Wirtschaft
Wer hat's erfunden, Herr Kind? Die Gattin war's, der der Slogan "Ich habe ein Kind im Ohr" kam.
Wer hat's erfunden, Herr Kind? Die Gattin war's, der der Slogan "Ich habe ein Kind im Ohr" kam.

n-tv vergibt "Hidden Champion": Vier Sieger zeigen, wie man's macht

Von Volker Petersen, Frankfurt

Der Mittelstand ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Da viele Unternehmen aber noch unbekannt sind, fördert n-tv sie mit dem Preis "Hidden Champion". Auffällig: Die Preisträger kommen alle aus Süddeutschland - bis auf einen.

Schrauben können erotisch sein, mit einem Hörgerät kann man telefonieren und mit Abwasser lassen sich Wohnungen heizen - bei der Preisverleihung des "Hidden Champion" 2014 in Frankfurt haben die Gewinner bewiesen, dass man mit Erfindergeist, Beharrlichkeit und hoher Qualität den Weltmarkt aufmischen kann.

Den einen Preisträger gibt es in diesem Jahr nicht. Stattdessen gibt es Gewinner in vier Kategorien: Für die beste "Marke" wurde der Hörgerätehersteller Kind ausgezeichnet, der Wasserreiniger Huber SE für "Nachhaltigkeit" und der Zahntechniker Dürr Dental AG erhielt die gläserne, rechteckige Trophäe für sein gesellschaftliches Engagement. Bereits zum vierten Mal hat n-tv den "Hidden Champion" verliehen - ausgezeichnet werden Mittelständler mit mindestens 30 Mitarbeitern.

"Wir wollen Teilen der Welt etwas zurückgeben", sagte Martin Dürrstein am Donnerstagabend bei der Gala im Frankfurter Hof, nachdem er den Preis von Moderatorin Corinna Wohlfeil entgegengenommen hatte. Denn seine Firma aus Bietigheim-Bissingen profitiert von Märkten in aller Welt - da ist es für den bekennenden Christen Ehrensache, sich zu engagieren. Und wie: Dürr schickte ein Krankenhausschiff nach Afrika, auf dem Tausende Menschen kostenlos behandelt wurden. Platz zwei ging an den Schwarzwälder Anzugschneider Digel, der notleidenden Kindern hilft, der dritte Rang an die Wedi Gmbh, einen Badezimmerspezialisten aus Emsdetten im Münsterland, dessen Mitarbeiter regelmäßig Spenden für soziale Projekte sammeln.

Kind entstaubt Image von Hörgeräten

"Ich habe ein Kind im Ohr" - laut einer Studie ein Slogan, den jeder zweite Deutsche kennt. Gemeint sind die Hörgeräte der Firma Kind aus Großburgwedel bei Hannover. Moderatorin Corinna Wohlfeil wollte daher auch von Preisträger Alexander Kind wissen, wie er auf den genialen Spruch kam. Doch der schwieg lächelnd und zeigte nur auf die blonde Dame neben ihm: seine Lebenspartnerin Jutta Meinhold. Ganz nebenbei sei der Spruch entstanden, sagt sie nur kurz und erklärt lieber die Idee dahinter: "Früher rochen Hörgeräte nach Stützstrümpfen", sagt sie. Dieses Image wollte Kind loswerden - was erfolgreich gelang.

Und der nächste Schritt ist in Planung. Eine App zur Regulierung der Hörlautstärke gibt es bereits, mit Apple werde daran gearbeitet, auch über das Hörgerät zu telefonieren. Der zweite Platz ging an das Batterie-Montage-Zentrum, führend im Bau von Akkus. Platz drei erreichte Vom Fass - eine Ladenkette, in der es hochwertige Öle und Weine frisch vom Fass gezapft gibt.

Mit seinen Wasserfiltern trägt das Unternehmen Huber SE aus Berching in der Oberpfalz dazu bei, Abwasser wieder aufzubereiten und mehr Nutzen aus dem unersetzlichen Rohstoff zu ziehen. Abwasserfilter gehören zum Programm, aber auch andere innovative Ideen. So werden in Straubing 150 Studentenwohnungen mit dem durchschnittlich 12 bis 13 Grad warmen Abwasser beheizt. "Mit dem Abwasser ist es wie früher mit dem Abfall", sagt Unternehmenschef Georg Huber. Früher habe man den Müll einfach nur vergraben, heute sei er zu einem Rohstoff geworden. "Das wollen wir auch beim Abwasser erreichen." Der Bodenhersteller Uzin Utz wird für seine umweltfreundlichen Klebstoffe geehrt, die ZinCo Gmbh für ihre innovativen Dachbegrünungen.

Würths erotische Schraube

Es war dem Jury-Sprecher und n-tv Geschäftsführer Hans Demmel anzumerken, dass ihm der Ehrenpreis eine Herzensangelegenheit war. "Wir würden hier bis drei Uhr nachts sitzen, wenn ich das ganze gesellschaftliche Engagement dieses Unternehmens aufzähle", rief er den Gästen zu. Gemeint war der schwäbische Schraubenfabrikant Würth, der unter anderem eine eigene Schule und ein Hotel unterhält, in dem Behinderte arbeiten. Ermöglicht wird dies durch den wirtschaftlichen Erfolg der Schwaben. 6000 Mitarbeiter sorgen dafür, dass das von Reinhold Würth im Alleingang aufgebaute Unternehmen heute Marktführer beim Handwerkerbedarf ist.

"Wir dürfen nie vergessen, dass wir von ganz kleinen Aufträgen leben", sagte Geschäftsführer Norbert Heckmann. Im Durchschnitt werde Material in Höhe von 200 Euro gekauft, sagte er. Demut und Bescheidenheit seien daher wichtig, die auch Reinhold Würth vorlebe.  Der Renner sei die "Assy-Schraube" - unten asymmetrisch, oben symmetrisch bohre sich diese besonders fest ins Holz hinein. Nach einer kurzen Diskussion waren sich schließlich alle auf der Bühne einig, dass es sich bei der Schraube gar um ein erotisches Produkt handele, was das Publikum mit Gelächter quittierte.

Ob es nun ausgewachsene Großunternehmen sind oder, wie Huber sagt, sie noch einen langen Weg vor sich haben - ein Bekenntnis eint sie doch alle: Sie wollen Mittelständler bleiben.

Quelle: n-tv.de

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