Wirtschaft
Flugzeugproduktion in der Boeing-Werft bei Seattle: Einfach anhalten lässt sich der Prozess nicht.
Flugzeugproduktion in der Boeing-Werft bei Seattle: Einfach anhalten lässt sich der Prozess nicht.(Foto: picture alliance / dpa)

Schmor-Batterien im Dreamliner: Wühlen im Boeing-Bauch

Für den US-Konzern geht es um das Geschäft, den guten Ruf und Jahre voller kostspieliger Entwicklungsarbeit: Doch nach dem Batteriebrand an Bord einer 787 zieht sich die Ursachenforschung immer weiter in die Länge. Noch immer haben die Ermittler keine heiße Spur.

Mühsame Ursachenforschung in den Resten einer Lithium-Ionen-Batterie: Materialwissenschaftler unterstützen die Unfallermittler bei der Suche nach dem Fehler.
Mühsame Ursachenforschung in den Resten einer Lithium-Ionen-Batterie: Materialwissenschaftler unterstützen die Unfallermittler bei der Suche nach dem Fehler.(Foto: AP)

Das Prestigemodell des US-amerikanischen Flugzeugbaus, der spritsparende Langstreckenflieger "Dreamliner", muss wohl noch für eine ganze Weile am Boden bleiben. Bei der Fehlersuche tappen die Ermittler der Aufsichtsbehörden offenbar weiterhin komplett im Dunklen.

Die Untersuchungen hätten noch immer nicht die Ursache für die in Brand geratene Batterie gefunden, teilte die US-Aufsichtsbehörde NTSB mit. Man sei bei den Prüfungen auf keine "offensichtlichen Normabweichungen" gestoßen. Deshalb seien weitere detaillierte Tests nötig. Damit dürfte sich die Aufhebung des Startverbots für alle der bislang ausgelieferten Maschinen vom Typ Boeing 787 weiter verzögern.

Die japanischen Behörden schlossen die Batterie-Produktion als mögliche Fehlerquelle mittlerweile aus. Bei der Überprüfung des Batterieherstellers GS Yuasa in Kyoto seien "keine ernsten Qualitäts- oder Technikprobleme gefunden worden", hieß es aus dem Verkehrsministerium in Tokio. Experten aus Japan und den USA hatten die Produktion eine Woche lang unter die Lupe genommen. Nun wollen sie einen Zulieferer für Bestandteile der Batterien prüfen.

Rauch aus dem Flugzeugbauch

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Unmittelbarer Auslöser der Untersuchungen ist ein Vorfall, der sich am 7. Januar am Logan International Airport in Boston ereignet hatte: Eine Batterie-Explosion war dort an Bord eines Dreamliners von Japan Airlines einen Brand ausgelöst.

Zuvor hatten bereits Maschinen verschiedener Fluggesellschaften Notlandungen einleiten müssen, nachdem während des Flugs die Rauchmelder angeschlagen hatten. In Japan musste ein Dreamliner der All Nippon Airways (ANA) mit einer überhitzten und rauchenden Lithium-Ionen-Batterie an Bord auf einem abgelegenen Flughafen in der Provinz evakuiert werden.

Die US-Luftverkehrsbehörde FAA hatte daraufhin angeordnet, alle Dreamliner in den USA am Boden zu lassen, bis die Ursachen für die Batterieprobleme geklärt sind.

Mit jedem Tag, an dem die Maschine nicht ihre Diensttauglichkeit in der Praxis beweisen kann, wächst für den US-Flugzeugbauer das wirtschaftliche Risiko. Die betroffenen Fluggesellschaften müssen zahlreiche Flüge ausfallen lassen, was ebenfalls nicht ohne erhebliche Mehrkosten zu bewerkstelligen ist.

Wo liegt der Fehler?

Für den Hersteller Boeing und seine Kunden reihen sich die Batterieprobleme ein in eine Pannenserie, bei der verschiedene technische Probleme des neuartigen Passagierjets zu Tage getreten waren. Unter anderem gab es Schwierigkeiten mit den Tanks, den Ölleitungen, der Elektronik und den Frontscheiben am Cockpit.

Die Auslieferung der Maschinen vom Typ 787 hat der Airbus-Konkurrent mittlerweile gestoppt. Die Produktion des Dreamliners läuft dennoch weiter.

Nach Ansicht von Luftfahrtexperten dürfte es für Boeing von entscheidender Bedeutung sein, ob sich die bislang ungeklärte Fehlerursache ohne größere Eingriffe in die Konstruktion beheben lassen wird. Sollte das nicht funktionieren, dürfte der gesamte Entwurf des Dreamliners zur Disposition stehen.

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Quelle: n-tv.de

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