Wirtschaft
Nach dem Streik ist vor dem Streik: GDL-Chef Claus Weselsky
Nach dem Streik ist vor dem Streik: GDL-Chef Claus Weselsky(Foto: picture alliance / dpa)

GDL-Chef Weselsky legt nach: "Wir sind im Erzwingungsstreik"

Bei der Deutschen Bahn rollen die Züge zwar wieder, im Tarifstreit mit der Lokführergewerkschaft GDL herrscht aber weiter Stillstand. GDL-Chef Weselsky sieht den Verkehrskonzern am Zug, ein Schlichtungsabkommen lehnt er gegenüber n-tv ab.

Auch nach dem Ende der zweiten Streikaktion deutet sich im Tarifstreit bei der Deutschen Bahn keine Entspannung an. "Es gibt kein Schlichtungsabkommen zwischen der Bahn und uns und es ist einfach noch nicht ausgefochten", sagte der Vorsitzende der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, zu n-tv. "Das, was die Bahn als Vorbedingung aufrechterhält, die Tarifeinheit in ihren Betrieben zu wollen, ist eine unhaltbare Forderung, eine unhaltbare Vorbedingung", erläuterte er und stellte klar: "Wir sind im Arbeitskampf, um diese unhaltbaren Vorbedingungen aufzubrechen. Wir sind im Erzwingungsstreik und ich glaube nicht, dass eine Schlichtung das Ergebnis bringt, was wir brauchen."

Nur noch leichte Einschränkungen

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Bahnsprecher Achim Stauß zog dagegen eine positive Bilanz. Die Bahn habe hervorragend auf den Streik der GDL reagiert, sagte er am Morgen. So habe der Ersatzfahrplan, der schon Stunden vor Streikbeginn in Kraft trat, das Schlimmste verhütet. Zu den von der Gewerkschaft erwarteten chaotischen Zuständen sei es gar nicht erst gekommen. Nach Stauß' Angaben, habe die Bahn an normalen Tagen rund 1200 Züge im Einsatz. Durch den Notfahrplan sei es gelungen, rund 400 Züge fahren zu lassen.

Der Bahnsprecher lobt auch die Reisenden selbst, die sich zumeist gut auf den Streik vorbereitet hatten und "da wo es ging, ihre Reise gar nicht erst antraten". Dennoch seien Hunderttausende auf den Bahnhöfen gestrandet. Die Bahn habe hunderte Beschäftigte als Helfer abgestellt, sodass eine Betreuung der Gestrandeten möglich gewesen sei, so Stauß. In Frankfurt sei in der Nacht sogar ein Zug als Hotel bereitgestellt worden. Im morgendlichen Berufsverkehr müsse aber noch vereinzelt mit Verspätungen und Zugausfällen gerechnet werden. Bahnreisenden riet er, sich auf der Internetseite der Bahn oder über die Servicenummer über mögliche Einschränkungen zu informieren.

Die Lokführer hatten ihren 14-stündigen Ausstand um 4.00 Uhr beendet. Durch den Streik wurde der Bahnverkehr weitgehend zum Erliegen gebracht. Zwei von drei Fernzügen fielen aus. In Mitteldeutschland kam der Regionalverkehr zum Teil zum Erliegen.

Die GDL fordert von der Bahn fünf Prozent mehr Lohn und eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit um zwei Stunden. In dem Tarifkonflikt geht es aber vor allem um einen Machtkampf zwischen der GDL und der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Sie streiten darum, wer für welche Mitarbeitergruppe die Verhandlungen führen darf. Die Bahn will konkurrierende Tarifverträge für eine Berufsgruppe vermeiden und fordert klare Zuständigkeiten.

Quelle: n-tv.de

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