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500 Euro Staatshilfe für den Griechenland-Urlaub: Ganz zu Ende gedacht ist die Idee nicht.
500 Euro Staatshilfe für den Griechenland-Urlaub: Ganz zu Ende gedacht ist die Idee nicht.(Foto: picture alliance / dpa)

500 Euro für Griechenland-Ferien: Was der Urlaub auf Staatskosten bringt

Von Hannes Vogel

Zwei CDU-Abgeordnete wollen Griechenland mit einer ulkigen Idee retten: Deutsche Touristen sollen 500 Euro Staatshilfe für ihren Hellas-Urlaub bekommen. Klingt erstmal ganz gut. Bis man den verrückten Vorschlag zu Ende denkt.

So ganz ernst meinen Rüdiger Kruse und Axel Fischer die Idee wohl selber nicht. "In der Fraktion haben mich schon ein paar Leute gefragt, ob sie eine Reise bei mir buchen können", ulkt CDU-Mann Kruse im Gespräch mit n-tv.de. Die beiden Abgeordneten haben sich eine unkonventionelle Hellas-Hilfe ausgedacht. Ihr Vorschlag: Deutsche Urlauber sollen 500 Euro vom Finanzamt zurück bekommen, wenn sie Ferien in Griechenland machen.

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Statt der Athener Regierung immer neue Hilfskredite zu geben, die sie dann doch bloß an die EU und den IWF weiterreichen, wollen Kruse und Fischer deutsches Steuergeld direkt in die griechische Wirtschaft pumpen. Urlaub auf Staatskosten als Förderprogramm für den griechischen Tourismus. Auf den ersten Blick hat die fixe Idee Potenzial. Aber auf den zweiten nicht.

Eine ganze Menge Ouzo

Tourismus ist Griechenlands wichtigstes Standbein. Laut dem World Travel & Tourism Council hängen fast jeder fünfte Job und etwas mehr als 16 Prozent der Wirtschaft direkt oder indirekt davon ab. Bis 2024 sollen es nahezu 20 Prozent sein. Die größten Hoffnungen auf eine Erholung des krisengebeutelten Landes ruhen auf dem Tourismus. Ihn zu fördern, um Hellas wieder auf die Beine zu helfen, ist also grundsätzlich eine richtige Idee.

Deutsche Urlauber sind dabei der Schlüssel: Schon heute sind sie die zweitwichtigste Einnahmequelle. 2,5 Millionen Deutsche reisten 2014 laut der Tourismusagentur Marketing Greece an die Ägäis, 8,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Nur aus Großbritannien kamen noch mehr Touristen zu Besuch. Nachdem die Besucherzahlen in der Schuldenkrise eingebrochen sind, verzeichnet auch der deutsche Reiseverband (DRV) nun einen Griechenland-Boom bei deutschen Urlaubern: Um 17,2 Prozent sind die Buchungen laut DRV im vergangenen Jahr gestiegen.

Zwei Milliarden Euro haben deutsche Touristen laut Marketing Greece im vergangenen Jahr in Griechenland ausgegeben. 800 Euro kostet die Deutschen ihr Griechenland-Urlaub also im Schnitt. 500 Euro Staatshilfe sind daran gemessen eine ganze Menge. Und wenn alle 2,5 Millionen Hellas-Touristen sich im nächsten Jahr ihren Scheck abholen, kostet das den Finanzminister stolze 1,25 Milliarden Euro. Dafür kann man eine ganze Menge Ouzo kaufen.

Abwrackprämie für den Urlaub

Die Frage ist nur, wieviel von der deutschen Finanzhilfe wirklich bei den Griechen ankommt und die Wirtschaft zusätzlich ankurbelt. Denn werden wirklich mehr Deutsche Urlaub in Hellas machen oder dort mehr ausgeben, wenn Wolfgang Schäuble ihnen dafür Geld gibt? Wahrscheinlicher ist doch, dass sie einfach den Zuschuss mitnehmen und sich bedanken, dass ihre Ferien 500 Euro billiger geworden sind.

Gedacht ist die fixe Idee von Kruse und Fischer als eine Art Abwrackprämie für den Griechenland-Urlaub. Doch anders als bei alten Autos lässt sich nicht kontrollieren, ob jemand seinen alten Urlaub "stilllegt" und einen Neuwagen kauft - also wirklich zusätzliche Ferien macht. In Griechenland wird also wahrscheinlich kaum mehr Geld ankommen. Alles was passiert ist, dass das deutsche Finanzamt deutschen Touristen die Hälfte der Urlaubsrechnung zahlt: ein Bonus für die, die sich Ferien im Ausland ohnehin schon leisten können.

Denn dass plötzlich noch mehr Deutsche anfangen Koffer zu packen ist unwahrscheinlich: Laut der aktuellen Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) machen schon jetzt mehr als drei Viertel aller Deutschen jährlich mindestens eine Urlaubsreise von mindestens fünf Tagen. Wenn also wirklich Millionen zusätzliche Touristen in die Flieger nach Thessaloniki, Rhodos oder Kos steigen sollten, würden sie bloß woanders fehlen. Spanien und Italien, die unangefochtenen Lieblingsreiseziele der Deutschen, wären sicher wenig erfreut über die deutsche Staatshilfe.

Und noch ein Hindernis gibt es: Fließen soll die Urlaubsprämie nur, wenn der griechische Ferienhausbesitzer eine Rechnung ausstellt, die der deutsche Urlauber dann beim Fiskus vorlegen kann. So wollen Kruse und Fischer die Steuerehrlichkeit in Griechenland fördern - in einem Land, wo Steuerhinterziehung Volkssport ist. Vielleicht könnten griechische Grenzschützer die deutschen Urlauber bei der Ausreise kontrollieren. Wer keine Quittung hat, darf nicht zurück ins langweilige Büro. Sondern muss im Urlaub bleiben.

Quelle: n-tv.de

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