Wirtschaft

Weißrussland sucht Kerimow: Uralkali-Großaktionär droht Verhaftung

Es brodelt in der Kali-Branche: Den weltweiten Kursturbulenzen folgt die Verhaftung des Chefs des russischen Uralkali-Konzerns, Baumgertner, in Weißrussland. Nun will Minsk auch den Großaktionär Kerimow hinter Gittern sehen. Der Vorwurf gegen den Milliardär und Besitzer des Fußballvereins Anschi Machatschkala ist nicht ohne.

Der russische Milliardär und Uralkali-Großaktionär Kerimow wird in Weißrussland wegen Machtmissbrauchs gesucht.
Der russische Milliardär und Uralkali-Großaktionär Kerimow wird in Weißrussland wegen Machtmissbrauchs gesucht.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Weißrussland hat schwere Vorwürfe gegen einen Großaktionär des russischen Düngemittelproduzenten Uralkali erhoben: Der Geschäftsmann Suleiman Kerimow soll in Zusammenhang mit den Ermittlungen in dem Kali-Streit mit Russland seine Macht missbraucht haben, berichtete die staatliche weißrussische Nachrichtenagentur Belta. Ein weißrussischer Untersuchungsausschuss wolle Kerimow festnehmen und ihn dazu von Interpol suchen lassen. Zudem wolle der Ausschuss die Ergebnisse seiner Untersuchung von Kerimows Aktivitäten an den russischen Generalstaatsanwalt schicken.

Der Fall steht im Zusammenhang mit einer Ermittlung, im Zuge derer der Uralkali-Chef Wladislaw Baumgertner in Weißrussland verhaftet worden war. Auf den Vorwurf des Machtmissbrauchs und Amtsmissbrauchs steht eine Höchststrafe von zehn Jahren Gefängnis. Die Beziehungen zwischen Moskau und Minsk sind seitdem angespannt.

Der Untersuchungsausschuss war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Die Presseabteilung von Uralkali und ein Sprecher für Kerimows Investmentgruppe Nafta Moskva lehnten eine Stellungnahme ab.

Politische Ränkespiele

Baumgertner wird vorgeworfen, als Chairman der Vertriebsgesellschaft Belarusian Potash Company (BPC) seine Macht "zum Zweck des persönlichen Nutzens" missbraucht und den öffentlichen Interessen Weißrusslands geschadet zu haben. Über BPC hatte Uralkali bis vor Kurzem seine Kali- und Magnesiumprodukte weltweit vertrieben, gemeinsam mit dem Partner Belaruskali.

Uralkali hatte vor einigen Wochen mit der Ankündigung, aus dem Exportkartell mit Belaruskali aussteigen zu wollen, die Kali-Branche in Aufruhr versetzt. Analysten werteten das als einen Paradigmenwechse: Die Preisdisziplin wird aufgegeben, im Fokus steht künftig das Absatzwachstum. Das hatte vor allem dem deutschen K+S-Konzern heftig zugesetzt. Der Aktienkurs war um mehr als 40 Prozent eingebrochen. Nun droht ein Abstieg aus dem Dax.

Russland reagiert

Uralkali weist alle Vorwürfe zurück, die in Weißrussland gegen Baumgertner erhoben wurden und ergreift eigenen Angaben zufolge Maßnahmen, um seine Entlassung aus der Haft zu erwirken. Baumgertners Verhaftung nach einem Treffen mit dem Premierminister des Landes zog wütende Kritik aus Moskau nach sich und führte zu einem neuen Handelsstreit zwischen den beiden Nachbarn: Nach der Festnahme stoppte Russland dem Import von Schweinen und Schweinefleisch-Produkten aus Weißrussland. 2009 hatte Moskau während eines Konfliktes um russisches Gas den Import von Milch aus dem Nachbarland verboten.

In der vergangenen Woche kündigte der staatliche russische Pipelinebetreiber OAO Transneft an, die Lieferung von Öl nach Weißrussland im September um rund ein Viertel zu verringern mit der Begründung, Reparaturen an den Rohrleitungen vornehmen zu wollen.

Quelle: n-tv.de

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