Wirtschaft
Beats-Kopfhörer sind nicht gerade billig.
Beats-Kopfhörer sind nicht gerade billig.(Foto: dpa)

Milliarden für Beats: Was will Apple mit teuren Kopfhörern?

Von Jan Gänger

Für Apple wäre es der größte Zukauf aller Zeiten: Für mehrere Milliarden Dollar will der Konzern den Musik-Streaming-Dienst Beats kaufen. Beobachter reiben sich die Augen und fragen sich, ob der Deal überhaupt Sinn macht.

Die üppigen Bargeldreserven von Apple werden bald wohl ein bisschen kleiner. Für 3,2 Milliarden Dollar will der iPhone-Konzern den Musikspezialisten Beats Electronics kaufen. Das ist angesichts von mehr als 100 Milliarden Dollar Cash zwar nur etwas mehr als ein beherzter Griff in die Portokasse. Doch dieser Deal wäre immerhin die größte Übernahme in der Unternehmensgeschichte von Apple - und er sorgt deshalb für großes Rätselraten.

Denn warum Apple gerade Beats kaufen will, erschließt sich nicht unbedingt. Daran ändert auch nichts, dass Beats in zwei Bereichen aktiv ist, die für Apple außerordentlich attraktiv sind: Kopfhörer und Musik-Streaming.

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Die klobigen Beats-Kopfhörer mit dem markanten "b" haben zwei Vorteile: Sie sind sehr teuer und außerordentlich hip. Damit lässt sich also viel Geld verdienen. Sie haben allerdings auch einen gewaltigen Nachteil: Fachleute bewerten ihre Qualität häufig niedriger als der hohe Preis vermuten lässt. So stieß der beliebte Kopfhörer "Beats by Dr. Dre" bei der "Stiftung Warentest" jüngst auf wenig Begeisterung. "Ausreichend", lautet das nüchterne Urteil.

Ein Blick auf die Google-Suche hellt das Bild nicht gerade auf. Im Gegenteil. Gibt man "Beats Kopfhörer sind…" auf Englisch ein, vervollständigt der Algorithmus den Satz mit wenig schmeichelhaften Vorschlägen. "Schrott", "Müll" und "schlecht" nehmen die vordersten Plätze ein.

Streamen statt kaufen

Doch Apple hat es wohl nicht nur auf die Kopfhörer abgesehen, sondern auch auf den Musik-Streaming-Dienst, den Beats vor kurzem gestartet hat. Musik ist seit langem ein Pfeiler von Apple, über iTunes findet der größte Teil der weltweiten Musikverkäufe statt. Die Umsätze stagnieren aber allmählich, während Streaming immer beliebter wird. Dabei können Nutzer unbegrenzt Musik auf ihren Geräten hören, ohne die Titel herunterzuladen und zu besitzen.

Der eigene Dienst iTunes Radio ist aber nicht gerade eine Erfolgsgeschichte. Und so macht es für Apple durchaus Sinn, sich hier zu verstärken. Doch ist Beats die beste Wahl? Immerhin liefert die Google-Vervollständigung der Suchanfragen keine vernichtenden Urteile. Kritiker weisen aber darauf hin, dass es sehr viel bessere Alternativen gibt, beispielsweise Pandora und Spotify.

Aber vielleicht ist Apple das alles aus gutem Grund völlig egal. Beats ist eine überaus starke Marke, der Analysten ein großes Potential zutrauen. Apple kann sehr viel Geld ins Marketing und den Ausbau des Musik-Katalogs stecken. Ein denkbarer Zug von Apple wäre beispielsweise, jedem Käufer eines Beats-Kopfhörers für ein paar Wochen kostenloses Streaming zu erlauben. Das könnte den derzeitigen Platzhirschen das Fürchten lehren.

Quelle: n-tv.de

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