Wirtschaft
Neue Technik, neue Schulden? Mehr als 1,77 Millionen junge Leute unter 30 waren der Wirtschaftsauskunftei Creditreform zufolge im vergangenen Jahr hoch verschuldet.
Neue Technik, neue Schulden? Mehr als 1,77 Millionen junge Leute unter 30 waren der Wirtschaftsauskunftei Creditreform zufolge im vergangenen Jahr hoch verschuldet.(Foto: picture alliance / dpa)

Was kostet das Leben?: Wie Jugendliche Schulden machen

Ein 22-Jähriger mit 60.000 Euro Schulden? Kein Einzelfall: Fast ein Drittel aller Schuldner in Deutschland ist jünger als 30 Jahre - Tendenz steigend. Das Leben im Minus wird immer mehr zum Normalfall. Die Gründe dafür reichen bis ins Kindesalter.

Die Mahnungen machen viele Jugendliche schon gar nicht mehr auf. Irgendwann stapeln sich die Rechnungen aus Frust und Hilflosigkeit nur noch im Schrank. Mit jeder Unterschrift reiten sich etliche Teenager in Deutschland tiefer rein - in ein Leben im Minus. Der Schuldenberg wächst - bis 20-Jährige mit Zehntausenden Euro in der Kreide stehen.

Mehr als 1,77 Millionen junge Leute unter 30 waren der Wirtschaftsauskunftei Creditreform zufolge im vergangenen Jahr hoch verschuldet. Und die Zahlen steigen. Mittlerweile ist fast ein Drittel aller Schuldner jünger als 30 Jahre. Besonders bei den 18- bis 20-Jährigen, die erstmals Verträge abschließen dürfen, locken Handys, Fitnessstudio-Abos und der schnelle Kauf im Internet. Die so entstandenen Schulden schleppen sie jahrelang mit.

Sie leisten sich zu viel

"Viele haben ein völlig verschobenes Verständnis davon, was das Leben eigentlich kostet", sagt die Vizepräsidentin des Bundesverbands Deutscher Inkasso-Unternehmen, Marion Kremer. Die Jugendlichen leisteten sich zu viel - neue Jeans, Schuhe, ausufernde Partys, ein Smartphone. Die meisten Schulden haben die Menschen unter 25 Jahren einer Verbands-Umfrage zufolge bei Mobilfunkanbietern, Online- und Versandhändlern sowie Fitnessstudios. Später haut der Bankkredit für das erste Auto rein.

Oft tappten Auszubildende in die Schuldenfalle, sagt René Lercher von KriSta, einem Beratungsprojekt für verschuldete Jugendliche. Erst fange es mit teuren Handyverträgen an. "Da muss es dann gleich das iPhone sein." Beim Einkommen eines Azubis könnten die 50 Euro monatlich für das Handy ganz schön zu Buche schlagen.

Insolvenzverfahren schon bei 10.000 Euro

Dem Überschuldungsreport des Instituts für Finanzdienstleistungen zufolge stehen verschuldete Jugendliche unter 25 Jahren im Schnitt mit 8244 Euro in der Kreide. Lercher berät vor allem Härtefälle - darunter war auch ein 22-Jähriger, der mit 60.000 Euro in den Miesen steckte. Doch selbst bei 10.000 Euro Schulden stehe ohne familiären Rückhalt und Ausbildung schon in dem Alter ein Insolvenzverfahren an, sagt der Berater.

Doch die Verlockungen des Teenager-Lebens sind nicht der einzige Grund für die Pleite. "Leider imitieren die Jugendlichen das Verhalten ihrer Eltern", hat Stephanie Schmid vom Münchner Jugendverschuldungs-Projekt "Schulschwein" beobachtet. Leben die Eltern den Konsum auf Pump vor, wird Schuldenmachen für die Kinder normal. Mahnungen erscheinen weniger bedrohlich, wenn zu Hause bei Mama und Papa immer mal wieder der Gerichtsvollzieher klingelt.

Schon lange bevor sie selbst Verträge abschließen dürften, machten diese Jugendlichen bei Verwandten und Freunden Schulden, betont Schmid. Diese tauchten aber in keiner Statistik auf. "In diesem Alter haben sich bereits viele Verhaltensweisen eingeschliffen." Prävention muss schon in der Grundschule ansetzen, wo der Gruppenzwang das erste Mal zuschlägt, betont Diana Bartl vom "Schulschwein"-Projekt. Denn schon im Grundschul-Alter gilt: Wer cool sein will, braucht das neueste Spielzeug und die richtigen Turnschuhe.

Wichtig sei, dass Kinder gerade in diesem Alter lernten, auch mal pleite zu sein, wenn sie alles Geld für Süßigkeiten ausgegeben hätten. Und, dass sie sich dann nichts borgen dürfen.

Quelle: n-tv.de

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