Wirtschaft
Erdbeerernte im Regen: Das schlechte Wetter macht es den Bauern schwer.
Erdbeerernte im Regen: Das schlechte Wetter macht es den Bauern schwer.(Foto: dpa)

Dauerregen und Hochwasser: Wirtschaft leidet unter Wetterchaos

Die deutsche Wirtschaft leidet unter dem schlechten Wetter. Die Baufirmen können nicht arbeiten, der Einzelhandel wird seine Sommerware nicht los und die Bauern kriegen die Felder nicht bestellt. Das Hochwasser dürfte die Lage noch mal deutlich verschärfen, so musste VW schon ein Werk in Sachsen schließen.

Geflutete Baugruben, lahmgelegte Fabriken, sumpfige Ackerböden: Die deutsche Wirtschaft leidet unter Dauerregen und Hochwasser. Nachdem der lange Winter schon im ersten Quartal beinahe zu einer Rezession geführt hätte, droht wegen der Wetterkapriolen der erhoffte Frühjahrsaufschwung auszufallen. "Der Regen setzt nicht nur den Menschen in den Hochwasser-Regionen zu, sondern auch der Konjunktur", sagte der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Alexander Schumann. "Im zweiten Quartal platzt der Wachstumsknoten nicht. Die Aufholeffekte nach dem langen Winter bleiben überschaubar."

Der verregnete Frühling macht vielen Baufirmen zu schaffen. Nach Angaben des Hauptverbandes der Bauindustrie (HDB) klagten schon im Mai rund zwölf Prozent der Unternehmen über witterungsbedingte Beeinträchtigungen. "Das sind so viele wie seit mindestens 20 Jahren nicht mehr", sagte HDB-Chefvolkswirt Heiko Stiepelmann. Im Mai 2012 hätten nur zwei Prozent über das Wetter geklagt, 2011 überhaupt keine Unternehmen. Durch das Hochwasser habe sich die Lage in Bayern, Sachsen und Thüringen zugespitzt. "In den Überschwemmungsgebieten laufen die Baugruben voll", sagte Stiepelmann. Dort könne nicht gebaut werden. "Die Unternehmen haben Rekordauftragsbestände, aber sie können wegen der außergewöhnlichen Witterungsbedingungen nicht abgearbeitet werden."

ENBW schaltet Wasserkraftwerke ab

Das VW-Werk in Zwickau stellte wegen des Hochwassers in Sachsen vorübergehend die Produktion ein. Die Frühschicht sei abgesagt worden, weil Mitarbeiter wegen der Fluten nicht zur Arbeit hätten erscheinen können und der Nachschub an Teilen unklar gewesen sei, sagte ein VW-Sprecher in Wolfsburg. Das Werk selbst sei nicht überflutet. Am Wochenende seien etwa 170 Einwohner aus einer angrenzenden Gemeinde auf dem Fabrikgelände untergebracht worden, die wegen des Hochwassers aus ihren Wohnungen evakuiert wurden.

Auch der Versorger EnBW spürt die Auswirkungen des Hochwassers - vor allem in seinen Wasserkraftwerken an Rhein und Neckar. Kleinere Anlagen wie in Stuttgart seien abgeschaltet worden, bei größeren wie in Iffezheim am Oberrhein sei die Leistung "deutlich eingeschränkt", sagte ein Sprecher. Durch überflutete Trafostationen und umgestürzte Bäume seien auch das Verteilernetz sowie die Stromübertragung im Mittelspannungsnetz zum Teil beeinträchtigt. Die Schäden hielten sich noch in Grenzen.

Baumärkte leiden

Zu den Leidtragenden des nassen Frühlings gehören auch die Einzelhändler. "In den Baumärkten sind die Umsatzrückgänge spürbar", sagte der Sprecher des Branchenverbandes HDE, Kai Falk. "Sie hoffen, dass der Sommer nun endlich kommt und Rasenmäher sowie Stühle, Bänke und andere Gartenmöbel dann gekauft werden." Auch dem Textilhandel mache das verregnete Frühjahr zu schaffen. "Die Nachfrage nach den Sommerkollektionen leidet darunter", so Falk. Besonders starke Einbußen müssen die Händler in den Hochwasser-Regionen hinnehmen. "Viele Geschäfte können von den Kunden nicht mehr erreicht werden", erklärte der HDE-Sprecher. "Und viele Geschäfte sind durch die Überschwemmungen beschädigt worden."

Betroffen sind zudem die Landwirte. "Die Lage hat sich über das Wochenende verschärft", sagte Astrid Rewerts vom Deutschen Bauernband. "Für viele Kulturen ist es einfach zu nass - beispielsweise für Kartoffeln, Spargel und Erdbeeren und Getreide. Das merkt man schon am Angebot, das geringer ist als üblich." Auch die Getreidebestände würden unter den hohen Niederschlagsmengen leiden. "Außerdem ist es für die Jahreszeit zu kalt, was beispielsweise für Kartoffeln und Mais ein Problem ist." Viele Böden seien unbefahrbar, was Pflegearbeiten und Düngung verzögere.

Wie groß die Ernteausfälle sein werden, lasse sich noch nicht abschätzen. "Das hängt davon ab, wie schnell das Wasser wieder weg ist", sagte Rewerts. "Stehen Flächen längere Zeit unter Wasser, können die Pflanzen nicht mehr mit Sauerstoff versorgt werden und drohen abzusterben." Ob das die Preise nach oben treiben werde, bleibe abzuwarten. "Das hängt entscheidend auch von der Ernte in wichtigen Anbaugebieten wie etwa der Schwarzmeerregion und den USA ab", sagte Rewerts.

"Konjunktur-Bäume wachsen nicht in den Himmel"

Auch andere Branchen leiden unter dem Dauerregen. "Das spüren insbesondere Restaurants, Hotels sowie Betreiber von Schwimmbädern und von Freizeitparks", sagte DIHK-Chefvolkswirt Schumann. So schlimm einzelne Regionen in Mitleidenschaft gezogen seien, flächendeckend sei Deutschland nicht von Überschwemmungen und Unwetter betroffen. Das Bruttoinlandsprodukt werde deshalb im zweiten Quartal zulegen - "auch wenn die Konjunktur-Bäume nicht in den Himmel wachsen". Zu Jahresbeginn hatte der harte Winter dafür gesorgt, dass Deutschland nur ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent schaffte.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen