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US-Absatzzahlen auf Rekordniveau: Wann kommt der Kater nach der Auto-Party?

Ein Liter Benzin kostet in den USA derzeit umgerechnet weniger als 50 Euro-Cent, Auto-Finanzierungen sind günstig zu haben, der Wirtschaft geht es gut. Die Amerikaner kaufen Autos wie nie, vor allem PS-starke. Doch das Ende der Absatz-Party kommt ganz sicher.

Der US-Automarkt brummt weiter. Billiges Benzin und günstige Finanzierungen befeuern die Nachfrage nach Geländewagen und Pickup-Trucks. Der Boom der spritschluckenden "Gas Guzzler" versetzt die Branche in Feierlaune - "Let the Good Times Roll", titelte das Fachblatt "Automotive News" erst kürzlich. Aber die Party könnte ihren Höhepunkt schon erreicht haben.

Das meistverkaufte Auto in den USA: der Ford F-150.
Das meistverkaufte Auto in den USA: der Ford F-150.(Foto: AP)

Im November und Dezember haben die Hersteller soviele Wagen verkauft, wie noch nie zuvor in diesem Zeitraum. Beim US-Platzhirsch General Motors stiegen die Verkaufszahlen für Pick-up-Trucks im Januar um über 40 Prozent, SUV-Modelle legten um mehr als ein Drittel zu. Für den Gesamtmarkt aller Hersteller waren zunächst noch keine Zahlen verfügbar.

2014 wuchs der US-Markt das fünfte Jahr in Folge, in der weltgrößten Volkswirtschaft wurden 16,5 Millionen Wagen verkauft - sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Die monströsen Pickup-Trucks Ford F, Chevrolet Silverado und Dodge Ram waren die Top-Seller. Wer in den USA verkaufen will, braucht schweres Gerät. Die Aussicht auf dauerhaft niedrige Ölpreise hat die Nachfrage nach Benzinschluckern zuletzt noch weiter angefacht.

Die fetten Zeiten bleiben nicht ewig

"Die Kunden haben sich SUV's und Crossovers im Coupe-Schnitt zugewandt, nachdem die Spritpreise auf den tiefsten Stand seit mehr als fünf Jahren gefallen sind", sagt Experte Alec Gutierrez vom Analysehaus Kelley Blue Book. Die Opel-Mutter General Motors habe bei ihren Vertrieblern bereits die Nachfrage nach einem neuen SUV-Offroader eruiert, berichtete jüngst das "Wall Street Journal". Damit könne eine Attacke auf den Jeep Wrangler, das Erfolgsmodell vom Rivalen Chrysler, lanciert werden.

Genau das hatte GM Anfang 2008 schon einmal geplant, damals mit einem Konzept der Marke Hummer. Dies wurde jedoch wenig später nach einem rapiden Anstieg der Ölpreise eingestampft. Auch diesmal könnte GM beim Timing danebenliegen. Die Zinsen in den USA dürften bald wieder steigen, damit wird auch die Autofinanzierung teurer. Und niemand kann sagen, wie lange Benzin so billig bleibt. Selbst wenn die günstigen Preise an den Tankstellen anhalten, gehen die fetten Zeiten nicht ewig weiter.

Denn ähnlich wie in Europa müssen die Hersteller auch in den USA den Verbrauch ihrer Flotten drosseln. In zehn Jahren sollen die Neuwagen ihren Spritdurst auf umgerechnet unter 4,4 Liter je 100 Kilometer gezügelt haben. 2013 lag der Wert laut einer Untersuchung der Universität Michigan noch bei umgerechnet 7,8 Litern. Um die Spritschlucker auszugleichen, müssen GM, Ford und Co. ihren Kunden Kleinwagen schmackhaft machen - oder gleich Hybridmodelle mit den niedrigsten Verbrauchswerten.

Letztere werden schon mit viel Geld vom Staat gefördert, klarer Marktführer ist Toyota. Doch bei den Kompaktmodellen mit sparsamen Motoren müssten die Hersteller selbst an der Preisschraube drehen - oder die großen Schlitten teurer verkaufen, um Kleinwagen interessanter zu machen. Das Geld stecken viele Autobauer auch in neue Technik, um die Dickschiffe zumindest etwas effizienter zu machen. So hat Ford die neue Generation seines Pickup-Trucks F-150, seit Jahrzehnten das meistverkaufte Auto der USA, mit reichlich Aluminium statt Stahl an Bord um satte 320 Kilogramm abgespeckt. Zwar wiegt der Koloss immer noch rund zwei Tonnen, doch Ford verspricht bis zu 30 Prozent geringeren Spritverbrauch als beim Vorgänger.

Vorerst dürfte die Kauflaune am US-Automarkt dank der niedrigen Benzinpreise hoch bleiben, sagt Analyst Chris Hopson von der Research-Firma IHS. Doch der Boom wird abflauen, da sind sich die Experten einig. IHS und Kelley Blue Book rechnen für 2015 mit 16,9 Millionen verkauften Autos. Das wäre nur noch ein Plus von 2,5 Prozent - der schwächste Zuwachs seit 2009. Damals war der Markt im Zuge der Weltwirtschaftskrise um mehr als 20 Prozent eingebrochen.

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Quelle: n-tv.de

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