Wirtschaft
"Hab Lob und Tadel stets verteilt, kaum jemand ist mir je enteilt."
"Hab Lob und Tadel stets verteilt, kaum jemand ist mir je enteilt."(Foto: REUTERS)

Der Porsche-Star, ein Täuscher? : Wiedeking droht Haftstrafe

"Hab Lob und Tadel stets verteilt, kaum jemand ist mir je enteilt", sagt Wendelin Wiedeking 2003 über sich selbst. Der damalige Porsche-Chef gilt als Retter des Sportwagenbauers, steigert dessen Börsenwert von 0,3 Mrd. auf rund 25 Mrd. Euro. Doch dann greift er nach den Sternen, dem Volkswagen-Konzern, Europas größtem Autobauer - und das hat nun ein ernstes gerichtliches Nachspiel.

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Von der Automobilbranche hatte sich Wendelin Wiedeking eigentlich verabschiedet. Nun holt ihn die Vergangenheit ein: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat Anklage gegen den ehemaligen Porsche-Chef erhoben. Es geht um den Verdacht der Marktmanipulation im Zusammenhang mit den 2009 gescheiterten Plänen Porsches, den großen Volkswagen-Konzern zu übernehmen.

Wendelin Wiedeking - der Name des 60-jährigen promovierten Maschinenbauers wird auf ewig mit dem Geschäft verbunden bleiben, an dem er scheiterte. Hochmut warfen ihm Kritiker vor, als er 2009 das Vorhaben aufgeben musste, mit dem kleinen Porsche-Konzern den großen Autobauer Volkswagen zu übernehmen. Dabei hatte der selbstbewusste Topmanager doch über Monate für sein ambitioniertes Vorhaben gekämpft - am Ende mit unlauteren Mitteln?

Bewusste Täuschung der Finanzwelt?

Die Wirtschaftsexperten der Stuttgarter Staatsanwaltschaft gehen davon aus und werfen Wiedeking wie dessen ehemaligem Finanzvorstand Holger Härter vor, in Vorbereitung ihres Riesen-Coups bewusst die Finanzwelt getäuscht zu haben. Obwohl die Vorarbeiten für die Übernahme schon liefen, hätten beide entsprechende Pläne in der Öffentlichkeit dementiert und damit Volkswagens Börsenkurs beeinflusst, wirft ihnen die Ermittlungsbehörde vor. Damit muss sich Wiedeking erstmals ernsthaft mit dem Gedanken an einen Strafprozess anfreunden. Bei einer Verurteilung drohen Geldstrafe - bis hin zu einem Jahresnettoeinkommen - oder sogar bis zu fünf Jahre Haft.

Porsche rettet sich zu VW

Genutzt haben die angeblichen Manipulationen - sofern sie stattfanden - Porsche freilich nicht bei der Verwirklichung des ausgeklügelten Plans: Im September 2005 war Porsche bei VW eingestiegen, hatte seinen Anteil auf 51 Prozent gesteigert und peilte mittels komplizierter und teurer Aktiengeschäfte die 75-Prozent-Marke an. Damit wäre einer der größten Automobilkonzerne der Welt zum Anhängsel des ungleich kleineren Unternehmens aus Stuttgart-Zuffenhausen geworden.

Doch Porsche verhob sich, drohte am Ende von einem Schuldenberg in zweistelliger Milliardenhöhe erdrückt zu werden und musste ausgerechent von Volkswagen gerettet werden. Wiedeking und Härter mussten ihre Plätze räumen.

Zuvor hatte der gebürtige Westfale Wiedeking 16 Jahre lang die Geschicke bei Porsche geleitet und den Sportwagenbauer vom maroden Unternehmen zu einem der lukrativsten Autobauer der Welt gemacht. Mit harter Hand griff er durch und steigerte den Wert des Unternehmens von 300 Mio. Euro auf rund 25 Mrd. Euro im Jahr 2007. Als er 2003 ausgezeichnet wurde als Aachener Ritter wider den tierischen Ernst, da dichtete Wiedeking über Wiedeking stolz: "Hab Lob und Tadel stets verteilt, kaum jemand ist mir je enteilt."

Der Versuchung erlegen 

Einmischen und anecken war für den sturköpfigen Wiedeking immer ein selbst gewähltes und gerne zelebriertes Markenzeichen. Er war Klassensprecher, Personalrat an der Uni Aachen, als Maschinenbauingenieur machte er rasch Karriere. Wenn andere Autokonzerne für den Bau neuer Werke in Ostdeutschland Subventionen kassierten, hatte Wiedeking das öffentlich getadelt. Kurz vor dem ganz großen Coup war er zudem unter die Schriftsteller gegangen, hielt in dem Essay-Band "Davidprinzip" ein Plädoyer gegen einen angeblichen Fusionswahn in der Wirtschaft. Dann erlag er selbst der Versuchung.

Nach seinem Ausstieg bei Porsche tauchte der Name Wiedeking im Zusammenhang mit der Automobilbranche kaum mehr auf. Ein Mal gab es noch Gerüchte, er könne beim angeschlagenen Opel-Konzern das Zepter übernehmen, nachdem Karl-Friedrich Stracke den Chefsessel im Juli geräumt hatte. Bewahrheiten sollte sich die Spekulation nicht.

Wiedeking widmet sich mittlerweile ganz anderen Branchen: Er ist Mitglied des Aufsichtsrats einer Kommunikationsberatung, sitzt im Beirat der Sigma-Holding des umtriebigen Immobilien-Unternehmers René Benko. Zuletzt ging er Medienberichten zufolge in die Gastronomie und wirkt am Aufbau einer neuen Restaurant-Kette mit. Ungewollt wird er sich eventuell auch wieder der Auto-Branche widmen müssen: Porsche, Volkswagen und der eigenen Rolle bei seinem gescheiterten Geschäft der Geschäfte.

Quelle: n-tv.de

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