Wirtschaft
Nach den Stürmen "Sandy" und "Athena" schaut Barack Obama nun auf das "Fiscal Cliff".
Nach den Stürmen "Sandy" und "Athena" schaut Barack Obama nun auf das "Fiscal Cliff".(Foto: dpa)

Inside Wall Street: Nach dem Sturm

Von Lars Halter, New York

Nach "Sandy" hat US-Präsident Obama ein weiteres Problem. Er muss das "Fiscal Riff" umkurven. Dabei stehen die USA nach der Finanzkrise und einer schweren Rezession heute recht stabil da. Obamas Wirtschaftspolitik wird dafür sorgen, dass sich die Lage verbessern wird.

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Die US-Amerikaner sind Stürme gewohnt, und sie haben auch den jüngsten überstanden. Den ganz großen Sturm, neben dem selbst und Neuer Sturm fegt über USA winzig ausschauten. Den ganz großen Sturm, der seit zwei Jahren das Land unbarmherzig schüttelte, der Dollar-Milliarden fraß und Angst und Schrecken brachte. Als er sich verzogen hatte und die Sonne wieder schien, war Barack Obama wiedergewählt - der Kampf um das Weiße Haus ist vorbei.

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Seit der Wahl überschlagen sich die Analysten nun mit Prognosen. Was bedeutet für die weitere Politik der USA? Wird die einstige Supermacht über das "Fiscal Cliff" in den sicheren Finanztod rasen? Wie geht die Wall Street mit dem Wahlausgang um? Ein erster Blick auf dem Handel an den US-amerikanischen Märkten wäre leicht falsch zu interpretieren.

Denn seit der Wahl ging es für die Wall Street zunächst einmal steil bergab. Mehr als 400 Punkte, rund vier Prozent, büßte allein der Dow Jones an den ersten zwei Tagen nach der Wahl ein. Auf dem Parkett herrscht Wut. Die Händler hier hatten sich komplett und ausnahmslos hinter Mitt Romney gestellt, teilweise beeindruckende Beträge in die republikanische Wahlkampfkasse gespendet - gebracht hat es nichts. Jetzt befürchtet so mancher den Untergang der USA, den direkten Verfall der Weltmacht in den Sozialismus.

Natürlich ist das Blödsinn, und es ist auch nicht ganz klar, woher diese Ansicht kommt. Denn der Börse ging es in der ersten Amtszeit von Barack Obama ausgesprochen gut. Der Dow Jones hat sich im Wert fast verdoppelt. Die Banken konnten stabilisiert, der Automobilsektor gerettet werden. Sicher, die Arbeitslosigkeit ist noch immer viel zu hoch, doch die jüngsten Zahlen bestätigen einen positiven Trend. Wenn sich die Wirtschaft in Obamas zweiter Amtszeit weiter entwickelt wie in den ersten vier Jahren, dann sind die versprochenen 5 Prozent machbar.

Lage wird sich verbessern

Nach der Bankenkrise, die bekanntlich die US-Wirtschaft vor vier Jahren bedenklich nahe an den Abgrund gebracht hatte, und nach einer schweren Rezession, stehen die USA heute recht stabil da. Die Wirtschaftspolitik von Barack Obama stellt sicher, dass sich die Lage noch verbessern wird - die Wall Street weiß das, eigentlich. Denn Obama beharrt auf Reichensteuer machen es möglich, den Haushalt auszugleichen und Schulden abzubauen. Gleichzeitig schränken sie die Notwendigkeit von Sparmaßnahmen ein. Damit sind auch künftig wichtige Investitionen in die Infrastruktur machbar, die nicht nur Arbeitsplätze schaffen, sondern auch verhindern könnten, dass dem Land künftig nach Unwetter wochenlange Stromausfälle drohen.

Zum Vergleich das Wirtschaftskonzept von Mitt Romney - soweit es zuletzt bekannt war. Dessen Steuergeschenke an die Reichen hätten keine Arbeitsplätze geschaffen und der Konjunktur auch sonst nichts genutzt. Es ist bekannt, dass Steuersenkungen ab einer gewissen Einkommensgrenze nicht in den Wirtschaftskreislauf zurückfließen. Warren Buffet hat unlängst erklärt, dass er seinen Lebenswandel - und sein Konsumverhalten - wohl nicht ändern würde, wenn er plötzlich noch mehr Geld hätte. Das gilt für alle Millionäre. Steuererleichterungen bei Geringverdienern fließen hingegen größtenteils in Konsumausgaben und kurbeln die Wirtschaft an.

Der US-amerikanische Ökonom und Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman hat immer wieder gewarnt, dass die skizzierte Wirtschaftspolitik der Republikaner kompromissbereit das Land in eine neue Rezession stürzen würde. Nach der verlorenen Wahl stimmen jetzt auch konservative Stimmen zu. "Steueranhebungen für die Reichen sind für Amerika zu verkraftenr", sagt etwa Bill Kristol vom Weekly Standard.

Wall Street mit Obamas Wiederwahl nicht zufrieden

Es wird eine Zeit dauern, bis sich die Sicht der Demokraten durchsetzt. Denn die Republikaner haben im Wahlkampf perfide Taktiken benutzt, die Politik des Weißen Hauses schlecht zu machen. Obama gefährde die Stabilität der US-Wirtschaft, hieß es immer wieder - dabei war es ausgerechnet die eigene Politik der Republikaner, die eine Gefahr darstellte. Die Partei hat vor der Wahl immer wieder mit Projektion gearbeitet und eigene Schwächen auf die Konzepte des Gegners geschoben. Die Taktik war erfolglos, wie der Wahlausgang zeigte - und doch: Die Wall Street lässt nach den ersten Handelstagen zumindest erahnen, dass Wie Obama die Wall Street verlor .

Dabei sei allerdings wieder einmal davor gewarnt, tägliche Schwankungen der Märkte allzu ernsthaft zu interpretieren. Vor vier Jahren brach der Dow Jones am Tag nach der Wahl Barack Obamas um mehr als 5 Prozent ein - bevor er zu einer beispiellosen, fast vier Jahre dauernden Rallye aufbrach. Wenn sich die Wall Street gerade in einer Korrektur befindet - und das tut sie seit einigen Wochen - dann ist das nicht Obama zuzuschreiben, sondern eine angemessene Reaktion der Anleger auf die jüngsten Kurssprünge in einem überkauften Markt.

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Quelle: n-tv.de