Wirtschaft
Geringere Erwartungen durch gestiegene geopolitische Risiken.
Geringere Erwartungen durch gestiegene geopolitische Risiken.(Foto: picture alliance / dpa)

Ukraine-Krise verunsichert: ZEW-Index sinkt stärker als erwartet

Die explosive Lage in der Ukraine schlägt sich negativ auf die Konjunkturerwartungen der Börsianer nieder. Der ZEW-Index geht entsprechend runter. Dagegen geht der Wert für die Beurteilung der Konjunkturlage hoch.

Die Konjunkturerwartungen von Finanzanalysten und institutionellen Investoren für Deutschland haben sich im April etwas stärker als erwartet eingetrübt. Das dürfte nach Einschätzung der Konjunkturforscher vor allem am Konflikt zwischen der Ukraine und Russland liegen. Dagegen besserte sich die Beurteilung der Konjunkturlage deutlicher als erwartet.

Der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erhobene Index der Konjunkturerwartungen sank von 46,6 Punkten auf 43,2. Das war der niedrigste Stand seit August 2013. Volkswirte hatten mit einem Rückgang auf 45,0 Punkte gerechnet.

Der Index der Lagebeurteilung erhöhte sich von 51,3 auf 59,5 Punkte. Höher lag dieser Index zuletzt im Juli 2011. Erwartet worden war lediglich ein Anstieg auf 51,8.

"Der Rückgang des Erwartungssaldos ist aufgrund der gestiegenen geopolitischen Risiken und nachgebender Aktienmärkte nicht überraschend und muss zudem im Kontext der weiter gestiegenen Lagebeurteilung gesehen werden", sagte Heleba-Analyst Ulrich Wortberg. Er sieht eine positive Indikation für den in der kommenden Woche anstehenden Ifo-Index.

Reaktion von Volkswirten zum ZEW-Index

Andreas Scheuerle, Dekabank: "Die Wirtschaft in Deutschland brummt und ist damit auch ein wesentlicher Grund dafür, dass die Konjunkturerwartungen sinken. Klingt seltsam, ist aber so, denn es fehlt den Finanzmarktanalysten schlichtweg die Fantasie, dass es noch besser kommen könnte. Zu diesem Mangel an Fantasie haben sicherlich auch die schwache Konjunktur in den Schwellenländern, der starke Euro und zu einem geringeren Teil die Ukraine-Krise beigetragen. Nach einem Superquartal zu Jahresbeginn ist nun mit einem moderateren, aber immer noch ordentlichen Wirtschaftswachstum zu rechnen."

Ralph Solveen, Commerzbank: "Offensichtlich bereiten die Ereignisse in der Ukraine so manchem Börsianer Sorgen. Ob der Rückgang des ZEW-Index tatsächlich ein Anzeichen dafür ist, dass sich die Konjunktur abschwächen wird, ist aber eine andere Frage. Hier erhalten wir kommende Woche mehr Aufschluss durch den Einkaufsmanagerindex und das Ifo-Geschäftsklima, bei denen wir eine Stabilisierung erwarten. Die deutsche Konjunktur läuft ganz ordentlich, und es spricht nichts dagegen, dass sich die Erholung fortsetzen wird."

Ulrich Wortberg, Helaba: "Der Rückgang des Erwartungssaldos ist aufgrund der gestiegenen geopolitischen Risiken und nachgebender Aktienmärkte nicht überraschend und muss zudem im Kontext der weiter gestiegenen Lagebeurteilung gesehen werden. Insofern sollten keine Konjunkturzweifel aufkommen, zumal per saldo eine positive Indikation für den kommenden Ifo-Geschäftsklimaindex gegeben wird. Erwartungen weiterer geldpolitischer Lockerungsmaßnahmen seitens der EZB sollten unseres Erachtens nicht verstärkt werden."

Quelle: n-tv.de

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