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GDL-Streik kostet richtig Geld: Wirtschaft befürchtet riesigen Schaden

Die GDL legt nicht nur den Personenverkehr teilweise lahm, auch der Gütertransport ist betroffen. Entsprechend beunruhigt zeigen sich die Wirtschaftskapitäne. Vor allem die Länge des Ausstandes bereitet ihnen große Sorge.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnet wegen des anlaufenden Lokführerstreiks mit hohen Belastungen für die Wirtschaft. Sein Präsident Eric Schweitzer bezifferte die drohenden Schäden auf 500 Millionen Euro. "Lager laufen leer, die Produktion stottert, es kann sogar zu Produktionsausfällen kommen. Alles in allem drohen Streikkosten von einer halben Milliarde Euro", klagte er.

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Der Bahnstreik koste die Wirtschaft nicht nur Nerven, sondern richtig Geld. "Wenn der Streik wie angekündigt sechs Tage dauert, kommt die Lieferkette ins Stocken", befürchtet Schweitzer. Bleibt es aber bei der Streikdauer von sechs Tagen, ist das laut DIHK noch kein gravierendes Problem für Konjunktur und Wachstum.

"Selbst wenn es nach einigen Tagen zu Produktionsstörungen kommt, kann dies wieder aufgeholt werden", erklärte der DIHK-Präsident. Auf der Schiene werden nach den Zahlen des Verbandes jeden Tag Güter im Volumen von einer Million Tonnen transportiert.

Große Sorgen in der Chemiebranche

Derweil werden in der Chemieindustrie Rohstoffengpässe befürchtet. "Störungen im Schienengüterverkehr haben weitreichende Auswirkungen auf die Branche und Kunden", sagte eine Sprecherin des Verbands der Chemischen Industrie (VCI). "Wenn so ein Streik länger dauert, muss man bei Engpässen mit der Versorgung von Rohstoffen rechnen."

Der Schienengüterverkehr ist für die Chemiebranche von großer Bedeutung beim Versand von Rohstoffen, Fertig- und Zwischenprodukten. 2013 wurden nach Angaben des VCI 221 Millionen Tonnen Chemikalien in Deutschland insgesamt transportiert, davon 13,8 Prozent mit der Bahn.

Die Branche sei deshalb auf reibungslose Abläufe im Schienenverkehr angewiesen, erläuterte die VCI-Sprecherin. Für manche Stoffe ist der Transport über die Schiene gesetzlich vorgeschrieben. Kurzfristig müsse während des Streiks auf andere Transportwege wie den Binnenschiffverkehr oder per Lkw ausgewichen werden. "Für die Chemie sind alle Verkehrsträger wichtig, wenn einer wegfällt, ist das schon ein herber Schlag." Die Bahn ist für die Branche, die nach der Autoindustrie und dem Maschinenbau Deutschlands drittgrößter Industriezweig ist, das zweitwichtigste Transportmittel nach Lkw mit gut 63 Prozent.

Maschinenbauer nur in Maßen betroffen

Dagegen blicken die Maschinenbauer dem mehrtägigen Streik gelassen entgegen. "Die deutschen Maschinenbauer sind durch den Lokführerstreik nur in Maßen betroffen, da die Lieferung von Vorprodukten und Komponenten sowie der Transport der fertigen Maschinen an die Kunden in erster Linie durch Lastkraftwagen erfolgt", sagte Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands VDMA, in Frankfurt.

Einzelne Unternehmen würden den Streik im Güterverkehr in ihrer Lieferkette allerdings durchaus zu spüren bekommen: "Ebenso wird es für viele Mitarbeiter schwierig, rechtzeitig zu ihrer Arbeitsstätte zu kommen." Beziffern ließen sich die entstehenden Mehrkosten derzeit nicht.

Quelle: n-tv.de

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