Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Milliardenschwere Kettenreaktion: Zündet Athen die CDS-Bombe?

Die Beteiligung privater Gläubiger am Schuldenschnitt könnte ein teures Nachspiel an den Märkten auslösen: Der Derivate-Verband ISDA entscheidet, ob durch den Anleihentausch Kreditausfallversicherungen fällig werden. Bisher hatten Experten für diesen Fall stets vor einem Dominoeffekt gewarnt.

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Noch ist die Beteiligung privater Gläubiger an der Finanzmisere Griechenlands nicht unter Dach und Fach, da könnte sie bereits ihre Wirkung an den Finanzmärkten entfalten: Die Derivate-Handelsorganisation ISDA wird am Donnerstag darüber entscheiden, ob der vereinbarte Schuldenschnitt als "Kredit-Ereignis" eingestuft wird. Dann nämlich würden Kreditausfallversicherungen () für griechische Staatsanleihen fällig.

Was harmlos klingt, könnte für die Finanzbranche mächtig Zündstoff bergen. Denn eine Auszahlung der CDS könnte nach Ansicht von Experten - wie nach der Lehman-Pleite 2008 erlebt - unvorhersehbare Turbulenzen an den Märkten auslösen. Wegen dieser Sorgen hatten Banken einst darauf gedrängt, die Beteiligung an einer Umschuldung Griechenlands unbedingt auf freiwilliger Basis umzusetzen. So hoffte man, ein solches Kreditereignis zu umgehen.

EZB fein raus

Ein unbekannter Marktteilnehmer hatte bei der ISDA angefragt, ob durch das von Athen beschlossene rückwirkende Gesetz zur Erlaubnis eines Zwangsschuldenschnitts Ausfallversicherungen wirksam werden. Die anonyme Anfrage will Klärung von der ISDA, ob das Gesetz die privaten Gläubiger gegenüber der Europäischen Zentralbank und den nationalen Notenbanken benachteiligt und diese verpflichtende Rangfolge der Gläubiger die CDS fällig macht.

Die Zentralbanken des Euroraums "profitieren von einer Änderung in der Rangfolge des Schuldendienstes, weil Griechenland ihnen exklusiv das Recht einräumte, ihre Anleihen vor der Einführung der 'Collective Action'-Klauseln umzutauschen", heißt es in der Anfrage.

In einem 2003 veröffentlichten Regelwerk für Kreditderivate hat die ISDA verschiedene Fälle definiert, bei denen eine Auszahlung von CDS ausgelöst wird. Einer davon ist ein Wechsel in der Rangfolge der Schuldner, die zu einer Schlechterstellung für bestimmte Anleihen führt - wenn diese Änderung von einer Verschlechterung der Kreditwürdigkeit veranlasst wird.

Der Anleihetausch der privaten Gläubiger Griechenlands, in dessen Ergebnis sie auf 53,5 Prozent des Nennwerts der bisher gehaltenen Papiere verzichten sollen, ist noch nicht durchgeführt. Die EZB hat ihre griechischen Anleihen aber bereits in solche Papiere umgetauscht, die von der nachträglichen Einführung der Zwangsklauseln nicht betroffen sind - sie erleidet also keine Verluste.

Milliardenzahlungen

Den aktuellsten Zahlen der Abwicklungsanstalt Depository Trust & Clearing zufolge stehen netto 3,2 Mrd. Dollar an CDS auf griechische Anleihen aus. Dabei sind Kontrakte, die sich gegenseitig ausgleichen, herausgerechnet. Insgesamt sollen Versicherungen für knapp 70 Mrd. US-Dollar im Umlauf sein.

Werden diese CDS ausgelöst, dann werden also maximal 3,2 Mrd. Dollar den Eigentümer wechseln. Käufer der Versicherung erhalten dann den Nennwert ihrer Anleihe abzüglich des Restwerts. Zu Wochenbeginn wurden griechische Anleihen zu 26 Prozent ihres Nominalwerts gehandelt, was sich aus der Rekordprämie der CDS ergibt.

Für Otis Casey, Analyst bei Markit, spiegelt sich darin die Annahme der Investoren, dass selbst nach Schuldentausch und neuen Hilfsgeldern die Gemeinschaftsklauseln genutzt werden und damit ein CDS-auslösendes Ereignis gesetzt wird. "Die Leute glauben kaum, dass die freiwillige Beteiligung hoch genug sein wird", sagt er.

Quelle: n-tv.de

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