Wirtschaft
Nach Ansicht von Betriebsratschef Osterloh sind der Grund für die Renditeschwäche von VW nicht die Arbeitskosten.
Nach Ansicht von Betriebsratschef Osterloh sind der Grund für die Renditeschwäche von VW nicht die Arbeitskosten.(Foto: picture alliance / dpa)

Reaktion auf Rendite-Pläne: VW-Betriebsrat fordert neue Strukturen

Eine beherzte Neuordnung des Weltkonzerns Volkswagen fordert der Chef des VW-Betriebsrats: Die Spar-Pläne von Konzern-Chef Winterkorn gehen ihm nicht weit genug. Personal abzubauen sei allerdings der falsche Weg, sagt Bernd Osterloh.

Der von Konzernchef Martin Winterkorn geplante Umbau des Autokonzerns Volkswagen geht dem Betriebsrat nicht weit genug. Dessen Vorsitzender Bernd Osterloh unterstützt zwar die Pläne, die Rendite der Kernmarke durch Einsparungen zu steigern. Gleichzeitig stellte er jedoch in der Betriebszeitung "Mitbestimmen" klar, dass die Arbeitnehmer weitergehende Ideen haben. "Und dazu gehört zuallererst, dass wir dem Konzern neue Strukturen geben", sagte Osterloh.

So wie die Nutzfahrzeug-Töchter MAN und Scania eine eigene Sparte bildeten, sollten auch andere "Potenziale" gebündelt werden. Dazu gehöre auch, dass die Verantwortung auf der Ebene des Konzernvorstands sowie der einzelnen Marken und Regionen klar verteilt werde. Wie er sich den Konzernumbau in Einzelnen vorstellt, ließ Osterloh offen.

Der mächtige Betriebsratschef machte klar, dass er sich aktiv in Winterkorns Vorhaben einbringen und darauf achten will, dass die geplanten Einsparungen nicht zu Lasten der Beschäftigten gingen. "Es geht um den intelligenten Einsatz von unseren Geldern, nicht ums Sparen", betonte Osterloh, der auch im einflussreichen Präsidium des Aufsichtsrats von Volkswagen sitzt.

Mega-Konzern sei kaum zu steuern

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In der Belegschaft wird seit längerem kritisiert, dass bei VW zuviel zentral in Wolfsburg entschieden wird und der Konzern mit seinen zwölf Marken auf Trends in einigen Ländern zu spät reagiert. So hatte Osterloh die Absatzprobleme von VW in den USA vor einigen Monaten als "Katastrophenveranstaltung" gebrandmarkt. Auf dem nach China zweitgrößten Pkw-Markt fährt die Marke weit hinter der Konkurrenz her, weil sich der für den US-Geschmack entwickelte Passat nicht mehr so gut verkauft.

Inzwischen hat der Konzern beschlossen, als zweites Modell einen großen Geländewagen in den USA zu bauen. Der unter dem Arbeitstitel "Cross-Blue" bekannte Siebensitzer kommt allerdings erst Ende 2016 auf den Markt. Bis dahin dürften sich die Probleme von VW in den USA verschärfen.

Nach Einschätzung des Betriebsrats ist der Konzern mit weltweit nahezu 600.000 Beschäftigten kaum zu steuern. Deshalb sollten die einzelnen Regionen im Vertrieb mehr Verantwortung erhalten und Wolfsburg vor allem koordinieren. Auch Winterkorn hat das Problem einer zu großen Macht von Wolfsburg erkannt, allerdings ist nach Meinung von Arbeitnehmervertretern bislang nicht viel passiert, um dies zu ändern.

Verbesserungen bei der Produktivität gefordert

Nach Ansicht von Osterloh sind der Grund für die Renditeschwäche von VW nicht die Arbeitskosten. Die lägen auf Wettbewerbsniveau. "Aber bei der Produktivität müssen Vorstand und Management endlich ihren Job machen", forderte er.

Winterkorn will die Kosten der Hauptmarke VW um fünf Milliarden Euro jährlich senken, um das gesteckte operative Renditeziel von mindestens sechs Prozent bis 2018 zu erreichen. Schaffen will er dies durch eine verbesserte Effizienz, geringere Komplexität, eine optimierten Einkauf und geringere Fertigungs- und Fixkosten. Einzelne Maßnahmen sollen in den nächsten Monaten festgelegt werden.

Ein Stellenabbau ist offenbar aber nicht geplant. "Wir arbeiten daran, die 250.000 Beschäftigten in Deutschland zu halten, obwohl wir hauptsächlich im Ausland wachsen", sagte Winterkorn der "Braunschweiger Zeitung". Die Arbeitskosten müssten allerdings im Auge behalten werden.

Quelle: n-tv.de

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