Wirtschaft
Bekannt für provokante Gesten und Statements: Yanis Varoufakis.
Bekannt für provokante Gesten und Statements: Yanis Varoufakis.(Foto: picture alliance / dpa)

Verhärtete Fronten im Schuldenstreit: Varoufakis wirft Gläubigern "Sadismus" vor

Nach den geplatzten Verhandlungen am Wochenende gibt Athen sich unnachgiebig. Der Finanzminister verschärft noch einmal den Ton. In der CDU in Deutschland werden Forderungen nach einem Schlussstrich laut.

Die von den Gläubigern Griechenlands geforderten Sparmaßnahmen führen nach den Worten des griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis zur Auflösung Europas. Sie böten keine Lösung der Finanzkrise, sondern eine Erniedrigung der Griechen, sagte Varoufakis in einer Rede auf der Insel Kreta. Die Gläubiger forderten Griechenland "mit Sadismus" auf, diejenigen Bürger finanziell zu belasten, die bereits schwer von der Krise getroffen seien, sagte Varoufakis.

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Griechenland, so der Minister, werde weiterhin logische Gegenvorschläge machen. Aber wenn es darauf ankomme, dürfe Athen einen Bruch nicht ausschließen. "Wenn sie unsere Erniedrigung wollen, dann werden sie die Auflösung Europas ertragen müssen", sagte Varoufakis.

Eine der größten Hürden für eine Einigung sind offenbar weiter die geforderten Rentenkürzungen. Weitere Einschnitte bei den Renten seien für Griechenland nicht akzeptabel, sagte ein Berater der Regiergung. "Die sind in Griechenland schon sehr tief gekürzt", sagte Theodoros Paraskevopoulos, ein Wirtschaftsberater der Linkspartei Syriza im rbb-Inforadio.

Unionspolitiker geben deutsches Geld verloren

Die griechische Regierung habe immer wieder Vorschläge zur Lösung der Krise vorgelegt, sagte Paraskevopoulos. Die Partner in Europa und vor allem der Internationale Währungsfonds bestünden auf Maßnahmen, die Griechenland nicht durchführen wolle, könne und werde. Das seien vor allem Rentenkürzungen und eine höhere Mehrwertsteuer auf Lebensmittel, Strom und Wasser. "Das ist unverhandelbar", sagte er.

Unter Unionspolitikern in Deutschland wächst unterdessen der Widerstand gegen weitere Hilfen für Griechenland. Der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach sagte dem Bayerischen Rundfunk: "Ich glaube, dass wir das allermeiste Geld, was wir schon als Kredite gegeben haben, niemals werden wiedersehen." Er wolle kein weiteres Rettungspaket für das hoch verschuldete Land. Auch ohne ein drittes Hilfspaket müsse sich Deutschland auf Kosten einstellen: "Es gibt keine Lösung, die nichts kostet."

Der CDU-Abgeordnete Mark Hauptmann regte einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone an. Einen solchen Schritt würde er unterstützen, sagte der thüringische Bundestagsabgeordnete auf WDR5. Die Rückkehr zur eigenen Währung würde die Wettbewerbsfähigkeit mittel- und langfristig steigern. Die Griechen könnten "nicht immer über ihre eigenen Verhältnisse leben", sagte Hauptmann.

Das Thema Griechenland dürfte auf der Sitzung der Unionsfraktion am Nachmittag eine wichtige Rolle spielen. Am Donnerstag wollen die Euro-Finanzminister in Luxemburg zusammenzukommen, um über einen Ausweg aus der Krise zu beraten.

Quelle: n-tv.de

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