Wirtschaft
Knallharte Verträge im Niedriglohnsektor: Wie entwickelt sich der US-Arbeitsmarkt unter Präsident Obama?
Knallharte Verträge im Niedriglohnsektor: Wie entwickelt sich der US-Arbeitsmarkt unter Präsident Obama?(Foto: Reuters)

Inside Wall Street: Wie die USA ihre Arbeiter schikanieren

Von Lars Halter, New York

Der US-Arbeitsmarkt scheint sich seit Jahren zu erholen, doch hinter der stetig sinkenden Arbeitslosenquote verbergen sich Probleme - vor allem für Arbeiter, die sich mit immer mehr Widrigkeiten auseinandersetzen müssen.

Längst ist bekannt, dass sich mit dem Arbeitsmarkt in den USA das Lohn- und Gehaltsniveau nicht erholt hat. Wo in den letzten Jahren qualifizierte Stellen abgebaut wurden, entstehen immer mehr Niedriglohnjobs, vor allem in Restaurants und Einzelhandel. Dort arbeiten heute Erwachsene in Vollzeitstellen, die früher einmal Schülern und Studenten als Einstiegsjobs dienten. Viele verdienen den gesetzlichen Mindestlohn, mit dem sich aber längst keine Familie mehr ernähren lässt.

Doch die niedrigen Zahlungen sind nicht das einzige Problem für Arbeitssuchende, die sich immer weniger Jobs teilen müssen. US-Medien berichten zunehmend von unfairen Bedingungen am Arbeitsplatz und Vertragsklauseln, die im Niedriglohnsektor bislang nicht bekannt waren. Aktuelles Beispiel: die Fastfood-Kette Jimmy John's.

Wer hier für magere acht Dollar Stundenlohn Sandwichs belegt oder Bestellungen ausfährt, findet in seinem Vertrag eine Wettbewerbsklausel, die es dem Arbeitnehmer explizit untersagt, zu einem Mitbewerber zu wechseln.

Solche Klauseln gab es schon immer, allerdings nur im gehobenen Management. Da ist es durchaus verständlich, dass Unternehmen ihren Führungskräften, die gutes Geld verdienen und Insiderwissen haben, einen Wechsel erschweren oder verbieten wollen. Für den Mann an der Sandwich-Theke stellt sich die Situation anders dar und es gibt wohl nur einen Grund, ihm einen Wechsel zu erschweren: So lässt sich der Lohn klein halten.

Kassierer auf Abruf

Nicht viel besser ist die Situation für Geringverdiener im Einzelhandel. Dort werden laut einem Bericht der "New York Times" die Arbeitszeiten, etwa für Kassierer, per Computer ermittelt – oft kurzfristig als Reaktion auf den aktuellen Andrang im Geschäft. Ganz spontan werden etwa Kassierer außerhalb ihrer eigentlichen Schichten einbestellt, ebenso spontan werden sie nach Hause geschickt - ohne finanziellen Ausgleich für nicht geleistete Stunden einer verabredeten Schicht.

Für das Unternehmen ist der Vorteil klar: Arbeiter werden nur dann eingesetzt, wenn es sich lohnt. Ein Hoch auf die Flexibilität, die leider nur einseitig gilt: Eine Kassiererin etwa früher gehen zu lassen, wenn das Kind in der Kita krank wird, das ist bei dem effizienten Algorithmus nicht drin.

Leibesvisitation in der Freizeit?

Ärger um die Berechnung der Arbeitszeiten hat zur Zeit auch wieder Amazon. Der Onlineriese durchsucht seine Lagermitarbeiter regelmäßig auf gestohlene Artikel – die Arbeiter machen das Spiel mit, wollen aber den Zeitaufwand wenigstens vergütet haben. Ihr Argument: Wenn Amazon großen Wert auf solche Untersuchungen legt und diese quasi zum Job gehören, dann muss dafür auch gezahlt werden.

Eine entsprechende Klage wird zur Zeit verhandelt. Unabhängig von der Entscheidung des Gerichts ist allerdings bemerkenswert, wie Corporate America einen immer noch schwachen Arbeitsmarkt ausnutzt, um bei Mitarbeitern unanständige Bedingungen durchzudrücken.

Quelle: n-tv.de