Wirtschaft
Wenn Fed und EZB laut nachdenken, hören die Märkte in Frankfurt und New York genau zu.
Wenn Fed und EZB laut nachdenken, hören die Märkte in Frankfurt und New York genau zu.(Foto: REUTERS)

Kopfzerbrechen auf beiden Atlantikseiten: Wie geht es weiter mit den Zinsen?

Während die US-Notenbank Fed sich weiter mit dem Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik abmüht, denkt man bei der Europäischen Zentralbank über die Einführung von Strafzinsen für Banken-Einlagen nach. Bringt das dann die Kreditvergabe in Schwung?

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Die US-Währungshüter haben bei ihrer jüngsten Sitzung eine Strategiedebatte über den Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik geführt - haben jedoch offenbar keine Eile, den Ausstieg voranzutreiben. Die Diskussion habe sich darum gedreht, wie nach dem Beginn der geldpolitischen Straffung die Zinsen kontrolliert werden könnten, heißt es im Protokoll der jüngsten Sitzung der US-Notenbank Fed. Außerdem haben sich die Notenbanker den Kopf darüber zerbrochen, wie sie ihre Ansichten zum Zinsausblick besser kommunizieren können.

Sowohl bei der Strategie- wie auch bei der Kommunikationsdebatte seien keine Beschlüsse gefallen, heißt es in den Aufzeichnungen. Die öffentliche Debatte über die Ausstiegsstrategie der Fed hat in den jüngsten Wochen merklich an Hitze gewonnen. Die Debatte bedeute aber nicht, dass die Straffung bald komme, wurde in dem Protokoll versichert.

Stabile Lage

Die Einschätzung der Wirtschaftlage durch die Währungshüter hat sich so gut wie nicht verändert. "Bei ihrer Diskussion zur wirtschaftlichen Lage und zum Ausblick signalisierten die Teilnehmer, dass sich ihre Einschätzungen gegenüber März kaum verändert haben", hält das Protokoll fest. Nur beim Auslastungsgrad am Arbeitsmarkt schieden sich die Geister etwas.

Bei der Sitzung im April hatte die US-Notenbank die Geldflut weiter eingedämmt. Unter dem Vorsitz von Fed-Chefin Janet Yellen beschloss der Rat, die Käufe von Staats- und Hypothekentiteln um weitere 10 Milliarden auf 45 Milliarden US-Dollar pro Monat zurückzufahren.

Wegen der zusehends festeren US-Konjunktur hatte die Zentralbank im Dezember 2013 eine Abkehr von ihrer extrem lockeren Geldpolitik eingeleitet. Viele Experten erwarten, dass die Drosselung auf jeder der kommenden Sitzungen verschärft wird, bis das Programm im Oktober ausläuft. Die Finanzmärkte schauen sehr genau auf die geldpolitische Wende in den USA, denn sollte sie misslingen, könnte es zu einem Crash an den Börsen kommen.

Zinsen weltweit im Visier

Den Leitzins hält die Fed bereits seit Ende 2008 auf dem Rekordtief von null bis 0,25 Prozent. Bis Mitte 2015 rechnen die meisten Ökonomen mit einer ersten Zinserhöhung. In Europa schwebt derweil im Kampf gegen eine gefürchtete Deflation die Einführung von Negativzinsen über den Märkten.

EZB-Ratsmitglied Jens Weidmann sprach sich im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" grundsätzlich dafür aus, Geldpolitik vor allem über die Zinspolitik anstatt mit sogenannten unkonventionellen Maßnahmen zu betreiben. So könne ein Strafzins für Banken-Einlagen "unter anderem den Geldmarkt zwischen den Banken beleben und damit auch die Kreditvergabe an Unternehmen anregen", erklärte Weidmann.

Unter Berufung auf EZB-Kreise berichtete die Zeitung, die Notenbank erwäge die Einführung eines negativen Einlagensatzes von 0,1 Prozent. Weidmann betonte, dass die EZB noch keine Entscheidung über die künftige Geldpolitik getroffen hat: "Noch ist unklar, ob wir überhaupt handeln müssen", meinte der Zentralbanker mit Blick auf die nächste geldpolitische Sitzung Anfang Juni. Gleichzeitig sprach sich der Bundesbank-Chef gegen ein Wechselkurs-Ziel aus. Dies würde eine unabhängige Geldpolitik untergraben.

Quelle: n-tv.de

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