Wirtschaft
So könnten spätestens ab 2017 die Zigaretten-Packungen in der EU aussehen.
So könnten spätestens ab 2017 die Zigaretten-Packungen in der EU aussehen.(Foto: picture alliance / dpa)

Schockbilder ein Jobkiller?: Zigarettenindustrie fürchtet EU-Regeln

Fotos von Raucherlungen auf Zigarettenpackungen sollen künftig EU-Bürger vom Rauchen abhalten. Die Tabakindustrie warnt vor wirtschaftlichem Schaden und dem Verlust von Arbeitsplätzen. Andere sehen jedoch positive wirtschaftliche Effekte.

Die neue EU-Tabakrichtlinie wird wohl noch in diesem Frühjahr in Kraft treten. Sie soll vor allem junge Menschen vom Einstieg in das Rauchen abhalten. Nach einer Übergangszeit könnten Anfang 2017 dann die ersten Zigaretten-Packungen mit Bildern etwa von einem verfaulten Fuß oder einer schwarzen Raucherlunge sowie deutlichen Warnhinweisen in den Regalen liegen. Auch Werbeaktionen wie etwa das Verteilen von Gratis-Zigarettenpackungen und Zigaretten mit Zusatzstoffen wie etwa Menthol werden verboten - Letztere jedoch erst ab 2020.

Doch welche wirtschaftlichen Konsequenzen werden die Warnhinweise für die Tabakindustrie haben? Auf dem Weg zur EU-Tabakrichtlinie hatten die Tabakindustrie und ihr nahestehende Interessengruppen bereits Alarm geschlagen. Vor allem vor dem Verlust von Arbeitsplätzen wurde gewarnt: In einer von Philip Morris in Auftrag gegebenen Studie war von europaweit 175.000 Jobs die Rede, die durch die neuen Richtlinie gefährdet seien. Zudem sollten rund fünf Milliarden Euro an Steuergeldern verloren gehen.

Zwar seien durch die nun von den EU-Gesetzgebern etwas entschärfte EU-Tabakrichtlinie diese Zahlen nicht mehr belastbar, sagte Philip-Morris-Sprecherin Claudia Oeking gegenüber n-tv.de. Aber das Grundproblem bleibe bestehen. Die Studie geht davon aus, dass durch ein standardisiertes Erscheinungsbild von Zigarettenpackungen - wie es der Ursprungsentwurf der Tabakrichtlinie vorsah - die Konsumenten geneigt seien, auf günstigere Marken sowie den illegalen Zigarettenmarkt auszuweichen. Auch die Richtlinie in ihrer jetzigen Form fordert, dass insgesamt 65 Prozent der Vorder- und Rückseite der Packungen mit Warnhinweisen bedeckt sein müssen. So wird es künftig schwieriger, Marken voneinander zu unterscheiden. Neue Berechnungen zu den wirtschaftlichen Konsequenzen für die Unternehmen würden derzeit angestellt und in Kürze vorgelegt, so die Philip-Morris-Sprecherin.

Weniger Tabak-Konsum könnte neue Jobs schaffen

Europaweit sind laut der Tabakindustrie rund 35.000 Menschen in der Branche beschäftigt. Allein in Deutschland sind es etwa 10.000. Der Statistikbehörde Eurostat zufolge gibt es in ganz Europa weitere 150.000 Beschäftigte im Tabakwareneinzelhandel.

Auch andere Akteure hatten im Vorfeld des Beschlusses zur EU-Tabakrichtlinie vor negativen Auswirkungen auf die Beschäftigungssituation gewarnt. Die Initiative "Entscheiden Sie selbst", eine Allianz von Herstellern, Händlern und anderen Interessenvertretern der Tabakbranche aus Deutschland, argumentierte, dass europaweit durch die Einführung der Richtlinie 26.000 Arbeitsplätze in Gefahr seien. Gewarnt wurde etwa vor Konsequenzen für Tankstellen-Betreiber, für die der Verkauf von Zigaretten ein wichtiges Standbein sei. Allein in der deutschen Zigarrenindustrie seien über 1200 Arbeitsplätze gefährdet.

Doch es gibt auch andere Ansichten, was die Auswirkungen der neuen Vorgaben für die Gestaltung von Zigaretten-Packungen auf den Arbeitsmarkt sein könnten: Die auf Gesundheitsthemen spezialisierte Agentur Matrix Insight etwa hatte eine Modellrechnung angestellt, die zu dem Schluss kam, dass die neuen Gesetze durch das Rauchen bedingte Krankheitsfälle in Europa um zwei Prozent senken könnten. Damit einher gehen könnten zwar auch Umsatzeinbußen und der Verlust von Arbeitsplätzen bei Tabak-Herstellern und -Händlern, so die Studie. Allerdings glauben die Experten an einen insgesamt eher Job-schaffenden Effekt: Das Geld, das Konsumenten weniger für Tabakwaren ausgeben, würden diese dann in andere Güter wie etwa Nahrungsmittel investieren. Dies könnte am Ende zusätzliche Arbeitsplätze schaffen - schließlich sei die Nahrungsmittelproduktion arbeitsintensiver als die Herstellung von Zigaretten.

Reemtsma sieht sich gut gewappnet

Was sich mit Blick auf die wirtschaftlichen Konsequenzen in der Vergangenheit gezeigt hat: Bereits das Rauchverbot, das seit 2007 in vielen deutschen Gaststätten gilt, hat dem Umsatz der Tabakkonzerne mit Zigaretten in Deutschland keinen Schaden zugefügt. Im Gegenteil: Laut Zahlen des Deutschen Zigarettenverbands, dessen Unternehmen rund 60 Prozent des deutschen Zigarettenmarkts repräsentieren, setzte sich zwar der Abwärtstrend bei der Zahl der verkauften Zigaretten fort - der Umsatz erhöhte sich bis 2012 aber auf mehr als 20 Milliarden Euro.

Reemtsma etwa, der nach Philip Morris zweitgrößte Zigarettenhersteller auf dem deutschen Markt, hatte für sein Geschäftsjahr 2013 ein Umsatz-Plus von mehr als drei Prozent ausgewiesen. Mehr als eine Milliarde Euro setzte der Tabak-Riese insgesamt um. Auch für die kommende EU-Tabakrichtlinie sehe sich das Unternehmen gut gewappnet, sagte Marcus Schmidt, Deutschland-Chef von Reemtsma. Er kritisierte den damaligen Entwurf zur EU-Richtlinie zwar als "aggressivsten Regulierungsfall der Wirtschaftsgeschichte". Dennoch gab Schmidt sich zuversichtlich: "In den letzten Jahren haben wir mehrfach bewiesen, wie man selbst in einem stark regulierten und relativ gesättigten Markt mit unseren Marken erfolgreich sein kann." Auch beim Branchen-Primus Philip Morris heißt es: "Ein Unternehmen von unserer Größe mit einer globalen wirtschaftlichen Tätigkeit wird die Folgen anders spüren als der kleine Händler vor Ort", so Unternehmenssprecherin Claudia Oeking.

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Quelle: n-tv.de

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