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Mittlere Flughöhe und lange Flugdauer: Male-Drohnen sollen in erster Linie in der militärischen Aufklärung verwendet werden.
Mittlere Flughöhe und lange Flugdauer: Male-Drohnen sollen in erster Linie in der militärischen Aufklärung verwendet werden.(Foto: cassidian.com)

Industrie will neues Drohnen-Projekt: Von der Leyen wiegelt ab

Die europäische Industrie lässt nicht locker, prescht mit einem neuen Drohnen-Projekt vor - unbemannt und auch waffentauglich. Doch der Politik steckt das "Euro Hawk"-Debakel noch in den Knochen. Die Reaktionen fallen dementsprechend aus.

Nach dem "Euro Hawk"-Debakel starten die führenden europäischen Luftfahrtkonzerne einen neuen gemeinsamen Vorstoß für ein militärisches Drohnenprojekt - und stößt in Berlin auf taube Ohren. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte dazu: Sie sehe derzeit "keinen Entscheidungsdruck", weil das Thema zunächst in einer "breiten gesellschaftlichen Debatte" und im Bundestag erörtert werden müsse. Airbus, das französische Unternehmen Dassault Aviation und Alenia Aermacchi aus Italien wollen gemeinsam militärische Drohnen entwickeln und sich damit in einer bisher von den USA und Israel dominierten Branche einen Platz verschaffen.

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Bernhard Gerwert, Chef der Rüstungs- und Raumfahrtsparte der Airbus-Group (früher EADS), sagte: "Bei unseren Streitkräften besteht eindeutiger Bedarf." Die Drphnen können bis zu 24 Stunden lang in etwa 3000 Metern Höhe fliegen.

Von der Leyen sagte, das Angebot der drei Unternehmen "hat mir gegenüber in Gesprächsform nicht stattgefunden". Am Freitag sei allerdings auf Arbeitsebene in ihrem Ministerium der Brief eines Rüstungsunternehmens mit einem Angebot eingegangen. "Typischerweise" würden solche Angebote nur unterbreitet, wenn das Ministerium zuvor darum gebeten habe. Dies sei in diesem Fall aber nicht geschehen, sagte von der Leyen.

Ihr Vorgänger Thomas de Maizière (CDU) war über die "Euro Hawk"-Affäre fast gestolpert. Vor einem Jahr scheiterte die Beschaffung der großen Aufklärungsdrohne "Euro Hawk" an Problemen bei der Zulassung für den deutschen Luftraum und drohender Mehrkosten von 500 bis 600 Millionen Euro.

Aus Fehlern gelernt?

Daraus habe die Industrie gelernt, gab Gerwert zu verstehen. Deshalb habe sie den Verteidigungsministerien in Deutschland, Frankreich und Italien jetzt einen gemeinsamen Vorschlag präsentiert. Dabei seien konkrete Gespräche über die Anforderungen an die neue Technik in der ersten Phase vorgesehen. Es sei auch eine gemeinsame Zulassung in Europa geplant, um nationale Zulassungen zu vermeiden.

Zur umstrittenen Frage der Bewaffnung von Drohnen sagte der Airbus Defence & Space-Chef, das könne die Industrie nicht beantworten. Diese Vorgabe müsse die Politik liefern. Derartige Drohnenprojekte - wie vorgeschlagen - können in der Regel auch bewaffnet werden. Zunächst ist die Drohne aber als Aufklärungsdrohne angelegt.

Von der Leyen erklärte, zunächst müsse die für den Sommer geplante parlamentarische Debatte über die Drohnen-Beschaffung abgewartet werden. So sei es auch im Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD vorgesehen. "Genau diese einzelnen Schritte werden wir auch so einhalten." Im Koalitionsvertrag weisen Union und SPD darauf hin, dass die Bundeswehr auf unbemannte Luftfahrzeuge zur Aufklärung angewiesen sei. Weiter heißt es dort: "Die Koalition wird eine europäische Entwicklung für unbemannte Luftfahrzeuge voranbringen."

Ab 2020 in der Luft

Auf industrieller Ebene ist nach Angaben Gerwerts bereits eine Kooperationsvereinbarung geschlossen worden. Auch habe man sich über die Arbeitsteilung verständigt. Bereits 2020 könnte "kostengünstige und zulassungsfähige" Drohne im Jahr bereitstehen. Die Übereinkunft mit den Partnern Dassault Aviation (Frankreich) und Alenia Aermacchi (Italien) sei einer "wichtiger Meilenstein für die Entwicklung einer europäischen Male-Drohne", sagte Gerwert. Die Vorstellung des Projekts kurz vor der Internationalen Luftfahrtmesse Ila in Berlin (20. bis 25. Mai), die am Dienstag beginnt, bringt den Herstellern besondere Aufmerksamkeit. Der Branchentreff widmet den Drohnen einen eigenen Schwerpunkt.

Über die Entwicklung einer europäischen Drohne wird seit Jahren diskutiert. Bislang konnte sich die Politik allerdings nicht auf ein gemeinsames Programm einigen. Airbus-Chef Tom Enders hatte das immer wieder kritisiert. "Je länger es dauert, desto dominanter werden die Amerikaner auf dem Markt werden. Desto schwieriger wird es werden, aufzuholen", sagte der deutsche Spitzenmanager bereits vor der Pariser Luftfahrtmesse 2013 und sprach von einem Rückstand von zehn Jahren.

 Enders kündigte damals an, keine Konzerngelder mehr für die Entwicklung von Drohnen ausgeben zu wollen. Nur mit Regierungsaufträgen werde es weitergehen. Die nun vorgeschlagene sogenannte Definitions-Phase des Male-Projekts gemeinsam mit der Politik und den Streitkräften dauert Gerwert zufolge anderthalb bis zwei Jahre und dient auch dazu, "kostspielige Zusatzentwicklungen während der späteren Produktionsphase zu vermeiden und Entwicklungs- und Finanzrisiken auf ein Minimum zu begrenzen". Danach erwarten die Unternehmen die endgültige Entscheidung der Politik zur weiteren Entwicklung.

Das vorgeschlagene neue Male-Drohnenprojekt unterscheidet sich wesentlich von der Aufklärungsdrohne "Euro Hawk", die von den Ausmaßen viel größer ist und mit einer Spannweite von 40 Metern einem mittelgroßen Verkehrsflugzeug gleichkommt. Zudem fliegt sie in einem Korridor, der deutlich über der Flughöhe normaler Passagierflugzeuge liegt. MALE kommt vielmehr eher der Größenordnung der Heron-Aufklärungsdrohne gleich, die von der Bundeswehr in Afghanistan eingesetzt wird, und auf fast 17 Meter Spannweite kommt.

Quelle: n-tv.de

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