Wirtschaft
Der deutschen Wirtschaft droht wegen der Euro-Krise am Jahresende eine Rezession.
Der deutschen Wirtschaft droht wegen der Euro-Krise am Jahresende eine Rezession.(Foto: picture alliance / dpa)

Euro-Absatzmärkte brechen weg: Wirtschaft droht Rezession

Aus dem Süden Europas nähert sich die Konjunkturkrise Deutschland immer bedrohlicher: Die deutsche Industrie schwächelt, bereits den fünfzehnten Monat in Folge schrumpft der Industriesektor in Europa – immer mehr Absatzmärkte für die deutschen Exporteure brechen weg. Die deutsche Wirtschaft steuert damit zum Jahresende auf eine Rezession zu.

Die Konjunkturschwäche greift von den südlichen Euro-Krisenstaaten auf Deutschland über. Die Industrie in der Währungsunion schrumpfte im Oktober bereits den 15. Monat in Folge. Blieb der Abwärtstrend zunächst auf Problemstaaten wie Spanien begrenzt, gerät selbst das lange Zeit immun wirkende Deutschland nun mit in den Abwärtsstrudel - das Bruttoinlandsprodukt könnte erstmals seit einem Jahr wieder schrumpfen.

Der Einkaufsmanagerindex für die gesamte Euro-Zone fiel um 0,7 auf 45,4 Punkte, wie eine Umfrage des Markit-Instituts unter rund 3000 Unternehmen ergab. Das Barometer blieb damit klar unter der Marke von 50 Zählern, ab der es Wachstum signalisiert. Grund für die Entwicklung war die Nachfrageschwäche im In- und Ausland. "Die Talfahrt der Euro-Zonen-Industrie hat sich zu Beginn des vierten Quartals 2012 wieder beschleunigt - das ist eine herbe Enttäuschung", sagte Markit-Ökonom Rob Dobson.

Industrie brechen Aufträge weg

Die exportabhängige deutsche Industrie bekommt die schwächere Weltkonjunktur damit immer stärker zu spüren. Ihre Geschäfte schrumpften im Oktober bereits den achten Monat in Folge: Der Einkaufsmanagerindex sank um 1,4 auf 46,0 Punkte. "Die Nachfrage auf wichtigen Exportmärkten lässt nach", begründete Markit-Ökonom Tim Moore den Abwärtstrend. Denn der Einbruch erfasste zudem mehr Länder als im Vormonat. "Holland rutschte wieder in negatives Terrain ab, und in Deutschland, Italien, Spanien, Österreich und Griechenland ging es verstärkt bergab", erklärte Markit.

Auch die Aufträge der deutschen Industrie sind im September wegen der einbrechenden Nachfrage aus den Euro-Ländern so stark gefallen wie seit einem Jahr nicht mehr. Die Bestellungen sanken um 3,3 Prozent zum Vormonat, teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit. "Das schwache wirtschaftliche Umfeld des Euroraums, aber auch der übrigen Weltwirtschaft schlägt sich mittlerweile deutlicher als im ersten Halbjahr bei der Nachfrage nach deutschen industriellen Erzeugnissen nieder", räumte das Ministerium ein. "Daher dürfte sich die Industrieproduktion in den kommenden Monaten tendenziell weiter abschwächen." Die Auslandsaufträge fielen um 4,5 Prozent. Dabei ging die Nachfrage aus der rezessionsgeplagten Euro-Zone mit 9,6 Prozent mehr als doppelt so stark zurück.

Deutscher Wirtschaft droht Rezession

Auch die deutschen Dienstleistungsfirmen haben nach einer Stabilisierung im Oktober unerwartet deutlich an Terrain verloren. Der Einkaufsmanagerindex des Sektors (PMI) fiel zum September um 1,3 Zähler auf 48,4 Punkte. Zudem notierte er den dritten Monat in Folge unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten und lag auch unter seinem Langzeit-Durchschnitt von 52,9 Zählern. Am stärksten war der Rückgang in den Bereichen Transport und Lagerhaltung, während es bei der Gastronomie als einzigem Teilbereich leicht bergauf ging.

Ein rasche Wende zum Besseren ist nicht in Sicht - im Gegenteil: Die Aufträge fielen mit dem zweitschnellsten Tempo der vergangenen dreieinhalb Jahre. "Ursache dafür ist die schwache Nachfrage aus Südeuropa sowie die geringeren Investitionen in Asien", teilte Markit mit. Die Unternehmen strichen deshalb soviele Stelle wie seit Januar 2010 nicht mehr. Der deutschen Wirtschaft droht damit im vierten Quartal ein Rückschlag. Die Bundesbank befürchtet eine Stagnation oder sogar einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes. Ein Minus hat es seit dem Höhepunkt der Finanzkrise Anfang 2009 nur einmal gegeben: Im vierten Quartal 2011 ging die Wirtschaftsleistung um 0,1 Prozent zurück.

Quelle: n-tv.de

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