Wirtschaft
Deutsche-Bank-Chef John Cryan wird noch Jahre mit den Skandalen der Vergangenheit zu kämpfen haben.
Deutsche-Bank-Chef John Cryan wird noch Jahre mit den Skandalen der Vergangenheit zu kämpfen haben.(Foto: picture alliance / dpa)

Größter Verlust der Geschichte: Was ist zur Deutschen Bank noch zu sagen?

Ein Kommentar von Hannes Vogel

So heftig die Vergehen der Deutschen Bank sind, so wenig interessieren sie noch: Der größte Verlust aller Zeiten verschwindet im Skandalnebel. Deutschlands größtes Geldhaus ist der Palästina-Konflikt der Wirtschaft.

Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. So abgeschmackt das Sprichwort ist, in der deutschen Wirtschaft gibt es derzeit keinen besseren Beleg dafür als die Deutsche Bank. Deutschlands größtes Geldhaus hat seine Reputation mit endlosen Skandalen so gründlich zerstört, sein Geschäft mit zahllosen Zocker-Deals so vollständig vor die Wand gefahren, dass selbst ein Minus von 6,7 Milliarden Euro niemand mehr überrascht, geschweige denn aufregt.

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Grotesker Betrug, Milliarden-Manipulationen, Bilanztricks, Sanktionsverstöße, Behinderung der Justiz: Die Vorwürfe gegen die Bank sind so heftig wie endlos, die Rekordstrafen schlagen in so kurzen Abständen ein, dass sie sich zu einem undurchdringlichen Skandalnebel verdichten, in dem selbst informierte Zuschauer verloren gehen. Ach was, schon wieder ein Skandal bei der Deutschen Bank? Man kann es nicht mehr hören.

Alle Superlative sind verbraucht: Die Bank hat den größten Verlust ihrer fast 150-jährigen Geschichte eingefahren. Alle Vergleiche haben sich längst abgenutzt: Ihre fragwürdige Vergangenheit hat die Bank eingeholt, sie hat vor ihr kapituliert. Die Brandstifter der Finanzkrise, die die Bank nach dem Crash zu Chefaufklärern machte, hat sie nach jahrelangem Zögern zum Glück inzwischen gefeuert. Deren hochfliegende Deals von einst sind es, die heute wie Bumerangs in die Bilanz einschlagen.

Die Deutsche Bank ist zum Palästina-Konflikt der Wirtschaft geworden. Ihre Probleme sind auf absehbare Zeit so unlösbar, ihre Vergehen so grausam, dass der Öffentlichkeit nichts anderes übrig bleibt, als betreten mit den Schultern zu zucken und weiterzugehen.

Nicht mal die Börsenanalysten juckt der Megaverlust noch. Sie hatten eh mit fünf Milliarden Euro Miesen gerechnet. Jetzt werden es eben fast sieben. Was soll's.

Wer böswillig denkt, mag darin eine PR-Strategie erkennen. Die Deutsche Bank hat mit einem Trommelfeuer von Skandalen die Öffentlichkeit so abgestumpft, ihre Aufmerksamkeit so zermürbt, dass nun selbst die ungeheuerlichsten Aufreger untergehen. Ein einzelner Skandal ist ein Tragödie, ein Dutzend Skandale sind eine Statistik.

So gut das für die Bank ist, so bitter ist es für ihre Angestellten. Sie müssen nun jenseits der Scheinwerfer für die Fehler der Ackermann-Ära büßen. Sie müssen für die Exzesse der Turbo-Investmentbanker in der Londoner City und an der New Yorker Wall Street mit ihren Jobs bezahlen. Das interessiert leider auch kaum jemand mehr.

Quelle: n-tv.de

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