Wirtschaft
Symbolische Geste: Draghi leistet seine - schon jetzt millionenfach vervielfältigte - Unterschrift.
Symbolische Geste: Draghi leistet seine - schon jetzt millionenfach vervielfältigte - Unterschrift.(Foto: dapd)

Das zweite Gesicht des Euro: Was kann das neue Geld?

Von Martin Morcinek

Der Euro sieht bald anders aus: Gut elf Jahre nach der Bargeldeinführung verordnen die Währungshüter dem Papiergeld eine ungewohnte Optik mit brandneuen Sicherheitsmerkmalen. Wie lässt sich der neue 5-Euro-Schein sicher erkennen?

In wenigen Wochen ist es so weit: Ab dem 2. Mai wird die Europäische Zentralbank ihre Schleusen öffnen und einen neuen Geldschein in den Bargeldkreislauf innerhalb der Währungsgemeinschaft einspeisen. Die Aktion ist von langer Hand vorbereitet und gleichzeitig nur der Beginn einer weitaus größeren Operation. Denn nach und nach wollen die Währungshüter sämtliche Euro-Banknoten der sogenannten ersten Serie austauschen. Den Anfang machen sie beim kleinsten Schein, der Banknote mit einem Nennwert von 5 Euro. Die Umstellung markiert den Einstieg in die zweite Euro-Banknotenserie, die in Fachkreisen kurz "Europa"-Serie heißt.

Und hier sie, die Vorderseite des Fünfers aus der neuen Europa-Serie.
Und hier sie, die Vorderseite des Fünfers aus der neuen Europa-Serie.(Foto: © Europäische Zentralbank)

Währungspsychologie und der politische Symbolgehalt machen für Mario Draghi die Einführung der neuen Banknote zur Chefsache: Persönlich stellte der EZB-Präsident den neuen Geldschein im Anschluss an die erste Zinssitzung der Zentralbank im neuen Jahr vor. Zugleich eröffnete er eine eigens eingerichtete Ausstellung, die den Titel "Das neue Gesicht des Euro" trägt und noch bis zum 10. März im Archäologischen Museum in Frankfurt am Main zu sehen ist.

Die geladenen Gäste erwartete ein ungewöhnliches Spektakel: Die EZB bemühte sich vor den Augen der Öffentlichkeit um eine besonders beeindruckende Präsentation. Schließlich soll die neue Banknote die alten Scheine nach einer gewissen Übergangsfrist komplett ersetzen. Um technische oder logistische Fragen geht es dabei nur an der Oberfläche. Sehr viel wichtiger ist den Notenbankern die Akzeptanz des neuen Geldes bei den Europäern.

Nach einer kurzen Rede gab Draghi schließlich den Blick frei: Der neue Fünf-Euro-Schein sieht seinem Vorgänger ähnlich, weist jedoch auch eine Reihe neuer Merkmale auf. Schon auf den ersten Blick stechen zum Beispiel die neuen Farbtöne ins Auge, in denen die deutlich fetter gedruckte Wertangabe "5" auf Vorder- und Rückseite leuchtet. Begeistert sprechen Bargeld-Experten von der "Smaragd-Zahl". Beim Kippen des Scheins verändert sich ihre Farbe von Smaragdgrün zu Tiefblau, während ein zarter, gut sichtbarer Lichtbalken über die Farbfläche huscht. Eine harte Nuss, selbst für den begabtesten Geldfälscher.

Versteckt im Wasserzeichen: Das Antlitz der Europa.
Versteckt im Wasserzeichen: Das Antlitz der Europa.(Foto: © Europäische Zentralbank)

Das neue Design trage "Fortschritten im Bereich der Banknotentechnologie Rechnung", heißt es bei der EZB. Seit der Einführung der ersten Serie vor über zehn Jahren habe sich hier sehr viel getan. Der neue Fünfer weise sowohl neue als auch verbesserte Sicherheitsmerkmale auf. Zusammen sollen sie auch Laien helfen, die Echtheit eines Scheins durch den sogenannten "Fühlen-Sehen-Kippen"-Test zu prüfen. Damit das auch im Alltag und großer Eile funktioniert, haben sich die Gelddrucker einiges einfallen lassen.

Schon beim Befühlen sollen sich zum Beispiel gut tastbare Unterschiede erkennen lassen: Am linken und rechten Rand der Banknote befinden sich kurze, erhabene Linien, die vor allem Menschen mit Sehbehinderung die Unterscheidung der verschiedenen Stückelungen erleichtern sollen.

Rundherum in Schutzlackierung

Und so sieht der neue Fünfer von hinten aus: Das Architektur-Motiv auf der Rückseite bleibt erhalten.
Und so sieht der neue Fünfer von hinten aus: Das Architektur-Motiv auf der Rückseite bleibt erhalten.(Foto: © Europäische Zentralbank)

Die spürbarste Veränderung dürfte jedoch auch Zeitgenossen mit weniger Feingefühl sofort auffallen: Der neue Fünfer ist lackiert und deshalb etwas dicker als sein Vorgänger. "Die Erwartung ist auch, dass die neuen Fünfer dank der Speziallackierung länger halten und man damit Kosten spart", erklärte Bundesbank-Experte Rainer Elm. Derzeit hat der Fünf-Euro-Schein, der erfahrungsgemäß recht rasch den Besitzer wechselt, eine Lebensdauer von etwa 13 Monaten. Ein 20er hält nach Angaben der Experten knapp zwei Jahre, ein 50er drei bis vier Jahre.

Eine weitere Neuerung: Das neue Wasserzeichen und das deutlich verbreiterte Hologrammband am Rand des Scheins zeigen ein Porträt der Mythenfigur "Europa". Ihr Antlitz haben die Geldschein-Designer der Darstellung auf einer antiken Vase entnommen, die aus dem Jahr 360 vor Christus stammt.

Faszinierende Anmut: Mario Draghi erläutert den Symbolgehalt der neuen Europa-Serie.
Faszinierende Anmut: Mario Draghi erläutert den Symbolgehalt der neuen Europa-Serie.(Foto: dapd)

Die Fachwelt kennt das vollständige Motiv unter dem Namen "Europa und der Stier", einer der frühen Darstellungen jener Frauengestalt aus der griechischen Mythologie, die später der komplizierten Weltregion zwischen Sizilien und Nordkap ihren Namen leihen sollte. Etwa 2372 Jahre nach ihrer anmutigen Abbildung auf jenem apulischen Prunkgefäß steht sie nun auch noch Pate für die neue Europa-Serie der EZB.

Alles anders wird auch nach dem Facelift für die Euro-Banknoten nicht. Erhalten bleiben zum Beispiel die Hintergrundmotive: Bauwerke aus verschiedenen Epochen der europäischen Geschichte, stehen auch künftig für Europa. Dabei steht die abgebildete Fantasiearchitektur weiterhin für den klassischen europäischen Kompromiss: Die Architekturbeispiele sind fiktiv. Real existierende Vorbilder suchen Touristen und Euro-Fans vergeblich.

Euro-Konzept "7+1"

Insgesamt gibt es die Gemeinschaftswährung nach wie vor in sieben unterschiedlichen Stückelungen: Neben dem nun zum Austausch anstehenden Fünfer sind das die bekannten und mehr oder weniger geläufigen Scheine für 10, 20, 50, 100, 200 und 500 Euro. Sie sind in allen 17 Euro-Ländern gesetzliches Zahlungsmittel. Zusammen mit der neuen Fünfer-Version kursieren in der Eurozone künftig acht verschiedene Scheine.

Ausgeliehen aus dem Louvre: Die EZB scheut keine Mühen, um die Einführung der zweiten Euro-Serie stilvoll einzuleiten.
Ausgeliehen aus dem Louvre: Die EZB scheut keine Mühen, um die Einführung der zweiten Euro-Serie stilvoll einzuleiten.(Foto: © Europäische Zentralbank)

Die monetäre Großaktion ist von langer Hand vorbereitet: Bankangestellte, Kassenkräfte und private Verbraucher sollen sich frühzeitig mit dem neuen Aussehen vertraut machen können. Schon die Stückzahlen deuten an, vor welchen Dimensionen die Notenbanker stehen: Zuletzt sollen etwa allein vom Fünfer 1,5 Mrd. Scheine im Umlauf gewesen sein. Zusammen kommt diese Menge auf ein Gesamtgewicht von rund 900 Tonnen.

In den kommenden Jahren sollen die übrigen Noten dem Beispiel des Fünf-Euro-Scheins folgen und im Rahmen der Umstellung auf die zweite Serie in ihrer sicherheitstechnisch überarbeiteten Nachfolgerversion in Umlauf kommen. Dem bisherigen Zeitplan zufolge ist ab 2014 der Zehner dran, ab 2015 soll der Zwanziger folgen und später im gleichen Rhythmus 100er, 200er und 500er.

Anfangs werden die beiden Euro-Banknotenserien den Plänen der EZB zufolge parallel zueinander im Umlauf sein, dann wird die erste Serie nach und nach aus dem Verkehr gezogen und verliert letztlich den Status als gesetzliches Zahlungsmittel. "Der Zeitpunkt, zu dem dies erfolgt, wird weit im Voraus bekannt gegeben", versprechen die Notenbanker.

Doch auch nach diesem Stichtag sollte niemand in Versuchung kommen, die alten Geldscheine einfach so als ungültig aus dem Fenster zu werfen. "Die Banknoten der ersten Serie behalten auf Dauer ihren Wert", heißt es ausdrücklich bei Bundesbank und EZB. Sie können jederzeit bei den nationalen Zentralbanken des Eurosystems umgetauscht werden.

Quelle: n-tv.de

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