Wirtschaft
VW fährt der Konkurrenz davon - vor allem in Asien.
VW fährt der Konkurrenz davon - vor allem in Asien.(Foto: REUTERS)

Konkurrenz chancenlos: VW ist Krösus im Dax

Der Volkswagen-Konzern weiß momentan nicht wohin mit seiner Kraft: Im ersten Halbjahr fährt Europas größter Autobauer den höchsten Gewinn aller Dax-Unternehmen ein - und der Konkurrenz um Renault und Fiat immer weiter davon. Schlüssel des Erfolgs ist die boomende Nachfrage in Asien, gespeist von der dort derzeit herrschenden Sucht nach automobilen Statussymbolen "made in Germany".

Der weltweite Absatzboom sorgt für Feierlaune bei Volkswagen. Europas größter Autobauer hat seinen Überschuss im ersten Halbjahr auf 6,5 Mrd. Euro mehr als verdreifacht - und damit mehr Gewinn eingestrichen als jeder anderer Dax-Konzern. Auch in den kommenden Monaten rechnen die Wolfsburger trotz Schuldenkrise und ersten Anzeichen für eine Abkühlung der Konjunktur mit brummenden Geschäften. "Volkswagen ist robust genug, um auf der Überholspur blieben zu können", sagte Konzernchef Martin Winterkorn.

An der Börse brachen VW-Aktien dennoch zeitweise über 7 Prozent ein und waren damit mit Abstand größter Verlierer im Leitindex Dax. "Viele Anleger sagen sich: So schön wird es nie wieder - und verkaufen", sagte Analyst Frank Schwope von der NordLB. Zudem hätten viele Investoren auf eine positive Überraschung bei den Zahlen und eine konkretere Prognose gesetzt, erklärte Equinet-Analyst Tim Schuldt.

Mehr verkaufen oder mehr verdienen

VW-Chef Winterkorn ergänzte beim Ausblick lediglich das Wort "deutlich" und erklärte, er rechne 2011 mit deutlichen Zuwächsen beim Umsatz und beim operativen Ergebnis. Von Januar bis Juni kletterten die Erlöse um ein Viertel auf 78 Milliarden Euro.

Bei VW scheint es momentan nur nach oben zu gehen.
Bei VW scheint es momentan nur nach oben zu gehen.(Foto: REUTERS)

Volkswagen profitiert derzeit besonders vom Absatzboom in Schwellenländern wie China, legte im ersten Halbjahr aber auch in etablierten Märkten wie Deutschland und den USA zu. Weltweit steigerte der Konzern mit Marken wie VW, Audi, Skoda und Seat die Verkäufe um über 14 Prozent auf 4,1 Millionen Fahrzeuge.

Im Gesamtjahr wollen die Wolfsburger erstmals mehr als acht Millionen Pkw verkaufen, womit sie nach Einschätzung von Analysten vor Toyota und hinter General Motors zweitgrößter Hersteller der Welt wären. "Wichtiger als der Titel weltgrößter Autohersteller ist aber eigentlich, wer am meisten Geld verdient", sagt Analyst Schwope. "Und da hat Volkswagen bereits heute die Nase vorne."

China macht die Musik

VW steigerte den Nettogewinn von Januar bis Juni von 1,8 Mrd. auf 6,5 Mrd. Euro. Aufpoliert wurde der Überschuss vom besseren Ergebnis der Gemeinschaftsunternehmen mit chinesischen Autobauern. Auch Optionen auf die Beteiligung am Stuttgarter Partner Porsche, den sich VW zügig ganz einverleiben will, machten sich positiv in der Gewinnabrechnung bemerkbar. VW zufolge hat die Neubewertung der Put/Call-Optionen rund 2,5 Milliarden Euro im abgelaufenen Quartal ausgemacht.

VW setzt sich in Europa ab

Mit dem Gewinnsprung setzte sich Europas Branchenprimus deutlich vom Verfolger Renault ab. Bei den Franzosen brach der Betriebsgewinn im ersten Halbjahr um ein Fünftel auf 630 Mio. Euro ein, da die Erdbeben-Katastrophe in Japan und Rohstoffkosten am Gewinn nagten.

Auch die Massenhersteller Peugeot und Fiat bekommen derzeit die schwache Entwicklung auf ihren Heimatmärkten zu spüren und legten zum Teil durchwachsene Bilanzen vor. "VW profitiert dagegen vom robusten deutschen Automarkt und seiner breiten weltweiten Aufstellung", sagte Analyst Schuldt.

Statussymbol Audi

Ein Audi Q3: Die Premiumtochter aus Ingolstadt macht VW derzeit richtig Freude.
Ein Audi Q3: Die Premiumtochter aus Ingolstadt macht VW derzeit richtig Freude.(Foto: REUTERS)

Dank seiner Tochter Audi, die ihren Betriebsgewinn im ersten Halbjahr auf 2,5 Mrd. Euro verdoppelte, können sich die Wolfsburger zudem ein großes Stück vom weltweit boomenden Premiummarkt abschneiden. Luxuriöse deutsche Limousinen sind derzeit besonders in Schwellenländern wie China als Statussymbole heiß begehrt. Die Audi-Konkurrenten BMW und Daimler haben deshalb zuletzt bereits ihre Ziele für das laufende Jahr nach oben geschraubt.

MAN macht auch Freude

Die anstehenden Fusions- und Integrationsaufgaben geht Volkswagen zuversichtlich mit knapp 20 Mrd. Euro in der Kasse an. Bei der geplanten Fusion mit dem Sportwagenbauer Porsche liege der Konzern weiter im Plan, sagte Finanzvorstand Dieter Pötsch, der darauf hofft, die Verschmelzung noch bis Jahresende unter Dach und Fach zu bringen.

Spekulationen um eine Aufstockung der VW-Anteile beim chinesischen Partner FAW wollte Pötsch nicht kommentieren: "Wir haben eine langjährige Beziehung. Diese hängt nicht wirklich davon ab, wie hoch unser Anteile dort sind." Bei der Zusammenarbeit mit dem japanischen Kleinwagenbauer Suzuki gehe es dagegen langsamer voran als erwartet. Die Wolfsburger hätten dazu einen Prüfprozess angestoßen, hieß es.

Ein immer größerer Teil des Wachstums kommt laut Vertriebsvorstand Christian Klingler auch aus Indien und Russland. In einigen Regionen erwäge VW, die Lager aufzustocken, um die Lieferzeiten einiger Modelle unter die Frist von drei bis sechs Monaten zu drücken. Insgesamt erholt sich auch das Segment der Luxusfahrzeuge: Die VW-Tochter Bentley legte um 42,2 Prozent auf rund 3000 Fahrzeuge zu und verringerte den operativen Verlust von 109 auf 17 Mio. Euro.

"VW fährt der Konkurrenz davon"

Die tschechische Tochter Skoda blieb auf der Erfolgsspur. Bei einem um 21,3 Prozent auf 362.000 Autos gewachsenen Absatz verdiente sie 412 Mio. Euro, nach 227 Mio. Euro im Vergleichszeitraum. Die spanische Marke Seat legte leicht zu und reduzierte ihren Verlust von 157 Mio. auf 48 Mio. Euro. "Die Rückgänge der Märkte in Spanien und Italien liegen vor allem daran, dass alle staatlichen Fördermaßnahmen nun ausgelaufen sind", erklärte Klingler.

Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister, der das Land im Aufsichtsrat vertritt, nannte die Halbjahreszahlen des Konzerns "mehr als beeindruckend". Wenn VW so weiter mache, könne das Ziel, bis spätestens 2018 zum größten Autobauer der Welt aufzusteigen, durchaus erreicht werden: "Volkswagen fährt der Konkurrenz weiter davon."

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Quelle: n-tv.de

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