Wirtschaft
Hunderttausende feiern auf der Fanmeile mit Benedikt Höwedes den WM-Sieg. Die Fifa kassiert mit.
Hunderttausende feiern auf der Fanmeile mit Benedikt Höwedes den WM-Sieg. Die Fifa kassiert mit.(Foto: picture alliance / dpa)

Public Viewing auch nur Kommerz: Wie die Fifa auf der Fanmeile kassiert

Von Hannes Vogel

Deutschland feiert die Helden von Rio, Hunderttausende jubeln den Weltmeistern zu. Das Public Viewing ist ein Fan-Fest. Aber selbst dabei macht sich die Fifa die Taschen voll.

Video

Hunderttausende feiern mit der Nationalmannschaft den vierten deutschen WM-Sieg. Ohne die grandiose Fete auf der rappelvollen Fanmeile alles nur halb so schön. Denn jubeln will man am liebsten mit anderen, im Freien, mit einem Bier in der Hand. Der Fußball gehört den Zuschauern. Wenn ein Veranstalter die Spiele auf großer Leinwand zeigt und etwas daran verdient, ist allen geholfen, so könnte man meinen. Doch so einfach ist es nicht.

Denn der Weltfußballverband Fifa hat etwas gegen Fan-Feste. Jedenfalls solche, bei denen er nicht mitkassiert. Wer ein Public Viewing veranstalten will, hat im Prinzip drei Möglichkeiten, Geld zu verdienen: Er kann Bier und Würstchen verkaufen, Sponsoren werben oder Eintrittsgelder kassieren. In allen Fällen mischt die Fifa mit. Und hält die Hand auf.

Fans im Fifa-Gefängnis

Wer WM-Spiele öffentlich überträgt, muss sich strikt an die Fifa-Regeln fürs Public Viewing halten. Die lesen sich wie eine Gefängnis-Vorschrift: Die Vorführung muss mindestens 10 Minuten vor Anpfiff beginnen, Wiederholungen sind verboten, die Bilder dürfen nicht geschnitten werden. Und der Veranstalter muss bei der Fifa online eine Lizenz beantragen.

Video

Denn der Verband kontrolliert alles. Verkauft werden dürfen theoretisch Speisen und Getränke von jedem Anbieter. Aber nur, wenn die Hersteller vor Ort keine Werbung für sich machen. Denn nur die offiziellen Fifa-Sponsoren wie Coca Cola oder Budweiser dürfen bei Public Viewings ihre Logos aufstellen. Oder lokale Unternehmen, die den Fifa-Werbepartnern keine Konkurrenz machen.

Da die Grenzen naturgemäß fließend sind, müssen die Veranstalter sich alles vorab schriftlich genehmigen lassen: "Die endgültige Entscheidung darüber, ob ein Anbieter als 'lokaler' und 'nicht konkurrierender' Anbieter anzusehen ist, ist der FIFA vorbehalten", heißt es im Reglement.

Und auch beim Eintritt verdient die Fifa: Je mehr Zuschauer zu einem Public Viewing kommen, desto höher ist die Gebühr. Für 1000 Fans werden 1000 Dollar fällig, ab 20.000 Zuschauern eine Pauschale von 14.000 Dollar. Selbst Fußballvereine müssen die Gebühren an die Fifa abdrücken, wenn sie mit ihrem Fan-Fest einen gewerblichen Zweck verfolgen. Und sogar Veranstalter, die die WM-Spiele zu wohltätigen Zwecken zeigen. Nur Restaurants, Kneipen und Hotels sind von den Regeln ausgenommen - wenn sie keinen Eintritt verlangen und niemand Werbung macht. Das Nachsehen haben die Fans: Für sie steigen die Preise für Bier, Buletten oder Eintritt.

Lizenz zum Abkassieren

Die Vorschriften haben nur einen Zweck: das Fußball-Monopol der Fifa zu sichern und die Sponsoren zu schützen. Schließlich lassen die sich ihren Auftritt bei dem Turnier einiges kosten: Rund 1,4 Milliarden Dollar hat die Fifa 2013 eingenommen. 430 Millionen Dollar sind allein fürs WM-Marketing in die Verbandskassen nach Zürich geflossen. 177 Millionen Dollar haben dauerhafte Werbepartner wie Hyundai und Adidas gezahlt. 131 Millionen Dollar haben WM-Sponsoren wie McDonald’s und Continental für das Turnier in Brasilien überwiesen.

Die Fifa schwimmt buchstäblich im Geld: Rund 3,2 Milliarden Dollar hat der Verband angehäuft, 1,2 Milliarden Dollar davon liegen bar auf den Konten. Den Rest bunkert die Fifa in Finanzanlagen, vor allem in Anleihen. Allein mit ihren Investments hat sie im vergangenen Jahr 83 Millionen Dollar verdient. Aber als Non-Profit-Organisation nur 17 Millionen Dollar Steuern gezahlt.

Angesichts dieser Zahlen ist offenbar selbst die Fifa um ihre öffentliche Wirkung besorgt. An der Copacabana in Rio und in anderen Städten Brasiliens veranstaltete der Verband zur WM selbst Fan-Feste, die keinen Eintritt kosteten. Und die Eintrittsgelder, die sie in den letzten vier Wochen zur WM bei all den Public Viewings rund um den Globus eingesackt hat, will die Fifa an wohltätige Organisationen spenden.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen