Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

Die Suche nach Kweku Adoboli: Wer ist der UBS-Zocker?

von Samira Lazarovic

Kweku Adoboli sei ein Partylöwe, ein Workaholic, ein Frauenheld. Nach der Festnahme des Händlers, der bei der Schweizer Großbank UBS einen Milliardenschaden angerichtet hat, ufern die Spekulationen über den 31-Jährigen fast so sehr aus, wie die Derivategeschäfte, die dem jungen Mann über den Kopf gewachsen sind.

"Ich brauche ein Wunder", zitieren diverse Zeitungen Kweku Adobolis vermeintlich letzten Status im sozialen Netzwerk Facebook und zeigen dazu ein Foto des jungen Mannes, auf einem Sofa liegend. Doch ob es sich überhaupt um Adobolis Facebook-Seite handelt, ist mehr als unklar. Kein Eintrag, zu denen Bemerkungen wie "Oops!" gehören, ist am Freitagmittag älter als 20 Stunden und unter weiteren Informationen zur Person findet sich ein nachrichtlich anmutender Text zu der Verhaftung des UBS-Händlers und den Folgen für die Großbank. 

UBS in Schwierigkeiten

Nach der Verhandlung verlässt Kweku Adoboli lächelnd das Gerichtsgebäude. Innen soll er in Tränen ausgebrochen sein.
Nach der Verhandlung verlässt Kweku Adoboli lächelnd das Gerichtsgebäude. Innen soll er in Tränen ausgebrochen sein.(Foto: Reuters)

Die UBS wirft Kweku Adoboli vor, mit ungenehmigten Wertpapiergeschäften zwei Mrd. Dollar (1,4 Mrd. Euro) verzockt zu haben. Am Mittwoch deckte die Großbank den Verlust nach eigenen Angaben auf und informierte die Behörden. Adoboli selbst hat sich zu seinem Vergehen noch nicht öffentlich geäußert, er ist seit Donnerstagfrüh in Polizeigewahrsam. Die Polizei der City of London hat Anklage erhoben, noch am Freitag erschien Adoboli vor Gericht. Nach Augenzeugenberichten brach der Wertpapierhändler auf der Anklagebank in Tränen aus.

Neben den Betrug zum Nachteil der Bank umfasst die Anklage noch zwei Fälle von Bilanzfälschung. Einer davon stamme bereits aus dem Jahr 2008. Das Gericht entschied, Adoboli müsse zunächst bis zum 22. September in Polizeihaft bleiben. Dann es soll es eine weitere Anhörung vor Gericht geben.

Der Wertpapierhändler soll die Bank nach BBC-Angaben selbst auf die Probleme aufmerksam gemacht haben. Der UBS droht nun nicht nur ein Minusergebnis im dritten Quartal, sondern auch eine Herabstufung durch die Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's. Zudem wird spekuliert, dass UBS-Chef Oswald Grübel und der Chef der Investmentbanking-Sparte, Carsten Kengeter, wegen des Vorfalls zurücktreten könnten.

Aufstrebend, beliebt, gut gekleidet

Doch die Medien interessieren sich nicht nur für die wirtschaftlichen Folgen des UBS-Skandals, sondern vor allem auch für die Person, die ihn verursacht hat. Kollegen beschreiben Kweku Adoboli in diversen Zeitungsinterviews als aufstrebenden und beliebten Mitarbeiter, der durch seine gewählten Worte und gute Kleidung auffiel. Einem anderen Online-Netzwerk-Profil zufolge war er Chef der Abteilung Exchange Traded Funds, also für Börsenprodukte zuständig, die Aktienindizes wie den Dax abbilden. 300.000 Pfund (gut 342.000 Euro) verdiente er nach Schätzungen britischer Medien pro Jahr und habe als Junggeselle in einer teuren Wohnung im angesagten Ost-Londoner Stadtteil Shoreditch gelebt.

Dort habe Adoboli gerne Partys gefeiert und sich jedem Monat 50 bis 100 Gäste eingeladen. Nachbarn, denen die laute Musik nicht gefiel, habe er mit Champagner getröstet. Zudem sei er besessen von "materiellen Dingen und Frauen“.

Geradlinige Karriere

Weniger gut als die Gerüchte über ein "Party-Animal" passt der Lebenslauf Adobolis zu seiner Tat. Seit 2006 bei der UBS arbeitete er nach übereinstimmenden Angaben mehrerer britischer Medien im Bereich "European Equity Trading" und "Delta 1" unter John Hughes, der aus dem Skandal bereits Konsequenzen zog und seinen Hut nahm.

Im Jahr 2003 hatte Adoboli an der Universität von Nottingham seinen Bachelor in E-Commerce und Digitalwirtschaft gemacht. Seine Schulzeit verbrachte er im Internat der privaten Ackworth School, einer Quäker-Lehranstalt in West Yorkshire.

In der "Daily Mail" äußerte sich der Vater des Verdächtigen, der frühere UN-Mitarbeiter John Adoboli, bestürzt über den Vorfall: "Wir sind besorgt, denn wir sind eine anständige und hart arbeitende Familie, ebenso wie Kweku." Er wünsche sich nichts sehnlicher, als mit seinem Sohn zu sprechen, so der Vater, um herauszufinden, wie er in diese Situation kommen konnte.

Vieles an dem Fall Adoboli erinnert an Jérôme Kerviel, den jungen französischen Skandalhändler, der vor drei Jahren die Société Générale, Frankreichs zweitgrößte Bank, mit seinen Spekulationsgeschäften um knapp fünf Mrd. Euro brachte. Kerviel wurde im Herbst 2010 zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Außerdem muss er seinem früheren Arbeitgeber die verspielte Summe zurückerstatten – eine Aufgabe, die er wohl nie erfüllen kann.

Kerviel hat ein Enthüllungsbuch geschrieben, um "viele falsche Sachen, die über mich geschrieben und gesagt worden sind" richtigzustellen. Der 34-Jährige sieht sich bis heute als Opfer eines perversen Systems. Er habe einen Fehler gemacht und die Bank habe das lange zugelassen, weil sie Profit daraus gezogen habe. Vielleicht wird auch Kweku Adoboli eines Tages in einem Buch seine Sicht der Dinge darstellen.

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Quelle: n-tv.de

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