Wirtschaft
Schneestürme, Stromausfälle, leere Regale: Der Winter beutelt die US-Wirtschaft zu Jahresbeginn arg.
Schneestürme, Stromausfälle, leere Regale: Der Winter beutelt die US-Wirtschaft zu Jahresbeginn arg.(Foto: REUTERS)

Ungewöhnlich kräftige Revision: Winter zwingt US-Wirtschaft in die Knie

Eigentlich ist der dritte Ausweis des Wirtschaftswachstums ein Termin ohne Überraschungen. Doch dieses Mal werden Ökonomen auf dem völlig falschen Fuß erwischt. Der kalte Jahresbeginn hat die größte Volkswirtschaft der Welt unerwartet deutlich zurückgeworfen.

Frostiger Jahresauftakt: Die US-Wirtschaft ist im ersten Quartal noch stärker eingebrochen als zunächst angenommen. Die größte Volkswirtschaft der Welt erlitt durch eine Kältewelle im Winter den größten Rücksetzer seit dem Ende der großen Rezession vor fünf Jahren. Wie das Handelsministerium in einer dritten Veröffentlichung berichtete, schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf das Jahr hochgerechnet um 2,9 Prozent. Der tiefe Einbruch im ersten Quartal dämpft die Hoffnungen, dass die Wirtschaftserholung in den USA bald in eine höhere Gangart umschalten wird.

Bei der zweiten Veröffentlichung war ein BIP-Minus von 1,0 Prozent genannt worden war. Ökonomen hatten mit einer Bestätigung dieses Werts gerechnet. Im vierten Quartal 2013 war für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ein Zuwachs von 2,6 Prozent verzeichnet worden.

Vor allem die Konsumausgaben und die Exporte waren im ersten Quartal noch schwächer als bislang ermittelt. Die Verbraucher steigerten ihre Ausgaben nur um 1,0 Prozent, zunächst waren 3,1 Prozent genannt worden. Die Exporte sackten um 8,9 Prozent, vorläufig hatte das Minus 6,0 Prozent gelautet.

Auftragseingang sackt im Mai ab

Zugleich überraschte das Ministerium mit Daten zum Auftragseingang. Hier verbuchte die US-Industrie im Mai ein überraschendes Minus. Die Bestellungen für langlebige Güter - von Mixern bis hin zu Düsenjets - sanken laut Handelsministerium um 1,0 Prozent zum Vormonat. Ökonomen hatten mit einer Stagnation gerechnet, nachdem es im April noch ein Plus von revidiert 0,8 Prozent gegeben hatte.

Für den Ordereingang ohne den Transportbereich wurde ein Minus von 0,1 Prozent gemeldet. Bei den Bestellungen außerhalb des Rüstungsbereichs ergab sich eine Zunahme um 0,6 Prozent. Im April hatte ein großer Rüstungsauftrag über zehn neue U-Boote mit einem Wert von 17,6 Milliarden Dollar den Ordereingang gestützt. Für den Mai wurde nun ein Rückgang der Orders aus dem Rüstungssektor um fast ein Drittel gemeldet. Die Bestellungen für zivile Investitionsgüter ohne Flugzeuge, die als wichtige Messgröße für die Unternehmensausgaben gelten, kletterten um 0,7 Prozent.

"Vor dem Hintergrund der jüngsten Anstiege bei den Auftragseingängen sollte der heutige Rückgang nicht überinterpretiert werden", sagte Helaba-Analyst Johannes Jander. Unter Ausklammerung der Bestellungen im schwankungsanfälligen Transportbereich gab es im Mai nur ein leichtes Auftragsminus von 0,1 Prozent.

"Auf dem falschen Fuß erwischt"

Wie das US-Handelsministerium weiter mitteilte, stieg der als alternatives Inflationsmaß verwendete Deflator für die persönlichen Konsumausgaben (PCE) annualisiert um 1,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. An den Bond- und Devisenmärkten sorgt dies für starke Ausschläge: Während der US-Dollar auf breiter Front unter Druck gerät, sinkt die Rendite zehnjähriger US-Anleihen auf 2,529 Prozent. "Nach der  zweiten Veröffentlichung des US-BIP hat man am Markt die Erwartungen deutlich zurückgeschraubt auf nur noch 2,2 Prozent Konsumwachstum. Die wurden aber mit nur noch einem Prozent Wachstum sogar deutlich unterboten", sagte ein Beobachter.

Eine derart starke Korrektur bei der dritten "Lesung" der Wachstumszahlen sei außergewöhnlich und sorge folglich für den starken Anstieg der Volatilitäten. "Heute wurden die Märkte wirklich auf dem falschen Fuß erwischt", sagt der Beobachter. Der private Konsum trage den Großteil der US-Konjunktur.

Quelle: n-tv.de

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