Wirtschaft
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Abwärtstrend gestoppt: Verbraucher sind überraschend guter Laune

Die geopolitischen Krisen lassen die Deutschen offenbar weitgehend kalt - zumindest schlagen sie sich nicht auf die Konsumneigung nieder. Der von der GfK errechnete Index steigt leicht - und schlägt die pessimistischen Erwartungen der Experten.

Die Stimmung bei den deutschen Verbrauchern hat sich überraschend verbessert und damit Hoffnungen auf konjunkturellen Rückenwind gestärkt. Die Konsumforscher der GfK ermittelten für November einen Anstieg ihres Indikators zum Konsumklima auf 8,5 von revidiert 8,4 Punkten im Vormonat und übertrafen damit deutlich die Erwartung der Ökonomen. Diese hatten einen Rückgang auf 8,0 prognostiziert. Für Oktober hatte die GfK zunächst einen Stand von 8,3 Zählern ausgewiesen.

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"D ie Stimmung bei den Verbrauchern ist im Oktober wieder leicht gestiegen", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. "Das Konsumklima stoppt somit seinen Abwärtstrend." Einkommenserwartung und Anschaffungsneigung legten etwas zu, während sich die Konjunkturerwartung kaum verändere und damit ihren Absturz gestoppt habe. "Im Oktober zeigen sich die deutschen Verbraucher offenbar weniger beeindruckt von der anhaltend angespannten geopolitischen Lage und der damit einhergehenden konjunkturellen Abkühlung als noch im Monat zuvor", konstatierten die Nürnberger Marktforscher.

Zustand der Wirtschaft nicht so schlecht

Ihre Ergebnisse fügen sich in das Bild anderer Konjunkturindikatoren ein, die ebenfalls günstiger ausgefallen sind. Erst am Vortag hatte der Einkaufsmanagerindex gezeigt, dass Deutschlands Konjunktur am Beginn des vierten Quartals besser als erwartet lief. "Unserer Ansicht nach ist der Zustand der deutschen Wirtschaft nicht so schlecht, wie das die August-Daten und einige Stimmungsdaten manchen glauben machten", sagte daraufhin ING-Diba-Chefvolkswirt Carsten Brzeski.

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Die führenden Wirtschaftforschungsinstitute und die Bundesregierung hatten im Oktober angesichts der internationalen Krisen und der Wirtschaftsschwäche des Euroraums ihre Prognosen für das deutsche Wachstum in diesem und im nächsten Jahr deutlich heruntergeschraubt. Die Regierung rechnet jetzt nur noch mit einer Zunahme des deutschen Bruttoinlandsprodukts um 1,3 Prozent in diesem und um 1,2 Prozent im kommenden Jahr.

Verbraucher trotzen Daten

Die Konsumforscher der GfK betonten aber, angesichts ihrer aktuellen Umfragedaten "trotzen die Konjunkturaussichten der Verbraucher den zuletzt spürbar schwächer gewordenen Wirtschaftsdaten". Damit habe "sich das Konsumklima - zumindest vorerst - dem Sog der konjunkturellen Abkühlung durch die zahlreichen Krisenherde entzogen", sagte Bürkl.

Der private Konsum könne somit auch weiterhin seine Rolle als wesentliche Stütze der Konjunktur spielen; die Konsumlaune der Bundesbürger sei nach wie vor stark ausgeprägt. Stabile Beschäftigungsverhältnisse reduzierten die Angst vor einem Arbeitsplatzverlust und förderten damit die Planungssicherheit, die vor allem für größere Anschaffungen wichtig sei. Die gute Einkommenssituation der privaten Haushalte und das niedrige Zinsniveau stützten die Konsumneigung zusätzlich.

Der GfK-Experte warnte allerdings auch vor einer erneuten Verschlechterung des Konsumklimas, sollte es zu einer weiteren Verschärfung der Lage in den Krisenregionen kommen. "Vor allem ausbleibende Erfolge bei der Bekämpfung von Ebola oder eine weitere Ausbreitung der Seuche in Europa würden auch dem Konsumklima einen empfindlichen Schlag versetzen", sagte Bürkl voraus.

Für Lothar Hessler von HSBC Trinkaus dürfte der private Konsum im dritten Quartal "die gesamte Wirtschaft angekurbelt haben und dies auch im weiteren Jahresverlauf tun". Das Bruttoinlandsprodukt sei im abngelaufneen Quartal wohl leicht gestiegen. "Die Investitionen werden nach oben gehen, aber nicht so stark wie erhofft", sagte er weiter.

Stefan Kipar von der BayernLB verwies darauf, dass die Bedrohung durch internationale Krisen für viele Verbraucher wohl abstrakt bleibe und oft kaum im Alltag ankomme. Zudem führe der Mindestlohn bei den Betroffenen zur Erwartung steigender Einkommen.

Quelle: n-tv.de

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