Wirtschaft
Ignazio Visco, hier bei seiner Ankunft in Aylesbury.
Ignazio Visco, hier bei seiner Ankunft in Aylesbury.(Foto: REUTERS)

Fingerzeig aus dem Inneren der EZB: Visco deutet Minus-Zinsen an

Die jüngsten Zinssenkung hat ihre Wirkung noch nicht voll entfaltet, da denkt Italiens oberster Währungshüter schon an den nächsten Schritt: Der für Banken maßgebliche Spezialzins könnte nach Ansicht von Ignazio Visco durchaus auch in den negativen Bereich fallen.

Italiens Notenbankchef Ignazio Visco kann sich für eine weitere Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) erwärmen. Visco sagte dem US-Sender CNBC, dass er sich vorstellen könne, dass der Einlagesatz, zu dem Banken Geld bei der EZB parken können, unter null Prozent gesenkt wird, sollte die Wirtschaft weitere Hilfen benötigen.

Er persönlich denke, dass eine solche Zinssenkung wirkungsvoll wäre. De facto kommt diese Maßnahme allerdings einem Strafzins für diejenigen Banken gleich, die Geld lieber bei der EZB anlegen als es als Kredite an Firmen weiterzureichen.

Visco verfügt über nicht wenig Einfluss: Als Chef der italienischen Notenbank ist er stimmberechtigtes Mitglied im EZB-Rat - jenem Gremium der Europäischen Zentralbank, das zweimal im Monat zusammenkommt und unter anderem über den geldpolitischen Kurs im Euroraum entscheidet.

Die EZB hatte Anfang Mai ihren Leitzins auf 0,5 Prozent gekappt und den Einlagesatz unverändert bei null Prozent belassen. EZB-Chef Mario Draghi hatte zugleich angedeutet, dass dies nicht dabei bleiben muss. Der EZB-Rat ist in der Frage eines negativen Einlagesatzes gespalten, da der Schritt nicht ohne Risiken und Nebenwirkungen für Sparer und Anleger wäre.

Auf die europäische Bankenbranche kämen damit umwälzende Veränderungen der geldpolitischen Rahmenbedingungen zu. Dabei droht den Geldhäusern in Deutschland einer neuen Studie zufolge ohnehin bereits Gegenwind. Nach Überzeugung des Beratungsunternehmens Ernst & Young (E&Y) müssen die Banken in Deutschland mit weiteren schwierigen Jahren rechnen.

Schon jetzt leidet die Bilanz

Die Konjunktur in Deutschland entwickele sich schwächer als erhofft, die Vorsorge für mögliche Kreditausfällen müsse erhöht werden, erklärte E&Y-Bankenexperte Dirk Müller-Tronnier die Zusammenhänge aus seiner Sicht. Zudem machten den Instituten das niedrige Zinsniveau und steigende Kapitalanforderungen zu schaffen. Mit einem Minus-Zins bei der Europäischen Zentralbank würden sich die wirtschaftlichen Erfolgsaussichten der Banken wohl weiter verdüstern.

"Goldene Jahre sind für die Banken vorerst nicht in Sicht", fasste Müller-Tronnier die Perspektiven zusammen. Bei der Arbeit an der Studie hatte sich Ernst & Young die Bilanzen der 13 größten deutschen Banken für das Jahr 2012 näher angeschaut.

Quelle: n-tv.de

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