Wirtschaft
Wer hätte vor ein paar Jahren gedacht, dass Deutschlands größtes Finanzinstitut mal so in die Zange genommen werden würde.
Wer hätte vor ein paar Jahren gedacht, dass Deutschlands größtes Finanzinstitut mal so in die Zange genommen werden würde.(Foto: picture alliance / dpa)

"Wir werden das prüfen": Verbirgt Deutsche Bank Daten?

Ohne Frage: Für die Deutsche Bank geht eine Horror-Woche zu Ende. Großrazzia wegen angeblichen Steuerbetrugs, eine deftige Gewinnwarnung, die Verurteilung zu Schadenersatz im Kirch-Prozess. Zum krönenden Abschluss jetzt noch Verschleierungsvorwürfe der Steuerermittler. Für die Bank gibt es eine Menge zu prüfen.

In der Affäre um Steuerhinterziehung beim Handel mit Verschmutzungsrechten soll die Deutsche Bank den Ermittlern einem Medienbericht zufolge wichtige Informationen vorenthalten haben. Wie die "Bild"-Zeitung  berichtet, sollen die beschuldigten Mitarbeiter keinen Auftrag erteilt haben, bereits gelöschte Daten wieder herstellen zu lassen. Das hat die ermittelnde Staatsanwaltschaft nach einer Durchsuchung der Geschäftsräume des IT-Unternehmens IBM Deutschland festgestellt. IBM ist der IT-Dienstleister der Deutschen Bank.

Die Ermittlungen zum Umsatzsteuerbetrug richten sich auch gegen Konzernchef Fitschen.
Die Ermittlungen zum Umsatzsteuerbetrug richten sich auch gegen Konzernchef Fitschen.(Foto: picture alliance / dpa)

IBM-Mitarbeiter hätten darauf hingewiesen, dass gelöschte Daten wieder hergestellt werden können, heißt es in dem Bericht. Die Bank hingegen soll für eine Aufbereitung aber keinen Auftrag erteilt  haben. Im Zuge der Ermittlungen seien rund 20.000 Gespräche von Finanzmarkthändlern der Bank ausgewertet worden. Es habe sich herausgestellt, dass die Bank auch in anderen Ermittlungsverfahren  vorhandenes Beweismaterial den Behörden vorenthalten habe. Ein Sprecher der Deutschen Bank sagte der Zeitung: "Wir werden die  Vorwürfe prüfen."

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte am Vortag berichtet, Ermittler würden den Mitarbeitern der Bank vorwerfen, Unterlagen vernichtet zu haben, die für die Aufklärung der Vorwürfe nötig gewesen wären. Ihnen seien E-Mails zu den mutmaßlichen Geschäften vorenthalten worden.

Risse in der glänzenden Fassade

Vier Bank-Mitarbeiter sitzen wegen der Affäre derzeit in  Untersuchungshaft. Bei den  Ermittlungen geht es um den Verdacht der schweren Steuerhinterziehung beim Handel mit  C02-Emissionszertifikaten, Geldwäsche und versuchter Strafvereitelung. Im Visier der Behörden stehen auch Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen und Finanzvorstand Stefan Krause.

Zu Ende ging die Woche für die Deutsche Bank mit einem Gerichtsurteil, wonach das Geldinstitut den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch Schadenersatz in Milliardenhöhe zahlen muss. Nach geschlagenen zehn Jahren Prozessmarathon riss dem Vorsitzenden Richter Guido Kotschy offenbar der Geduldsfaden. Wie viel genau die Deutsche Bank zahlen muss, muss nun abschließend ein Gutachter entscheiden.

Eigentlich wollten die Co-Chefs des Bankhauses Fitschen und Anshu Jain die Ärmel hochkrempeln und einen Imagewandel ihres Hauses einleiten. Das scheint aber mittlerweile gehörig schief zu laufen. Die glänzende Fassade bekommt zunehmend Risse: Die Deutsche Bank kämpft um ihr Image. Steuerfahnder statt Strategie, Kirch-Urteil statt Konzernumbau, Gewinnwarnung statt große Visionen - Negativmeldungen überlagern die vollmundig verkündete Aufbruchsstimmung. Vom "Kulturwandel", den das Führungsduo ankündigte, scheint der deutschen Branchenprimus weiter entfernt denn je.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen