Wirtschaft
Das offizielle Leben in Weißrussland folgt einer strengen Ordnung.
Das offizielle Leben in Weißrussland folgt einer strengen Ordnung.(Foto: REUTERS)

IWF soll helfen: Weißrussland in Finanznot

In Weißrussland stürmen die Belarussen die Geschäfte, um sich mit Wertgegenständen einzudecken. Grund ist der massive Wertverfall des Weißrussischen Rubels. Angesichts der angespannten Lage bittet das mit Sanktionen belegte Land nun den IWF um einen neuen Milliardenkredit.

Das vor dem Staatsbankrott stehende und vom Westen mit Sanktionen belegte Weißrussland hat den Internationalen Währungsfonds (IWF) um einen neuen Milliardenkredit gebeten. Etwa 3,5 bis acht Mrd. US-Dollar seien nötig, um den weißrussischen Rubel sowie die Wirtschaft zu stabilisieren. Das teilten Regierung und Nationalbank in Minsk mit. Der schwedische Außenminister Carl Bildt forderte die autoritäre Führung der Ex-Sowjetrepublik zu politischen Reformen auf. "Andernfalls gibt es keine Hilfe", schrieb Bildt in dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Der seit mehr als 16 Jahren mit harter Hand regierende weißrussische Staatschef Alexander Lukaschenko hat den Medien seines Landes verboten, über die Krise zu berichten.

Experten gehen davon aus, dass etwa neun Mrd. US-Dollar (rund 6,3 Mrd. Euro) für den Ausweg aus der Krise nötig sind. Auch Russland und eine Bank früherer Sowjetrepubliken haben einen Milliardenkredit in Aussicht gestellt. "Der Kollaps ist komplett", stellte Bildt fest.

Belarussen stürmen Geschäfte

"Letzter Dikator Europas"? Der weißrussische Staatschef Lukaschenko
"Letzter Dikator Europas"? Der weißrussische Staatschef Lukaschenko(Foto: picture alliance / dpa)

Die Lage in Weißrussland spitzt sich immer weiter zu. Angesichts eines massiven Wertverfalls des Weißrussischen Rubels hatten viele Belarussen in der vergangenen Woche etwa Geschäfte mit Elektronikgeräten leer gekauft. Konvertierbare Währung wie etwa Dollar und Euro gibt es nicht zu kaufen. Die Einkommen haben innerhalb einer Woche mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren. Mit einer Kommandowirtschaft reguliert die Regierung die Preise für bestimmte Lebensmittel.

Moskauer Medien berichteten, dass immer mehr Weißrussen nach Massenentlassungen aus den Staatsbetrieben in Russland nach Arbeit suchen. Täglich kämen auf dem Belorussischen Bahnhof in Moskau mehr als 6000 Weißrussen an, hieß es.

Der Westen und Russland fordern von Lukaschenko eine durchgreifende Privatisierung der teils wie zu kommunistischen Zeiten geführten Staatsbetriebe. Der als "letzter Diktator Europas" kritisierte Lukaschenko hatte einen "räuberischen Ausverkauf seines Landes" abgelehnt. Er versprach, die Lage in den Griff zu bekommen. Weißrusslands Verhältnis zu EU und USA hatte sich nach den jüngsten Übergriffen auf die Opposition in Minsk deutlich verschlechtert.

Die USA und die EU hatten Sanktionen gegen Belarus verhängt. Auch Russland zaudert mit Finanzhilfen. Der IWF hatte allein 2009/2010 einen Kredit von 3,46 Milliarden Dollar gewährt. Etwa 70 Prozent der Unternehmen sind in Staatshand.

Quelle: n-tv.de

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