Wirtschaft
Mal einen Borschtsch weniger essen, dann kommt man auch durch die Krise.
Mal einen Borschtsch weniger essen, dann kommt man auch durch die Krise.(Foto: imago stock&people)

"Einfach mal weniger essen": Was Politiker den Russen in der Krise raten

Die Lebensmittel sind teuer? Dann essen Sie weniger. Kosmetik ist teuer? Nehmen Sie Rote Beete als Lippenstift. Sie frieren? Dann erinnern Sie sich daran, dass Sie Russe sind. Zurzeit geben russische Politiker dem Volk abenteuerliche Ratschläge.

Einfach mal weniger essen, rotes Gemüse als Lippenstift benutzen und keinesfalls Geld für französische Reizwäsche ausgeben: So können die russischen Bürger die derzeitige Wirtschaftskrise überstehen, finden Politiker in Moskau. Seit Lebensmittel teils um 50 Prozent teurer geworden sind und die Entwertung des Rubels stetig fortschreitet, wendet sich so mancher besorgter Russe an die Volksvertreter. Die sparen nicht mit kreativen Vorschlägen und beschwören das Zusammengehörigkeitsgefühl.

Kosmetik-Knolle Rote Beete.
Kosmetik-Knolle Rote Beete.(Foto: imago stock&people)

"Wenn Sie nicht genug Geld haben, müssen Sie sich daran erinnern, dass wir Russen sind", erklärte der Abgeordnete Ilja Gaffner auf die Anfrage einer alten Dame. "Wir haben Hunger und Kälte überlebt, wir müssen an unsere Gesundheit denken und weniger essen", riet Gaffner. Die Frau hatte sich an ihn gewandt, weil sie nach eigenen Angaben keinen Zucker mehr für ihren behinderten Sohn kaufen kann.

Die Öffentlichkeit reagierte heftig auf Gaffners Äußerungen - am Ende musste sich der Abgeordnete aus Sibirien entschuldigen. Dabei melden sich auch weitaus ranghöhere Politiker mit ähnlichen Ideen zu Wort.

Wer braucht schon französische Unterwäsche?

"Wir müssen weniger essen und weniger Strom verbrauchen", befand etwa Vize-Ministerpräsident Igor Schuwalow auf dem Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos. Wenn ein Russe unter Druck von außen gerate, gebe er niemals auf. "Wir werden in unserem Land alle Hindernisse überwinden", gab sich Schuwalow zuversichtlich. "Der Anti-Krisen-Plan sieht vor, dass sich die normalen Bürger und die Unternehmen an die neuen Gegebenheiten anpassen." Die russische Presse wunderte sich prompt - "Es gibt einen Plan?", schrieb etwa die Tageszeitung "Iswestija".

Besondere Hinweise speziell für die Damenwelt hat der Abgeordnete Igor Tschernischijew zu bieten. Er empfahl kürzlich, Rote Beete als Lippenstift zu verwenden. "Das ist natürlich und es dringen keine chemischen Stoffe in den Körper ein", befand der Vorsitzende des Ausschusses für Sozialpolitik. "Und unsere Frauen sind in Unterwäsche, die in Moskau produziert wurde, hübscher als in der aus Frankreich", fuhr Tschernischijew fort. Ohnehin sind Baumwollschlüpfer angesagt - Unterhosen aus Synthetik-Spitze wurden bereits gesetzlich verboten, offiziell aus Hygienegründen.

Rote Beete für Donezk

Auch die russisch-orthodoxe Kirche meldet sich in der Debatte zu Wort. Ihr Oberhaupt, Partiarch Kirill, erklärte: "In der Krise besiegen wir das Böse." Denjenigen, die wegen der wirtschaftlichen Lage die Familiengründung hinausschieben, riet der Geistliche, gerade jetzt Kinder zu bekommen. Reich seien Russen ohnehin nie.

Manche Bürger machen nun ihrem Frust auf Twitter Luft. "Ich habe unter Gorbatschow und Jelzin gelebt, aber Putin ist der erste Präsident, der verlangt, dass ich weniger esse", schrieb dort etwa der Nutzer Andreij Koessenko.

Andere ergeben sich in ihr Schicksal. Sie sei "bereit, Rote Beete als Lippenstift zu benutzen", sagt etwa die 75-jährige Tatjana Chrolenko. "Wir müssen Donezk und Lugansk helfen", zwei Hochburgen der prorussischen Separatisten in der Ukraine.

Wenig anhaben können die Bürgersorgen bislang dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Er genießt weiterhin eine enorme Popularität. In einer Umfrage gaben im Dezember fast 88 Prozent der Befragten an, sie würden Putin wieder wählen. Im Januar äußerten sich immerhin noch zwei Drittel der Umfrageteilnehmer so.

Quelle: n-tv.de

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