Wirtschaft
In der Berliner Sammelunterkunft im ehemaligen Flughafen Tempelhof gibt es seit Januar ein spezielles Willkommen-in-Arbeit-Büro für Flüchtlinge.
In der Berliner Sammelunterkunft im ehemaligen Flughafen Tempelhof gibt es seit Januar ein spezielles Willkommen-in-Arbeit-Büro für Flüchtlinge.(Foto: imago/Christian Ditsch)

"Die erste Euphorie ist verflogen": Wenige Flüchtlinge im Job integriert

Die anfängliche Hoffnung auf eine schnelle Arbeitsmarkt-Integration von Asylbewerbern hat offenbar getrogen. Oft verhindern fehlende Deutschkenntnisse die Vermittlung. Viele Flüchtlinge landen nun erst einmal im Jobcenter - womöglich für längere Zeit.

Erst waren sie die "Fachkräfte von morgen". Inzwischen formuliert Bundesagentur-Vorstandsmitglied Raimund Becker vorsichtiger, wenn es mal wieder um die Job-Integration von Flüchtlingen geht. Schutz suchende Syrer, Iraker und Afghanen seien wohl eher die "Fachkräfte von übermorgen", räumt er heute ein.

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Sein Vorstandskollege Detlef Scheele glaubt sogar, dass erst ihre Kinder eine "gute Perspektive haben, die Fachkräfte von übermorgen zu werden". Für die älteren Flüchtlinge ab 40 werde es schwer werden, sagte er Anfang der Woche in einem Zeitungsinterview. Tatsächlich habe die Erfahrung in BA-eigenen Modellprojekten in den vergangenen Monaten erst mal für Ernüchterung gesorgt.

Vor allem die mangelnden Deutschkenntnisse vieler Flüchtlinge haben sich nach Erfahrungen der am Modellprojekt "Early Intervention" beteiligten Arbeitsagenturen als hohe Vermittlungshürden erwiesen. Entsprechend gering war die Erfolgsquote nach Projektende. Eine führende BA-Mitarbeiterin bringt es auf den Punkt: "Die Unternehmen sind zwar sehr offen, Flüchtlinge einzustellen. Inzwischen ist aber die anfängliche Euphorie verflogen. Jetzt kehrt Realismus ein". Hauptproblem sei dabei das Thema "Deutschkenntnis". "Es dauert zwei Jahre, bis Flüchtlinge einigermaßen Deutsch sprechen. Vorher braucht man über eine Vermittlung auf den Arbeitsmarkt gar nicht zu reden."

Weit mehr Hartz-IV-Empfänger

Zudem tauchten viele Probleme erst nach und nach auf, berichtet die BA-Managerin. So gebe es etwa in Halle einen Bauunternehmer, der auf einen Schlag 100 syrische junge Flüchtlinge zu Kraftfahrern ausbilden will. "Aber dann stellt sich plötzlich heraus, dass nationale Syrer mit kurdischen Syrern nicht können. Die müssen erst lernen, miteinander auszukommen".

Gemessen an den nackten Zahlen spielen Flüchtlinge auf dem deutschen Arbeitsmarkt im Vergleich zu den rund 43 Millionen Erwerbstätigen bislang noch keine allzu große Rolle. Von den im November in Deutschland lebenden 786.000 Menschen aus Kriegs- und Bürgerkriegsländern waren 90.300 arbeitslos gemeldet - im Dezember 2014 waren es 58.100. Zugleich hatten aber auch 117.800 einen Job, wie aus dem jüngsten Zuwanderungsmonitor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervorgeht.

Was sich aber inzwischen deutlich abzeichnet: Anerkannte Flüchtlinge werden, sofern sie nicht rasch einen Job finden, bald schon zur Belastung für die Jobcenter werden. Bereits im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Hartz-IV-Bezieher aus Kriegs- und Bürgerkriegsländern spürbar an: Von September 2014 bis September 2015 um 75.600 auf 266.100. Damit waren zwei von fünf der in Deutschland lebenden Afghanen, Eritreer, Iraker, Nigerianer, Pakistaner, Somalier und Syrer Hartz-IV-Empfänger. Zum Vergleich: Bei den EU-Ausländern in Deutschland traf das nur auf jeden Zehnten zu.

Bund gibt nicht genug Geld

Dabei ist die Masse der Asylbewerber in den Jobcentern noch gar nicht angekommen. Denn solange sie auf ihre Anerkennung als Flüchtlinge warten müssen, fallen sie unter das Asylbewerberleistungsgesetz. BA-Chef Frank-Jürgen Weise geht davon aus, dass die Zahl der zu betreuenden Flüchtlinge in den Jobcentern erst im zweiten Halbjahr kräftiger steigen wird. Zum Streitpunkt könnte demnächst die Finanzierungsfrage werden. Denn schon jetzt fließen aus der beitragsfinanzierten Arbeitslosenversicherung mehr zusätzliche Mittel in die Betreuung der Jobsucher aus den Krisenländern als aus dem steuerfinanzierten Bundeshaushalt, wie BA-Verwaltungsratsmitglied Wilhelm Adamy kritisiert.

So hat die Bundesagentur für dieses Jahr 350 Millionen Euro zusätzlich für die Förderungen von Flüchtlingen bereitgestellt, obwohl das überwiegend eine steuerfinanzierte Bundesaufgabe sei. Der Bund selbst habe dagegen seine Ausgaben für die Flüchtlingsförderung in den Jobcentern nur um 250 Millionen Euro aufgestockt, kritisiert der DGB-Vertreter im BA-Verwaltungsrat.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles räumt zwar ein, dass die Jobcenter mit den Flüchtlingen vor einer großen Herausforderung stünden. Allerdings seien sie dafür gut vorbereitet, widerspricht sie Kritikern. "Wir haben bereits Vieles angepackt: Wir haben Mittel und Personal aufgestockt, Barrieren beseitigt und für mehr Flexibilität gesorgt. Anderes ist auf dem Weg, etwa ein Gesetz, mit dem wir die Jobcenter besser für die anstehenden Aufgaben wappnen. Aber wir brauchen auch ein Integrationsförderungsgesetz, das weiter bürokratische Hürden abbaut."

Quelle: n-tv.de

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