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Grün ist das WhatsApp-Logo, Blau die Farbe von Facebook.
Grün ist das WhatsApp-Logo, Blau die Farbe von Facebook.(Foto: Reuters)

"Eine ziemliche Bedrohung": WhatsApp-Deal könnte scheitern

Der Erfolg von WhatsApp beruht auf der Idee, anders zu sein: keine Werbung, keine Auswertung von Nutzerdaten. Jetzt greift ausgerechnet Facebook nach der kleinen Firma mit 450 Millionen Kunden. In Europa formiert sich Widerstand.

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Die Übernahmepläne des Online-Giganten Facebook schlagen auch auf politischer Ebene hohe Wellen. In Brüssel werden erste Stimmen laut, die eine Untersuchung durch die Wettbewerbshüter fordern. Sollte Facebook die Zweifel an einer Übernahme des Kurznachrichtendienstes WhatsApp nicht ausräumen können, wäre das 19 Milliarden Dollar schwere Vorhaben von Facebook-Chef Mark Zuckerberg womöglich zum Scheitern verurteilt.

Ernste Bedenken äußerte zum Beispiel der Europaabgeordnete Jan Philipp Albrecht: "Die EU-Kommission muss prüfen, ob sie ein wettbewerbsrechtliches Verfahren einleitet", sagte Albrecht, der für die Grünen im EU-Parlament sitzt. "Es ist offenkundig, dass Facebook und WhatsApp zusammen eine marktbeherrschende Stellung einnehmen und zu Monopolisten in Europa werden", erklärte der Rechtsexperte dem "Handelsblatt". Albrecht ist unter anderem Mitglied im Parlamentsausschuss für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres.

"Facebook und WhatsApp stellen eine ziemliche Bedrohung für ihre Konkurrenz in Europa und die Verbraucher dar": Jan Philipp Albrecht.
"Facebook und WhatsApp stellen eine ziemliche Bedrohung für ihre Konkurrenz in Europa und die Verbraucher dar": Jan Philipp Albrecht.(Foto: picture alliance / dpa)

Brüssel müsse jetzt handeln, forderte der EU-Parlamentarier. Es gebe genügend Anhaltspunkte für eine Wettbewerbsverzerrung. "Facebook und WhatsApp stellen eine ziemliche Bedrohung für ihre Konkurrenz in Europa und die Verbraucher dar", sagte Albrecht. Indirekt rief er die Verbraucher zum Boykott von Facebook und WhatsApp auf. "Wer nicht will, dass seine Daten in einer dubiosen App verschwinden, sollte auf datensichere Angebote zurückgreifen." Die Datenschutzverstöße bei Facebook und WhatsApp sind seiner Ansicht nach ein großes Problem.

"Keine Wohltätigkeitsorganisation"

Datenschützer sehen die Übernahmepläne generell kritisch. Sie fürchten, dass Facebook Nutzerdaten von WhatsApp mit dem eigenen Bestand zusammenführen könnte. Beide Unternehmen betonten allerdings, dass WhatsApp weiterhin eigenständig arbeiten werde. Experten fragen sich allerdings, welchen Nutzen der Zukauf dann für Facebook haben soll.

Wegen des hohen Kaufpreises von 19 Milliarden Dollar "kann man davon ausgehen, dass eine Kapitalisierung über die personenbezogenen Daten der Nutzer erfolgen muss", meinte der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar. Er kündigte an, seine Behörde werde dazu bei Facebook Erkundigungen einholen. Facebook unterhält eine Niederlassung in Hamburg.

Auch Verbraucherschützer äußerten sich skeptisch. "Facebook ist ja nun keine Wohltätigkeitsorganisation", sondern verfolge wirtschaftliche Interessen mit dem Kauf, sagte Carola Elbrecht, Digitalexpertin vom Verbraucherzentrale Bundesverband.

Der US-Konzern Facebook hatte Mitte der Woche nach Börsenschluss in New York mitgeteilt, den weltweit beliebten Kurzmitteilungsdienst WhatsApp für die stolze Summe von insgesamt 19 Milliarden Dollar (13,8 Milliarden Euro) übernehmen zu wollen.

"Unglaublich wertvoll"

WhatsApp ermöglicht es Nutzern, Textmitteilungen, Fotos, Videos und Audiodaten vergleichsweise kostengünstig übers Internet zu verschicken. Der Dienst hat derzeit nach eigenen Angaben 450 Millionen Nutzer weltweit. "WhatsApp ist auf dem besten Weg, eine Milliarde Menschen miteinander zu verbinden", sagte Facebook-Chef Mark Zuckerberg. "Dienste, die eine Milliarde Nutzer haben, sind unglaublich wertvoll", begründete er den hohen Kaufpreis von umgerechnet rund 14 Milliarden Euro für ein Unternehmen mit gerade einmal 50 Mitarbeitern.

Auf dem Gebiet der sozialen Netzwerke ist Facebook - ein börsenotierter Konzern, dess Geschäftsmodell im wesentlichen auf der Vermarktung von digitaler Werbung beruht - mit mehr als einer Milliarde registrierten Nutzern mit Abstand Marktführer. Die WhatsApp-Übernahme steht auch in den USA noch unter dem Vorbehalt einer wettbewerbsrechtlichen Prüfung. Erst wenn die Behörden grünes Licht geben, kann die Übernahme später im Jahr besiegelt werden.

Quelle: n-tv.de

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