Wirtschaft
Die neuen EU-Leitlinien sollen Wildwuchs verhindern: Sobald privates Geld für den Betrieb fließt, kann Zweibrücken weiter angeflogen werden.
Die neuen EU-Leitlinien sollen Wildwuchs verhindern: Sobald privates Geld für den Betrieb fließt, kann Zweibrücken weiter angeflogen werden.(Foto: picture alliance / dpa)

Keine Subventionen, kein Investor: Zweibrücken stellt Flugbetrieb ein

Nun ist es Gewissheit. Der Verkehrsflughafen Zweibrücken muss seinen Betrieb erst einmal einstellen. Der Insolvenzverwalter schickt den Airport in die "Winterruhe" - lässt sich und dem Standort aber noch ein Türchen offen.

Die Entscheidung ist gefallen: Der Betrieb des angeschlagenen Flughafens Zweibrücken (IATA-Code: ZQW) wird mangels Geldgebern in wenigen Tagen auf Eis gelegt. Insolvenzverwalter Jan Markus Plathner sprach von einer "Winterruhe", die von kommenden Dienstag (4. November) an gilt.

Ein Großteil der 100 verbliebenen Mitarbeiter wird freigestellt. Zugleich sollen aber die Gespräche mit potenziellen Investoren weitergehen. "Von deren Ausgang wird der weitere Verlauf maßgeblich abhängen", sagte Plathner laut Mitteilung bei einer Betriebsversammlung. Auch nach dem 4. November sollen noch Flüge möglich sein, wenn Geld da ist, um den Betrieb zu bezahlen.

Zu nah dran am Saarland

Der defizitäre Flughafen hatte im Juli Insolvenzantrag gestellt. Er muss nach dem Willen der EU-Kommission 47 Millionen Euro an unrechtmäßigen Staatsbeihilfen zurückzahlen, kann das Geld dafür aber nicht aufbringen. Außerdem verbieten neue EU-Leitlinien Subventionen für zwei Airports, die weniger als 100 Kilometer auseinanderliegen.

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Damit hat der rheinland-pfälzische Flughafenstandort Zweibrücken klar gegen den Flughafen Saarbrücken im benachbarten Saarland verloren. Der Abstand zwischen den beiden Anlagen beträgt rund 30 Kilometer oder gut eine halbe Stunde mit dem Auto.

"Wir haben keine andere Wahl"

Nach Angaben des Flughafenverbandes ADV ist es das erste Mal überhaupt, dass ein Airport in Deutschland aus diesen Gründen in seiner Existenz bedroht ist. Für eine Weiterbeschäftigung der freigestellten Mitarbeiter oder eine Transfergesellschaft fehlten die Mittel beziehungsweise die finanzielle Unterstützung, sagte Plathner. "Wir haben deshalb keine andere Wahl, als die Mitarbeiter freizustellen."

Die Entscheidung sei in enger Abstimmung mit dem Betriebsrat getroffen worden. Zu den Gesprächen mit potenziellen Geldgebern sagte er, die Frist zur Abgabe verbindlicher Angebote laufe noch. Die Vorstellungen der verschiedenen Interessenten reichten von der Fortführung eines Flughafenbetriebs bis zur Stilllegung und anderweitigen Nutzung des Geländes.

Tuifly bezahlt für Flüge

Der Flughafenbetrieb kann nur dank einer Finanzspritze des Touristikfliegers Tuifly bis Anfang November aufrechterhalten werden. Plathner hatte sich deshalb noch im Oktober mit potenziellen Investoren einigen wollen. Zugleich hatte er am Airport ansässige Firmen um 110.000 Euro gebeten, um im November weitermachen zu können - falls kein Investor anbeißt.

Eine Pleite könnte Schätzungen zufolge bis zu 240 Stellen betreffen - 120 beim Flughafen, die übrigen bei ansässigen Dienstleistern und anderen Firmen mit Airport-Bezug. Nach früheren Angaben von Airport-Sprecher Franz-Rudolf Ubach haben sich viele Mitarbeiter schon anderweitig umgesehen, mancher sei auch schon fündig geworden. Ubach war am Abend ebenso wie der Betriebsrat nicht zu erreichen.

Quelle: n-tv.de

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