungarns herabgestuft von "BBB-" auf "BB+" (Langfristrating). Damit verlor das Land bei S&P auch sein so genanntes "Investment Grade". Investments in Ungarn gelten damit als spekulative Anlage. Das Kurzfrist-Rating senkten die Kreditexperten von "A-3" auf "B". Den Ausblick setzte S&P auf negativ, damit drohen weitere Herabstufungen.

Der S&P-Rivale Moody's hatte Ungarns Kreditwürdigkeit bereits Ende November auf Ramschniveau gesenkt.

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Quelle: n-tv.de

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