Wirtschaft
Auf der einen Seite rauf, auf der anderen runter: Die Weltbank schätzt die globalen Wirtschaftsaussichten neuerdings positiver ein - getragen von den Industriestaaten. Probleme könnten von Seiten der Schwellenländer kommen.
Auf der einen Seite rauf, auf der anderen runter: Die Weltbank schätzt die globalen Wirtschaftsaussichten neuerdings positiver ein - getragen von den Industriestaaten. Probleme könnten von Seiten der Schwellenländer kommen.(Foto: REUTERS)

Eurozone macht sich, Probleme bei Schwellenländern: Weltbank hebt Wachstumsprognose an

Die Euozonen-Konjunktur und die japanische Wirtschaft stabilisieren sich, die US-Ökonomie überrascht positiv - genug Gründe für die Weltbank, ihren Ausblick zu erhöhen. Allerdings steht die globale Erholung auf wackeligen Beinen, aus mehreren Gründen.

Die Weltbank hat ihren Ausblick für das weltweite Wachstum im Jahr 2014 angehoben. Die Organisation setzte ihn auf 3,2 Prozent von zuvor 3 Prozent und begründet diesen Schritt mit der stärkeren Konjunkturerholung in den USA und in der Eurozone. Zugleich warnte die Weltbank vor unsicheren Zeiten in Schwellenländern. "Das Wachstum scheint sich zu verstärken, ... aber die Abwärtsrisiken bedrohen auch weiterhin die globale wirtschaftliche Erholung", sagte Weltbank-Präsident Jim Yong Kim.

In ihrem aktuellen Leitbericht zu den globalen Wirtschaftsaussichten prognostiziert die Weltbank, dass sich das weltweite Wachstum stärker beschleunigen werde als bisher angenommen, weil sich die amerikanische, europäische und japanische Konjunktur stabilisierten. Mit dem nun prognostizierten 3,2 Prozent Wachstum dürfte die Weltwirtschaft in diesem Jahr den kräftigsten Schub seit dem Jahr 2010 erleben. Damals war sie noch um 4,3 Prozent gewachsen, im vergangenen Jahr dagegen nur noch um 2,4 Prozent.

Schwellenländer bereiten Sorgen

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Auch für die Eurozone hat die Weltbank ihre Einschätzung angehoben. Im Euro-Raum mit seinen nun 18 Mitgliedsländern dürfte die Wirtschaft im Jahr 2014 um 1,1 Prozent zulegen und damit um 0,2 Prozentpunkte mehr als bisher erwartet. Die USA sollen mit einer Rate von 2,8 Prozent ebenfalls deutlich schneller wachsen als im vergangenen Jahr.

Der neue Weltbank-Bericht unterscheidet sich erheblich von früheren Studien, in denen stets Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien als Treiber des weltweite Wachstums galten. Für das laufende Jahr aber sagt die Weltbank etwas gedämpftere Wachstumsaussichten in Schwellenländern voraus.

In Brasilien rechnet die Weltbank nur noch mit einem Wachstum von 2,4 Prozent, bisher war sie von 4 Prozent ausgegangen. Chinas Wachstum soll statt bei 8 Prozent nur noch bei 7,7 Prozent liegen. Und in Indien erwartet die Weltbank nur noch 6,2 Prozent Wachstum, bisher hatte sie 6,5 Prozent vorausgesagt.

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Wenn die US-Notenbank Federal Reserve ihre Anleihekäufe im Laufe des Jahres wie versprochen nur allmählich drosselt, dürfte sich der erwartete Abwärtsdruck aus den Schwellenländern auf das globale Wachstum in Grenzen halten, so die Weltbank. Ein gesünderes Wachstum in entwickelten Volkswirtschaften würde dann die mögliche Schwäche in Schwellenländern wettmachen. In ihrem Basisszenario geht die Weltbank davon aus, dass eine allmähliche Abkehr der Fed von ihren Anleihekäufen die Kapitalströme in Schwellenländer nur wenig eindämmen wird.

"Worst Case" im Frühjahr 2014?

Die Weltbank warnt aber, dass ein zu schneller Rückzug der Fed ähnlich wilde Zustände auf den Währungs-, Aktien- und Anleihemärkten auslösen könnte, wie sie die Schwellenländer schon in den vergangen Jahren geplagt haben. Als die Fed im vergangenen Jahr ankündigte, dass sie einen allmählichen Rückzug aus dem Anleihekaufprogramm in Erwägung zieht, brach unter Anlegern schiere Aufregung aus. Kapital, das bis dahin in risikoreicheren, renditestärkeren Schwellenländern lag, floss in Strömen wieder in die USA, weil Anleger ihre Zinserwartungen anpassten.

In ihrem schlechtesten Szenario rechnet die Weltbank damit, dass die Fed ihre Anleihekäufe schon in der ersten Jahreshälfte 2014 komplett einstellt. Das könnte die amerikanischen Zinsen um einen vollen Prozentpunkt erhöhen und die Kapitalströme in Entwicklungsländer über mehrere Quartale hinweg halbieren. Für die Schwellenländer wäre das fatal.

"Jetzt ist es an der Zeit zu handeln"

Die Risiken werden am deutlichsten in jenen Entwicklungsländern ausfallen, wo kurzfristige Schulden oder Schulden aus dem Ausland einen Großteil der Gesamtschulden ausmachen oder wo Kredite in den vergangenen Jahren sehr schnell zugenommen haben", sagt die Weltbank. Volkswirte verweisen auf die Türkei und Thailand als zwei besonders anfällige Länder.

Aus diesem Grund haben Experten der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds Entwicklungsländer dazu gedrängt, ihre Währungsreserven aufzustocken, ihre Vermögensbilanzen aufzupolstern und politische Reformen anzustoßen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. "Jetzt ist es an der Zeit zu handeln", sagt Andrew Burns, der Leitautor des Berichts.

Eurozone noch nicht außer Gefahr

Weitere Risiken, die die weltweite Erholung dämpfen könnten, bergen eine lähmende politische Debatte über die Schuldenobergrenze in den USA sowie eine potenzielle Finanzkrise in China, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Dort haben Volkswirte davor gewarnt, dass Kreditausfälle im undurchsichtigen Bankensystem einen scharfen Abschwung hervorrufen könnten.

Die Weltbank warnt außerdem, dass die Eurozone mit ihrer Rückkehr zu Wachstum nach zwei Jahren der Krise noch längst nicht außer Gefahr ist. Viele Staaten der Währungsunion kämpfen noch mit einer dramatisch hohen Arbeitslosigkeit, begrenztem Zugang zu Krediten und der Angst vor fallenden Preisen.

Quelle: n-tv.de

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