Wirtschaft
Der befürchtete Massenansturm auf Zyperns Banken bleibt zunächst aus: Vor den Banken drängeln sich mehr Reporter als Anleger.
Der befürchtete Massenansturm auf Zyperns Banken bleibt zunächst aus: Vor den Banken drängeln sich mehr Reporter als Anleger.(Foto: picture alliance / dpa)

Harte Kontrollen, geheime Transporte: Zypern-Bankensturm bleibt aus

Erstmals seit zwei Wochen öffnen die Banken auf Zypern wieder. Der befürchtete Massenansturm bleibt zunächst aus. Denn es gelten strikte Abhebelimits – und die Europäische Zentralbank hat die Geldspeicher der Mittelmeerinsel in einer Nacht- und Nebelaktion kurz vorher kräftig aufgefüllt.

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Im pleitebedrohten Zypern sind die Banken wieder geöffnet worden. Nach fast zwei Wochen konnten die Zyprer erstmals wieder Bankgeschäfte in den Filialen erledigen. Vor den Zweigstellen in der Hauptstadt Nikosia warteten Menschen ungeduldig auf Einlass. Dank der Warnungen, die seit Stunden im Radio und im Fernsehen ausgestrahlt werden, blieb ein Massenansturm auf die Banken aber zunächst aus. Seit Mitte März war die Bargeldversorgung nur noch an Geldautomaten möglich. Andere Bankgeschäfte ruhten.

"Alles läuft gut. Ich bin zufrieden", sagte der zyprische Abgeordnete Prodoromos Prodromou. Der Politiker stand auf dem zentralen Eleftherias-Platz im Zentrum Nikosias, um die Öffnung der Banken zu beobachten. In einem Bericht des staatlichen Fernsehens (RIK) hieß es: "Wenn das so weiter geht, dann werden wir sagen können: Alles nach Plan gelaufen." Die Filialleiter der Banken standen in den meisten Fällen vor den Bankeingängen und ließen die Kunden in kleineren Gruppen in die Banken. "Kein Zwischenfall" sagte ein Filialleiter der Bank of Cyprus im Zentrum Nikosias.

Polizeistreifen zeigen seit den frühen Morgenstunden in der Innenstadt Präsenz und fahren von Bank zu Bank. Zusätzlich waren vor den Türen der Banken private Sicherheitsdienste im Einsatz. Im Fernsehen wurde berichtet, die Bankkunden sollten in Gruppen von zehn Personen eingelassen werden, um Tumulte zu verhindern.

EZB versorgt Zypern mit frischem Bargeld

Harte Regeln der Notenbank sollen verhindern, dass die Banken sofort nach Öffnung ausbluten, weil Sparer aus Angst vor der geplanten Zwangsabgabe auf Einlagen über 100.000 Euro zur Sanierung des Bankensektors ihr Geld abziehen. Pro Person und Konto dürfen die Zyprer maximal 300 Euro pro Tag abheben. Daueraufträge für die Zahlung von Löhnen über das Online-Bankingsystem werden wieder erlaubt.

Auslandsüberweisungen und Zahlungen mit Kreditkarten im Ausland pro Person und Bank sind zunächst auf 5000 Euro pro Monat beschränkt. Für Überweisungen bis zu 200.000 Euro ist eine Genehmigung der Zentralbank notwendig. Pro Auslandsreise dürfen die Zyprer maximal 1000 Euro Bargeld mit sich führen. Festgeldanlagen dürfen nicht vorzeitig gekündigt werden.

Die zyprische Zentralbank war laut Medienberichten am Vortag von der Europäischen Zentralbank mit fünf Mrd. Euro frischem Bargeld ausgestattet worden. Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen waren in der Nacht Lastwagen mit frischen Bargeldbeständen auf den Hof der Zentralbank in Nikosia gerollt. Ein Hubschrauber kreiste über dem Gebäude, während bewaffnete Polizisten vor dem Gebäude patrouillierten.

Quelle: n-tv.de

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