Wirtschaft
dapd blickt auf eine bewegende Geschichte zurück, was vor allem an den Vorgängeragenturen ddp und ADN liegt.
dapd blickt auf eine bewegende Geschichte zurück, was vor allem an den Vorgängeragenturen ddp und ADN liegt.(Foto: Reuters)

Keine Rettung für Nachrichtenagentur: dapd sendet nicht mehr

Nach dem Aus der "Financial Times Deutschland" beklagt die deutsche Medienlandschaft das Ende eines weiteren großen Unternehmens: Die Nachrichtenagentur dapd, seit Oktober 2012 in der Insolvenz, stellt ihren Dienst ein. Sie war Hauptkonkurrent der dpa. Für den Deutschen Journalistenverband sind "Finanzhasardeure" für das Ende verantwortlich.

Die insolvente Nachrichtenagentur dapd hat aufgegeben. Nach monatelangem Ringen um eine Sanierung stellte das Unternehmen seinen Betrieb ein, wie Insolvenzverwalterin Petra Hilgers mitteilte. Damit verschwindet nach dem Aus der "Financial Times Deutschland" das zweite große Unternehmen binnen vier Monaten vom deutschen Medienmarkt. Das Ende von dapd kam schleichend, nachdem die Finanzinvestoren Peter Löw und Martin Vorderwülbecke der verlustreichen Agentur im Oktober den Geldhahn zugedreht hatten. Die beiden hatten einst das Ziel verkündet, mit dapd den Marktführer dpa anzugreifen und verzichtbar zu machen.

"Die Verhandlungen über die Sanierung der dapd Nachrichtenagentur Beteiligungs GmbH scheinen gescheitert", erklärte Hilgers. Letzte Hoffnung für das Berliner Unternehmen war die staatliche russische Nachrichtenagentur RIA Novosti. Sie hatte am Dienstag die Gespräche abgebrochen, weil sie von oben kein grünes Licht erhalten hatte, sich an der Sanierung zu beteiligen. Geld zum Ausgleich der Verluste von dapd ließ sich nicht mehr auftreiben. "Zwar besteht immer noch die Chance, dass RIA Novosti eine positive Entscheidung fällt", erklärte Hilgers. "Die Verhandlungsdauer ist aber unbestimmt und die Wahrscheinlichkeit einer positiven Entscheidung nicht einschätzbar."

Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes, Michael Konken, nannte die Entscheidung der Insolvenzverwalterin eine "Katastrophe für die Redakteure und freien Journalistinnen und Journalisten von dapd". Das Unternehmen beschäftigte zuletzt 175 feste und zahlreiche freie Mitarbeiter. Die Festangestellten erhalten noch für April Insolvenzgeld. "Das dapd-Aus ist absolut bitter und wäre zu vermeiden gewesen, wenn das Unternehmen nicht in die Hände von Finanzhasardeuren geraten wäre", schimpfte die Bundesgeschäftsführerin der zu Verdi gehörden Journalistengewerkschaft dju, Cornelia Haß.

42 Jahre Qualitätsjournalismus

Die dapd blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Die Vorläuferagentur ddp ging 1971 aus dem deutschen Dienst der US-Nachrichtenagentur UPI hervor, die sich damals aus der Bundesrepublik zurückzog. Später fusionierte ddp mit der ehemaligen DDR-Agentur ADN. 2009 übernahm ddp den deutschen Dienst der US-Agentur AP und benannte sich in dapd um.

Eigner von ddp waren im Laufe der Jahre unter anderem der Wirtschaftspublizist Bolko Hoffmann und der deutschen Medienmogul Leo Kirch. 2004 stiegen die Investoren Löw und Vorderwülbecke mit ihrer Gesellschaft Arques ein. Sie steckten viel Geld in die Expansion und machten durch einen aggressiven Kurs gegenüber des Rivalen dpa von sich reden. Nach dem Rückzug der beiden Investoren übernahm zum 1. Februar dieses Jahres der Journalist Ulrich Ende dapd. Er wurde aber nach eigenen Angaben von Partner-Investoren im Stich gelassen. Die Nachrichtenagentur ging in ihrer 42-jährigen Geschichte insgesamt viermal pleite.

Drei von fünf

Der deutsche Nachrichtenagentur-Markt gilt als einer der am härtesten umkämpften in der Welt. Doch lichtet sich das Feld: Nachdem vor wenigen Jahren noch fünf große Agenturen mit Angeboten aus den Ressorts Politik, Wirtschaft und Vermischtes konkurrierten, bleiben nun die drei großen Anbieter dpa, Reuters und AFP mit deutschsprachigen Diensten übrig.

Alle Agenturen bekommen auch die Probleme ihrer Zeitungskunden zu spüren, die mit rückläufigen Auflagen und der wachsenden Konkurrenz durch Online-Angebote kämpfen. Im vergangenen Jahr meldete auch die "Frankfurter Rundschau" Insolvenz an. Sie überlebte nach einer Übernahme durch ihren Konkurrenten "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", musste allerdings eine drastische Schrumpfkur hinnehmen.

Quelle: n-tv.de

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