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Jobfaktor und Wirtschaftsmotor: Deutschlands Flughäfen

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Flugplatz ist nicht gleich Flugplatz: Der Gesetzgeber kennt zum Beispiel Sonderlandeplätze, Einrichtungen für den Segelflug, Verkehrslandeplätze und Verkehrsflughäfen. (Foto: picture alliance / dpa)

Flugplatz ist nicht gleich Flugplatz: Der Gesetzgeber kennt zum Beispiel Sonderlandeplätze, Einrichtungen für den Segelflug, Verkehrslandeplätze und Verkehrsflughäfen.

Flugplatz ist nicht gleich Flugplatz: Der Gesetzgeber kennt zum Beispiel Sonderlandeplätze, Einrichtungen für den Segelflug, Verkehrslandeplätze und Verkehrsflughäfen.

Von einfachen Landeplätzen unterscheiden sich Verkehrsflughäfen in erster Linie durch ihre Größe, die Zahl der Flugbewegungen, den Ausbauzustand von Landebahn und Passagierabfertigung sowie die technische Ausrüstung für den Instrumentenflug.

Für Flughäfen gelten zudem besondere Lärmschutzregeln, Bauvorgaben und strenge Sicherheitsvorschriften.

Deutschland ist überzogen von einem dichten Netz aus Rollfeldern, Landeplätzen, Pisten und Flughäfen. Nicht alle davon haben überregionale Bedeutung.

Die Mehrheit der deutschen Airports entfällt in die Kategorie der Regionalflughäfen. Daneben stehen für Privatflieger, Hubschrauber und Businessjets zahlreiche Verkehrs- oder Sonderlandeplätze zur Verfügung.

Deutschlands bekanntester Sonderlandeplatz dürfte in Hamburg-Finkenwerder an der Elbe liegen.

Über diesen Werksflugplatz am Standort Hamburg wickelt der Flugzeugbauer Airbus einen Großteil seiner Logistik ab. Einige Baureihen starten von hier aus zu ihrem Jungfernflug.

Die A380, der viermotorige Riesenjet des Konzerns, landet in Hamburg-Finkenwerder zum Lackieren.

Gute Chancen auf den Titel "Deutschlands bekanntester Regionalflughafen" hat Frankfurt-Hahn.

Am einstigen Militärflugplatz im Hunsrück gut 100 Kilometer westlich von Frankfurt bestehen im Gegensatz zu den metropolennahen Drehkreuzen keine Nachtflugbeschränkungen.

Ein Flugbetrieb rund um die Uhr, viel Platz und die niedrigen Gebühren locken Luftfrachtunternehmen - und vor allem Billigflieger.

Insgesamt sind in Deutschland 39 Flugplätze als Verkehrsflughafen zugelassen. Nach der Definition der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) gibt es 23 Internationale Verkehrsflughäfen.

Davon verzeichnen nur 16 Flughäfen ein ausreichendes Passagieraufkommen, um sich im Rahmen dieser Aufstellung als internationaler Großflughafen zu qualifizieren.

Abgesehen von diesen 16 bieten weitere Airports internationale Verbindungen an - wie zum Beispiel Flüge nach Mallorca oder in andere Urlaubsregionen ab Weeze, Hof-Plauen, Karlsruhe oder Rostock-Laage.

Die Bedeutung eines Flughafens lässt sich am besten über die sogenannten IFR-Starts und -Landungen erfassen. Sie geben eine gute Vergleichsgröße ab. IFR steht dabei für Instrument Flight Rules (etwa: Regeln für den Instrumentenflug).

Gemeint sind damit praktisch alle Flüge, die über die reine Hobby- und Sportfliegerei hinausgehen. Hier fliegt der Pilot nicht mehr nur nach Sicht, sondern nach Flugplan, Toweranweisung, Radar und anderen elektronischen Orientierungssignalen.

IFR-Flüge müssen bei der Flugsicherung angemeldet werden. Die Lotsen der Deutsche Flugsicherung (DFS) führen Buch und zählen genau mit.

Gemessen an der Zahl der Flugbewegungen im Jahr 2009 lässt sich damit eine klare Rangfolge aufstellen. Auf Platz 16 der deutschen Flughäfen:

Erfurt, internationales Kürzel: ERF. Mit gut 7000 Starts und Landungen im Jahr 2009 zählt das Luftdrehkreuz Thüringens zu den eher stilleren deutschen Airports.

Genügend Platz für schwere Maschinen und hohen Besuch ist reichlich vorhanden: Im Sommer 2009 macht hier die Maschine von US-Präsident Barack Obama Station.

"Ab Erfurt" gehen Linien- und Charterflüge in eine Reihe europäischer Metropolen. Flüge via München verbinden Thüringen mit der weiten Welt. Nicht nur für Unternehmer gilt der Flughafen damit als wichtiger Standortfaktor.

Nicht viel anders verhält es sich im Saarland: Der Flughafen Saarbrücken kommt im vergangenen Jahr auf rund 13.500 Starts und Landungen.

Auch wenn Obama hier noch nicht gelandet ist, geht das Passagieraufkommen nach dem Rekordjahr 2008 von 517.900 nur auf rund 470.000 Flugreisende zurück - und bleibt damit im Bereich des langjährigen Durchschnitts.

Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin bedient von Saarbrücken aus (IATA-Code SCN) unter anderem Strecken nach Luxemburg, Moskau, Hamburg, Oslo, München, Madrid oder Berlin.

Große Bedeutung für eine gesamte Region messen die Verantwortlichen auch dem Flughafen Münster Osnabrück bei. Im Logo prangt das Attribut "International Airport".

Der Flughafen gedeiht dank seiner Lage nördlich des Ruhrgebiets und profitiert zunehmend auch von der Nähe zu den Niederlanden. Im Einzugsbereich von FMO, wie der Airport im IATA-Code heißt, leben nach Betreiberangaben sieben Millionen Menschen.

Für das Jahr 2009 verzeichnet die Flugsicherung in Münster Osnabrück 26.900 Starts und Landungen. Damit liegt FMO nur knapp hinter ...

... dem Flughafen Dresden, der auf rund 27.800 Flugbewegungen kommt.

Von "Dresden International" (IATA: DRS) aus gibt es unter anderem Direktverbindungen nach Zürich, Mailand, Madrid, Rom, Antalya und Moskau.

"Wir betrachten das zusammenwachsende und sich nach Osten ausdehnende Europa als primäres Wirkungsgebiet", beschreibt der Betreiber, die Flughafen Dresden GmbH, ihre Strategie für die Zukunft.

Rund 3000 Menschen sind direkt am Flughafen direkt beschäftigt: Tausende weitere Arbeitsplätze stellt die Halbleiterindustrie, die sich im Umfeld des Flughafens angesiedelt hat. In Dresden spricht man von einer "Hochburg der sächsischen Wirtschaft".

In Bremen (IATA: BRE, rund 37.200 Flugbewegungen) wirbt der Betreiber des "City Airports" mit dem hübschen Motto: "Näher dran - schneller weg!"

Im Linienverkehr verbinden fünf Airlines die Freie Hansestadt Bremen mit Geschäftszentren wie Amsterdam, Brüssel, Frankfurt, Kopenhagen, London, München, Paris, Stuttgart, Toulouse oder Zürich.

Der Flughafen Leipzig/Halle positioniert sich dagegen mit einem Schwerpunkt auf dem Frachtgeschäft als Logistikstützpunkt.

Unter dem Dach der Mitteldeutschen Airport Holding - die über eine Tochter auch Dresden International betreibt - verzeichnet der Flughafen Leipzig/Halle (LEJ) im vergangenen Jahr 58.900 Flugbewegungen - und damit deutlich mehr als Erfurt, Saarbrücken und Münster/Osnabrück zusammen.

Einen wichtigen Beitrag zum regen Betrieb liefert die Post-Tochter DHL, die hier einen der drei wichtigsten Verteilerzentren in ihrem weltweiten Logistiknetz unterhält.

Beim Flughafen Leipzig/Halle selbst stehen mehr als 4400 Menschen in Lohn und Brot.

Durch das DHL-Luftverteilungszentrum kommen nach Angaben der DHL-Mutter Deutsche Post noch einmal rund 3500 Stellen dazu.

Positive Effekte auf den Arbeitsmarkt erhofft sich auch die Region Nürnberg von ihrem Flughafen im Norden der altehrwürdigen mittelfränkischen Messe- und Handelsstadt.

Am Airport Nürnberg (NUE) verfolgen die Lotsen vergangenes Jahr 61.500 Flugbewegungen. In der Rangfolge der wichtigsten deutschen Flughäfen reicht das für Platz 10.

Von Nürnberg aus sind 60 Reiseziele über Nonstop-Verbindungen zu erreichen. Der wichtigsten Flugplatz Nordbayerns nach Hof-Plauen stellt mehr als 4000 Arbeitsplätze.

Platz neun in der Rangfolge der wichtigsten deutschen Flughäfen geht an Berlin-Schönefeld (SXF) mit 67.800 Starts und Landungen.

Nach der Schließung von Tempelhof (THF) im Herbst 2008 ist der Weg frei für einen neuen Großflughafen im Südosten der deutschen Hauptstadt: Schönefeld wird bald gewaltig wachsen.

Geplant unter dem Namen Berlin Brandenburg International (BBI) soll der neue "Hauptstadt-Airport" künftig ...

... den Namen "Flughafen Berlin Brandenburg - Willy Brandt" tragen.

Noch wird an "Willy Brandt" gebaut: Bis die neuen Pisten, Bahnanschluss und Terminals in Schönefeld fertig sind, überflügelt Hannover-Langenhagen die Berliner um einige Längen.

Hannover Airport (HAJ) kommt 2009 auf 68.900 Flugbewegungen - gut 1100 Starts und Landungen pro Jahr mehr als in Schönefeld.

Nach Angaben des Betreibers, der Flughafen Hannover-Langenhagen GmbH, sind rund 8800 Menschen am Airport unmittelbar beschäftigt - bundesweit sollen es sogar 30.000 Arbeitsplätze sein, die direkt vom wirtschaftlichen Erfolg des Flughafens abhängen.

Wo geflogen wird, geben Menschen Geld aus: Die Vermietung von Verkaufs- und Gastronomieflächen im Umfeld der Abfertigung zählt längst zu den Haupteinnahmequellen eines Flughafens.

Allein in Stuttgart rechnet der Betreiber - ein Gemeinschaftsunternehmen der Stadt Stuttgart und des Landes Baden-Württemberg - pro Jahr mit fast neun Millionen Fluggästen.

Dazu kommen noch Besucher, Reisebegleiter, Angehörige und Airline-Mitarbeiter, die mehr oder weniger freiwillig viel Zeit am Flughafen verbringen.

Rund 129.300 Flugbewegungen im Jahr machen den Flughafen Stuttgart (STR) zum siebtgrößten deutschen Airport.

Auf Platz 6 folgt der Flughafen Köln/Bonn mit 132.500 Flugbewegungen und insgesamt rund 12.500 Beschäftigten, die für 135 verschiedene Betriebe und Behörden arbeiten.

Nach Angaben des Betreibers nehmen jährlich mehr als zehn Millionen Passagiere einen Flug über Köln-Bonn - den "Flughafen der kurzen Wege".

Im Frachtverkehr schneidet CGN, wie der Flughafen im IATA-Code genannt wird, noch besser ab: Mit einem Güterumschlag von 590.000 Tonnen pro Jahr sieht sich die Flughafen Köln/Bonn GmbH direkt hinter Frankfurt auf Platz 2.

Noch mehr Gäste als die Kölner begrüßt allerdings der Flughafen im Hamburger Stadtteil Fuhlsbüttel rund acht Kilometer nordwestlich der Binnenalster.

Die gut 148.400 Starts und Landungen verbinden Hamburg Airport (HAM) - abgesehen von den üblichen innerdeutschen Strecken - per Direktflug mit so unterschiedlichen Städten wie Toronto, Teheran oder New York City.

Wie an vielen deutschen Flughäfen gelten auch in Hamburg strenge Nachtflugbeschränkungen: Die Behörden versuchen damit, die Lärmbelästigung für Anwohner zu begrenzen. Die Fluggesellschaft drängeln sich um freie Startplätze, die sogenannten Slots.

Als ein Meilenstein im Flughafenbau der sechziger Jahre gilt Berlin-Tegel (TXL), dem viertgrößten deutschen Flughafen: Kenner wissen, dass hier mit gmp dasselbe Architektenbüro am Werke war, aus dem auch die Pläne für den Berliner Hauptbahnhof stammen. Für Tegel weist die Deutsche Flugsicherung 155.100 Flugbewegungen aus.

Tegel ist der größte der einstmals drei Berliner Flughäfen - stets weit vor Tempelhof und immer auch vor Schönefeld: 2009 steigen in TXL knapp 21 Millionen Passagiere ein, aus oder um. Auch die Regierungsmaschinen mit Ministern, Beamten und Kanzlerin heben von hier aus ab.

Doch das Schicksal von Tegel ist besiegelt: Sobald die Bauarbeiten an "Willy Brandt" abgeschlossen sind, wird "Otto Lilienthal" für immer geschlossen.

Der drittgrößte deutsche Flughafen liegt tief im Westen: Düsseldorf International (DUS) verzeichnet 213.400 Flugbewegungen.

Der "Airport für Nordrhein-Westfalen" bezeichnet sich selbst etwas verspielt als "kleine Stadt, nur ohne Einwohner" - dafür aber mit Unmengen an Besuchern. 2009 zählt man in Düsseldorf rund 17 Millionen Fluggäste. Anscheindend starten hier im Durchschnitt kleinere Maschinen als in Tegel.

Als einer der wichtigsten Arbeitgeber der Region ernährt der Airport direkt rund 17.500 Menschen und deren Familien. "Damit gibt der Düsseldorfer Flughafen erhebliche Beschäftigungsimpulse für ganz NRW", betont der Betreiber.

Den Ehrentitel des zweitgrößten deutschen Flughafens führt MUC: ...

... Der Flughafen München. "Franz Josef Strauß" kommt auf 393.700 Starts und Landungen. Damit geht es im Süden Deutschlands ein bisschen lebhafter zu als in Düsseldorf und Tegel zusammen.

Vor allem die Fernverbindungen machen München attraktiv: Fast 33 Millionen Passagiere ziehen 2009 ihre Trolleys durch die Hallen im Erdinger Moos fast 30 Kilometer nordöstlich der bayerischen Landeshauptstadt.

In den vergangenen Jahren stieg der zivile Flugverkehr nahezu ungehemmt an - eine Entwicklung, von der die meisten deutschen Airports profitieren. Allein in München haben sich die Passagierzahlen zwischen 1995 und 2009 mehr als verdoppelt.

Die Lufthansa nutzt München als zweites internationales Drehkreuz nach ...

... Frankfurt am Main, dem mit Abstand größten deutschen Airport, wo es mit 462.900 Starts und Landungen pro Jahr immer enger zugeht.

Der Flughafen Frankfurt am Main (FRA) liegt rund zwölf Kilometer von der Frankfurt Innenstadt entfernt und zieht im Jahr 2009 rund 51 Millionen Passagiere an - grob überschlagen bedient Frankfurt damit ein Drittel aller Flugreisenden im deutschen Luftverkehr insgesamt.

Mehr als 1250 Starts und Landungen am Tag verbinden den wichtigsten deutschen Flughafen mit 265 verschiedenen Flugzielen in 109 Ländern.

Betreiber ist die im MDax notierten Fraport AG. Ihren Angaben zufolge gehen von Frankfurt aus pro Jahr 1,8 Mio. Tonnen Güter in die Luft. Der Frachtbereich in Frankfurt, die sogenannte Cargocity, zählt zu den größten Luftfrachtzentren der Welt.

Um den Airport herum hat sich über die Jahre ein gigantischer Wirtschaftskomplex gebildet: In, am und für den Frankfurter Flughafen arbeiten unmittelbar etwa 71.000 Menschen. Knapp 19.000 davon sind direkt bei Fraport oder einer der Tochtergesellschaften angestellt.

Die Bedeutung als Wirtschaftsfaktor für Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet ist enorm: Fraport bezeichnet den Flughafen als "größte lokale Arbeitsstätte Deutschlands" - der Flughafenverband ADV spricht etwas plastischer vom "größten zusammenhängenden Arbeitsplatz" des Landes.

Den Berechnungen des Verbands zufolge hängen in Deutschland insgesamt rund 850.000 Arbeitsplätze von der Luftverkehrsbranche ab - gut 100.000 mehr als Beschäftigte in der Automobilindustrie.

Quellen: ADV, DFS, Eurocontrol, Luftfahrtbundesamt, Destatis, VDA/Text: Martin Morcinek

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